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Tied & Tickled Trio And Billy Hart - La Place Demon

Tied & Tickled Trio And Billy Hart- La Place Demon

Morr / Indigo
VÖ: 01.04.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Unberechenbaren

Die Acher-Brüder können nicht nur Musik, sie können auch überzeugen. Billy Hart nämlich, 70jährige Jazz-Schlagzeug-Legende und Weggefährte von Miles Davis und Herbie Hancock, der auf dem siebten Album von Tied & Tickled Trio mittrommelt, als kenne er weder Rheuma noch Altersschwäche. Es spricht für die Formation, einen solch verdienten Musiker in ihr eigenes Jazz-Universum integrieren zu können, das in einer ganz anderen Umlaufbahn kreist als die Weilheimer Indie-Elektronik. "La Place Demon" ist ein entsprechend spannungsgeladenes und ereignisreiches Album, das so klingt, wie ein expressionistisches Bild aussieht.

Die Ansätze sind verschieden. Als "Laplace's demon" bezeichnet man die Überlegung des Astronomen Laplace, der anhand der Anwendung von Naturgesetzen und der genauen Betrachtung der Gegenwart die Vergangenheit bestimmen und die Zukunft voraussagen wollte. Es sind die Ansätze einer Weltformel, die im Kontext einer Jazz-Platte, dieser Jazz-Platte, ad absurdum geführt wird. Auf "La Place Demon" ist vieles improvisiert, frei interpretiert und nichts vorhersehbar. Free Jazz spielen Tied & Tickled Trio hier und kehren damit dem Dub- und Elektro-Spiel vorerst den Rücken.

"La Place Demon" zeichnet aber auch die lange Biografie von Billy Hart nach, der sich vom Jazz und Hard Bop zur Experimentalmusik trommelte. Und so wird ein weites Feld beackert. Da treffen ausufernde, verspielte Klanglandschaften auf einen präzisen Rhythmus, der munter mit Dynamik und Intensität spielt. Ein loses, mäanderndes Konzept hat Tied & Tickled Trio hier entworfen, das um seine eigentlichen Stützfeiler herumschleicht. Melodielieferanten sind die Bläser, die mit dezenten elektronischen Stimmungsbildern spielen. Aus Hard Bop wird hier Cool Jazz, aus statischer Struktur spielerisches Chaos.

Die Spannung wird dabei stetig hoch gehalten. "The three doors pt. 1" baut sich immer wieder auf, um schon bald in sich zusammenzufallen, die Bläser klingen nach Film noir, und die elektronischen Versatzstücke erzeugen eine gespenstische Kulisse. Verschmitzt und bedrohlich klingt das, in der nächsten Sekunde wieder freundlich und entspannt. "La Place Demon" hebt das Schlagzeugspiel von Billy Hart in den Vordergrund, stützt sein ganzes Dasein auf die Fähigkeiten des Virtuosen. Eine Verbeugung, die manchmal im Rücken zwickt, aber immer herzlich ist.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The three doors pt. 1
  • Lonely woman / Exit La Place Demon / The electronic family
  • Ghost allaround

Tracklist

  1. The end is the same as the beginning
  2. The three doors pt. 1
  3. Calaca
  4. Viloent collaborations pt. 1
  5. The three doors pt. 2
  6. Violent collaborations pt.2
  7. Lonely woman / Exit la place demon / The electronic family
  8. The three doors pt. 3
  9. Ghost allaround

Gesamtspielzeit: 56:03 min.

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