Motorpsycho - Roadwork Vol. 4: Intrepid skronk

Motorpsycho- Roadwork Vol. 4: Intrepid skronk

Stickman / Indigo
VÖ: 29.04.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Hungry for roar

Motorpsycho ohne Håkon Gebhardt, das war für den geneigten Fan einst so etwas wie der erste Glockenschlag zum jüngsten Gericht. Ein Infernal von einem Sakrileg, ein Don'teventhinkaboutit - und ein dicker Sargnagel zur Bandgeschichte sowieso. Dann aber tauchten Nachweise der bisherigen Arbeit von Neu-Drummer Kenneth Kapstad durchs WWW, und man staunte allerorten nicht schlecht. Was sich schnell auch bei ersten Konzerten mit Motorpsycho bestätigte. Denn auch bei denen störte der Kapstad mal so gar nicht, nur Ryan und Sæther könnten sich endlich mal wieder zusammenreißen. Was sie dann auch flugs taten. Seither haben Motorpsycho zwar keinen neuen Gebhardt, aber definitiv einen neuen Schlagzeuger: im Fankosmos von Motorpsychohausen die allerhöchste Auszeichnung, die vergeben werden kann. Nun tritt die altehrwürdige Roadwork-Reihe mit dem Anliegen an, die zurückliegenden Jahre mit Kapstad zu rekapitulieren. Ein Ritterschlag, jetzt also auch von Bandseite.

Da eben jener Kapstad mittlerweile aber eher wie H.P. Baxxters Schwippschwager aussieht, ließen sich Ryan und Sæther die gesamte Körperbehaarung einmal bis in die Siebziger und wieder zurück wachsen - was dann auch so ziemlich die Strecke abmisst, die "Roadwork Vol. 4: Intrepid skronk" mit all seiner Wucht in Armlänge hat. Gleich "The bomb-proof roll and beyond" verdichtet sich zu spacerockendem Drone und arbeitet den chaotischen Mittelteil des Originals zu einem soligeschwängerten Bastard aus. Sæthers Bass gibt die pumpende, irgendwann nur noch als festes Grummeln im Magen wahrnehmbare Lokomotive, und zum Schluss finden Motorpsycho einen Satzgesang, der den des Originals an Größe noch übersteigt.

Das auf "Demon box" als mehrstimmiges Mantra trotz kellertiefer Drums rein akustisch ausgearbeitete "All is loneliness" wird hingegen zu einem stampfenden Jam, bei dem sich die Stimmen erst zurechtfinden, wenn sich alles andere zuvor ordentlich leer geklopft hat. "Wishing well" wächst sich ganz langsam zu einer tief im Inneren vor Melancholie nur so pulsierenden dicken Luft aus, derart voller Gitarren und Bässe, dass nicht mehr von Wänden, sondern besser von ganzen Bergmassiven gesprochen werden sollte. Obwohl diese Ganzkörpererfahrung in Emorock harmonisch gesehen wohl der einfachste Trick ist, der auf "Roadwork Vol. 4: Intrepid skronk" zu hören ist, wird dessen Überwältigungsstrategie doch zu einer der stärksten Gesten der Platte.

Auch "Kill devil hills" und "The alchemyst" versteigen sich zu turmhohem Noise, während die über die Gitarre hüpfende Folk-Psychedelica von "Landslide" die Ruhe vor diesem Sturm ist. Dass Motorpsycho live stets nur mindestens so gut sind, wie es auf den Roadwork-Kollektionen dokumentiert wird, ist kein eben gut behütetes Geheimnis. Dennoch zittern hier so einige Male die Eingeweide des Hörers, denn das alles ist einwandfrei produziert und akzentuiert. Auch all die Ablenkungen, Jams und Neuarrangements sind - wie bei den Vorgängern der Serie - jedes Ohr wert. Und Kapstad? Zwischen ihn und Motorpsycho passt ebenso kaum ein Feigenblatt wie zwischen "Roadwork Vol. 4: Intrepid skronk" und die maximal ausreizbare Spielzeit. Aber auch das ist mittlerweile ja hinlänglich bekannt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • The bomb-proof roll & beyond
  • Wishing well
  • Kill devil hills

Tracklist

  1. The bomb-proof roll & beyond, I) Arne Hassle, II) Qajaasaaeneq, III) The sea of diamonds, IV) Ooops, fusion..., V) Arne Hassle (Slight return)
  2. All is loneliness incl. visions from a possible cornucopic future ...
  3. Wishing well
  4. Landslide
  5. Kill devil hills
  6. The alchemyst

Gesamtspielzeit: 79:51 min.

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