Imaginary Cities - Temporary resident

Imaginary Cities- Temporary resident

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 25.03.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Keine großartige Stadt?!

Ob Winnipeg wirklich eine so fürchterliche Stadt ist? Zumindest ist "One great city!" - das wunderbare Stück von The Weakerthans' Meisterwerk "Reconstruction site" - nicht unbedingt eine bedingungslose Lobhudelei. In jenem Stück proklamiert sogar eine Abrissbirne ihre Abneigung gegenüber dem tristen, grauen Alltag in Winnipeg. Das Verhältnis von John K. Samson zu seinem Heimatort fußt also auf einseitiger, ironisch-gebrochener Hassliebe. Auf purer, innerster Zuneigung hingegen beruht die Beziehung von Thees Uhlmann zu Imaginary Cities. Darum veröffentlicht Deutschlands bester Vokaldehner das Debüt der kanadischen Indie-Band auf seinem Label Grand Hotel van Cleef, und bietet so nach The Weakerthans einer weiteren kanadischen Band die Möglichkeit, good ol' Germany zu erobern. Das Duo, bestehend aus Sängerin Marti Sarbit und ihrem Kompagnon Rusty Matyas, kommt übrigens auch aus Winnipeg, was den Verdacht nährt, dass es dort so schlimm nicht sein kann. Abrissbirne hin oder her.

Die beiden Musiker aus der kanadischen Provinz Manitoba bemühen sich redlich, mehr zu sein als just another Indie-Band. Und das gelingt ihnen größtenteils, was insbesondere der kraftvollen, souligen Stimme Sarbits zu verdanken ist. Die elf Stücke verquicken folglich auf wunderbare Weise schlaftrunkenen Indiepop mit kleineren Ausflügen in Soul und Folk. Einmal werden die zwei sogar richtiggehend übermütig und probieren sich an einem Bossa Nova. Das klingt dann, als habe jemand den beiden zu viele Vitamintabletten in den frisch gepressten Orangensaft getan. Hin und wieder laufen Imaginary Cities allerdings auch Gefahr, zu lieblich zu werden, Ecken und Kanten und kleine Bruchstellen finden sich in den elf Stücken des Debüts sehr selten. Aufkratzende Momente sucht man vergebens - wenn man sie denn überhaupt sucht. "Temporary resident" ist trotzdem nicht harmlos, selbst wenn sich die Stücke vor positiv gemeinter Melancholie nicht scheuen.

Am besten klingen die beiden Kanadier, wenn sie ihre Lieder mit Träne im Knopfloch spielen, und Sarbit mit besonders eindringlicher Stimme ihre Verse intoniert. "Where'd all the living go" wird so zum Beziehungsende-Blues mit Extraportion Herzblut. Vom Suchen und Finden der Liebe handelt auch der Opener "Say you": "I went out into the darkness, the darkness turned to light / And when I found my freedom, he said that freedom wasn't mine / I crossed to mighty ocean, to watch you from afar / I climbed the highest mountain, to see just where you are." Diese bildhaften Texte sowie die klare und trotzdem stets eloquente Sprache erweisen sich als weiteres Plus. Im flotten "Don't cry" sind auf einmal Gossip ganz nah, nur ohne den rosaroten Feenstaub und den Promibonus. Wenn es Imaginary Cities künftig gelingt, etwas griffiger zu klingen - wenn sie also ein bisschen mehr Patina anlegen -, dann könnten sie die nächste große Band aus Winnipeg werden. Kein Grund also, diese verdammte Stadt zu hassen. Oder?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Say you
  • Where'd all the living go
  • Temporary resident

Tracklist

  1. Say you
  2. Hummingbird
  3. Calm before the storm
  4. Don't cry
  5. Purple heart
  6. Ride this out
  7. Where'd all the living go
  8. Temporary resident
  9. Manitoba bossa nova
  10. Cherry blossom tree
  11. That's where it's at, Sam

Gesamtspielzeit: 38:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Johnny
2011-03-29 00:25:06 Uhr
Ja, großartige Platte... momentane Dauerrotation.
LG
2011-03-28 22:14:38 Uhr
warsch lulu gehsch jetzt bubi
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