The Raveonettes - Raven in the grave

The Raveonettes- Raven in the grave

Raveonettes Inc. / ADA Warner
VÖ: 08.04.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ascheimer des Glücks

Die Raveonettes haben einiges hinter sich. Zeit für eine Zwischenbilanz. In den zehn Jahren ihres Bestehens haben sie die "Attack of the ghost riders" überlebt, sich der "Chain gang of love" angeschlossen, nach "Love in a trashcan" gewühlt und schließlich zum "Last dance" gebeten. Der dann aber doch nicht der letzte war, wie "Raven in the grave" belegt. Sharin Foo und Sune Rose Wagner erweisen sich auf ihrem fünften Fulltime-Album erneut als Shoegaze- und Sixties-Nostalgiker und außerdem oft als finstere Gesellen, die von der Magie der Liebe gleichermaßen beseelt sind wie von ihrer zerstörerischen Kraft. Die eigene Vergänglichkeit tragen sie dabei stets mit sich herum. Schwarze Vögel, schwarzes Cover, schwarz-weiße Musik - doch auch böse Geister können Gutes tun.

Denn "Raven in the grave" ist wohl die bisher düsterste Arbeit der Exil-Dänen - und wahrscheinlich ihre beste. Obwohl sich genaugenommen nicht allzu viel getan hat am Raveonettes-Amalgam aus verhallenden Gitarren-Reverbs irgendwo zwischen Surf und Twang, kokelnden Grooves und himmlisch verhuschtem Gesang. Zumindest im Opener "Recharge & revolt", der sich mit gereizter Monotonie vorwärtsschrammelt und im Hintergrund zusätzlich Feedback jaulen lässt. Als würden The Jesus And Mary Chain mit David Bowie jammen und anschließend das Publikum verdreschen. Hier sind nicht nur die Gäste, sondern auch die Musiker geladen. Doch es bleibt einer der wenigen aufrührerischen Momente dieses Albums.

Ungestümes Revoluzzertum ist nämlich meist nicht mehr die Sache der Raveonettes. Auch sie werden eben nicht jünger - und setzen sich zusehends stärker mit genau diesem Umstand auseinander. "War in Heaven" legt sich zu hypnotischer Gitarrenfigur und effektiv gesetzten Pausen sanft, aber bestimmt mit dem jenseitigen Türsteher an und pocht auf einen Gästelistenplatz im Himmelreich. In "Forget that you're young" wünscht sich Foo halb trauernd, halb lüstern einen offenbar knackigen Jüngling in die Kiste und lässt sich von spartanischem Basslauf, entzückendem Riff und Synthie-Ausdünstungen willfährig hinters Schwarzlicht führen. Es folgen nächtliche Schimären, gebrochene Herzen, Tautropfen vom Piano - und zum Schluss die nüchterne Erkenntnis "My time's up". Das war ihr Leben.

Da verwundert es nicht, dass sich die Raveonettes mit dem eigenen Ende vor Ohren insgesamt nur noch wenig für die Tanzfläche interessieren, sieht man vom stromlinienförmigen Beginn und dem energischen Uptempo-Drive von "Ignite" einmal ab. Doch trotz Überschaubarkeit in Spielzeit und Trackanzahl fasst "Raven in the grave" die Essenz der Band besser zusammen als jedes Album zuvor: Tiefste Romantik trifft auf berstende Lärmwände, süße Verlockung auf einen rostigen Ascheimer voller Fuzz-Attacken, schwarze Vision auf zarte musikalische Lieblichkeit. Was wie gesagt im Grunde nichts Neues ist, aber nie eindringlicher und hinreißender inszeniert wurde als hier. Spätestens jetzt sind die Raveonettes ihr eigenes Universum - eins, in dem selbst rabenschwarze Tage glücklich machen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Recharge & revolt
  • War in Heaven
  • Forget that you're young
  • Ignite

Tracklist

  1. Recharge & revolt
  2. War in Heaven
  3. Forget that you're young
  4. Apparitions
  5. Summer moon
  6. Let me on out
  7. Ignite
  8. Evil seeds
  9. My time's up

Gesamtspielzeit: 35:59 min.

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