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Yael Naim & David Donatien - She was a boy

Yael Naim & David Donatien- She was a boy

Tôt ou Tard / Rough Trade / GoodToGo
VÖ: 22.04.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Einmal um die ganze Welt

Erinnert sich noch jemand? Es begab sich vor wenigen Jahren, als eine französisch-israelische Songwriterin mit dem wunderbar lebensbejahenden Song "New soul" aus dem Nichts auf der Bildfläche erschien. Yael Naims weltweite Popularität speiste sich nicht zuletzt durch den Einsatz in einem Werbefilmchen eines bekannten Unterhaltungselektronikherstellers. Stempel drauf, Ausverkauf. Doch so einfach ist die Sache bei Naim zum Glück nicht, was bereits der Vorgänger Yael Naim & David Donatien zeigte. Auch ihr drittes Studioalbum platzt beinahe vor abwechslungsreichem Pop, der zwischen Folk, Chanson, Weltmusik und Barjazz à la Norah Jones hin und her diffundiert. Allein ein Hit wie "New soul" fehlt, um "She was a boy" auch der Masse schmackhaft zu machen. Was aber gar nicht weiter stört.

Naims Vielseitigkeit ist ihre größte Stärke und Schwäche zugleich. Ein Beispiel: Auf das gespenstisch entrückte "I try hard" folgt die große, sehnsüchtige Klavierballade "Today", folgt der fröhliche Cabaret-Popsong "Mystical love", folgt das orientalisch angehauchte "Man of another woman" undsoweiterundsofort. Naim packt wirklich alles auf den Tisch, was sie an Stilen und Brüchen in ihrem Reisekoffer findet und auf dem Weg um die Welt aufgeschnappt hat. Das ist einerseits ungemein beeindruckend, weil es wahrscheinlich kaum eine Künstlerin gibt, die das so lockerleicht und selbstverständlich vorträgt, dass man ihr all dies problemlos abnimmt. Andererseits hinterlässt "She was a boy" durch die ständigen Stilwechsel und den bedingungslosen Willen, diese Vielseitigkeit auf jeden Fall zeigen zu wollen, einen etwas schwammigen, ungreifbaren Eindruck. Doch gerade weil Naim ein feines Gespür dafür besitzt, wann und ob überhaupt ein Song einen prägnanten Refrain benötigt oder nicht, sind viele der Songs trotz allem pointiert. Oft verzichtet sie auf die naheliegende Lösung, was "She was a boy" eben nicht leichter, dafür aber umso spannender macht.

Im Grunde ist "She was a boy" wirklich ein feines Album geworden, über das zu meckern einem Luxusproblem gleich kommt. So ist es denn vielleicht auch Frevelei, die Künstlerin darauf hinweisen zu wollen, beim nächsten Mal bitte etwas mehr Ordnung ins Album zu bringen, einen Tick mehr Kompaktheit. Also vergessen wir das gleich wieder, nehmen dieses herrliche Chaos so wie es ist und freuen uns, dass Naim und ihr musikalischer Partner David Donatien so viele schöne Einfälle haben, von denen andere Musiker nur träumen können. Und wenn wie hier einmal kein großer Hit dabei heraus springt, dann macht es das doch nur gleich wieder sympathischer, dieses kunterbunte Kuddelmuddel eines Albums. Gerne mehr davon.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Come home
  • Mystical love
  • Puppet

Tracklist

  1. Come home
  2. My dreams
  3. She was a boy
  4. Go to the river
  5. Never change
  6. I try hard
  7. Today
  8. Mystical love
  9. Man of another woman
  10. Puppet
  11. Stupid goal
  12. If I lost the best thing
  13. Game is over

Gesamtspielzeit: 51:38 min.

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