The Church - After everything now this

The Church- After everything now this

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 28.01.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Hand vor dem Mund

Wie lange hält ein Schokoriegel? The Church scheinen jedenfalls ein gutes Naschwerk erwischt zu haben, denn mit "Under the milky way" konnten sie ganze Jahrzehnte überbrücken. Ihr größter Hit aber hat inzwischen schon fast fünfzehn Lenze auf dem Buckel, und Süßigkeiten aus den späten Achtzigern würde man sich heute nicht mehr wirklich in den Mund stecken lassen. Dennoch vertrauen die immerhin seit über zwanzig Jahren nahezu unverändert zusammen spielenden Australier auf das, was sie in den Achtzigern wenigstens eine Zeitlang groß gemacht hatte: Stimmungen, Klangfarben, Dämmerungsmusik.

Steve Kilbeys samtene und doch immer wolkenverhangene Stimme näselt denn auch heute noch so, als zielte sie auf den melancholischeren Teil der Zielgruppe von Kai Böckings "Formel Eins" ab. Daß bei Böckings Erben mittlerweile Laufbänder mit grenzdebilen SMS-Nachrichten und wackelnde Handkameras zum guten Ton gehören, läßt die Westentaschenromantiker von down under glücklicherweise kalt. Die Beats, die sich manchmal ins nur dezent renovierte Klangbild mischen, wirken denn auch meist eher wie halbherzig angepappt. Da lassen die Australier lieber die Gitarren so lange übereinander wabern, bis sich die dunklen Wolken gebildet haben, die schon immer über ihrer Kirche schwebten. Bei Songtiteln wie "The awful ache" können sich diese dann auch gleich leer regnen.

Für feuchte Augen sorgen die getragenen Schrammeleien jedoch viel zu oft nur unfreiwillig. Zwischen dem erhabenen Gitarren aus "Numbers" und dem sphärischen Hall von "Invisible" reiht sich eine verschenkte Chance an die nächste. In lichten Momenten hat man zwar die Hoffnung, gleich würde sich Robert Smiths Vogelnest dem Mikrophon nähern, um angemessen mit den Katzen zu jammern, aber dann ist es doch wieder lediglich Kilbey, der den Sandmann spielt. Sorgten The Church nämlich früher für die perfekte musikalische Untermalung der leisen Stunden im Dunkel der Nacht, läuft man nun Gefahr, sich sanft in den Schlaf wiegen zu lassen. Der Kopf hängt nach unten, und auch die Lider werden mit jedem seimer gehauchten Schluchzer schwerer. Eine Menge Blei lastet auf "After everything now this". In der Milch schwimmt hier jedenfalls nichts mehr.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Numbers
  • Invisible

Tracklist

  1. Numbers
  2. After everything
  3. The awful ache
  4. Song for the asking
  5. Chromium
  6. Radiance
  7. Reprieve
  8. Night friends
  9. Seen it coming
  10. Invisible

Gesamtspielzeit: 56:06 min.

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