The Horror The Horror - Wilderness

The Horror The Horror- Wilderness

Tapete / Indigo
VÖ: 22.04.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Treu geworden

In Schweden ist die Natur durchaus rau, aber nicht unbedingt mit der Sorte wilder Tiere bevölkert, die man seit Bernhard Grzimek "Serengeti darf nicht sterben" mit dem Begriff "Wildnis" verknüpfen würde. Man darf getrost spekulieren, ob nun eine der unzähligen Heavy-Metal-Bands oder eher eine der punkigeren Truppen den wilden Elchen entsprechen, aber es ist klar, dass der Gitarrenpop von "The Horror The Horror" auch auf ihrem dritten Album im Vergleich eher in den Streichelzoo als in die Raubtierabteilung passt.

Gemeint ist denn auch eher die Verrohung der Gesellschaft, welche die fünf Jungs mit gewohnt gepflegter Melancholie beklagen: Ob nun aus der Wildnis verstoßen oder aus dem Untergrund geflüchtet, triste Einsamkeit wird nicht nur in "Vanity besungen. Was machen die da eigentlich? Und vor allem: Was mache ich dabei, der so gar nicht das Gleiche will? Grundlegender Natur sind die Fragen, die auf "Wilderness" gestellt werden, indem sie der Ich-Erzähler in nahezu ego-manischen Geschichten umkreist und dennoch nicht beantworten kann.

Dazu passt der leicht nölige Unterton von Sänger Joel Lindström perfekt - denn er liegt über einem Sound, der je nach Stimmung zwischen Belle & Sebastian und den Strokes hin und herkippt. Allzuviel musikalische Weiterentwicklung gibt es nicht, aber wozu auch? Allein ein Song wie "Out of here" fällt mit seiner wiederkehrenden ruhigen Basslinie, der darauf prägnanten Gitarre und den als Ear-Catcher gut platzierten 80er-Jahre-Popeinsprengseln aus dem gewohnten Rahmen. Dieser wird mit einer einfachen Rhythmussektion aus Bass und Drums sowie entweder an Johnny Marr oder auch mal an Albert Hammond Jr. gemahnenden Gitarren gesetzt und diesmal um das ein oder andere Spielzeugkeyboard ergänzt, wie etwa auf "Submission". Das klingt auch schon mal ansatzweise nach Style Council oder Prefab Sprout, aber der Grundtenor ist ein anderer, schwermütigerer, selbst wenn es an der Oberfläche eines "Imbecile" nachgerade fröhlich changiert.

Andere Stücke kommen hingegen nahezu intim daher: Der Weg durch "The forest" ist ein vorsichtiges Schritte-Suchen mit minimalistischen Bass- und Gitarrenpicks. Aber wie das Kitz zum stolzen Reh wird, so endet die Entwicklung hier mit großer Geste, Marschrhythmus und Glockenlauten inklusive. Das ist die große unendliche Weite, die keinen Grund zur Sorge lässt, und in der man ungestört genießen kann. Da ist sie dann doch, die Entwicklung: Wer es schafft, stets bei sich selbst zu bleiben und dennoch groß zu werden, kann viel erreichen.

(Holger Schauer)

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Highlights

  • Vanity
  • The forest
  • Out of here

Tracklist

  1. Wilderness
  2. Honestly
  3. Vanity
  4. Believe in magic
  5. The forest
  6. Move it!
  7. Submission
  8. Feel it burning inside
  9. Imbecile
  10. Out of here

Gesamtspielzeit: 42:21 min.

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