Gorillaz - The fall

Gorillaz- The fall

Parlophone / EMI
VÖ: 15.04.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

iErtanz

Mancher Witz ist so blöd, dass er sich selbst überholt. Als im letzten Jahr Apple sein iPad vorstellte, war der Spott groß. Der technische Heilsbringer hieß nur um einen Vokal erweitert genauso wie im Englischen Tampon und Damenbinde. MadTV hatte das lustige Buchstabenspiel schon vor ein paar Jahren entdeckt und damals bereits die Werbung für das stylische Hygieneprodukt der modernen Frau gedreht. Ungeachtet allen Spotts setzte sich das Ding dann doch irgendwie durch. Und landete auch im Tourbus der Gorillaz. Dabei rumgekommen ist "The fall", das vierte Album der Band, das komplett auf dem Tablet aufgenommen wurde, während Albarn und Co. um die Welt tourten. Bereits Ende des letzten Jahres ging das Ding als Weihnachtspräsent raus und kommt nun auch als Platte mit viermonatiger Verspätung an. Albarn hatte es eben besonders eilig, wollte er doch der erste Musiker sein, der mit einem iPad ein ganzes Album füllen kann. Zumindest das ist ihm offenbar gelungen.

Innerhalb weniger Tage im Herbst ist "The fall" entstanden. Kein Aufsehen um spektakuläre Features, kein großes Suchen nach einem Sound, der dem Feuilleton kräftig durch die Palmen bläst. Auch Alban selbst hält sich zurück, gönnt sich keine Hooks, um in den Vordergrund zu rutschen, sondern lässt dem elektronischen Sound seinen Raum. "Detroit" türmt etwa seinen stoisch blinkenden Rhythmus zur Seite. Nach zwei Minuten ist das Thema vom Pad und auch wieder aus dem Gedächtnis raus. Auch der Opener "Phoner to Arizona" dröhnt fröhlich in seinen elektronischen Bausteinen und Beats, kommt aber einfach nicht auf einen Punkt. Die Spontanität der Aufnahme fließt direkt in den Eindruck der Unfertigkeit. Dass dann ein Track wie "Bobby to Phoenix" heraussticht, weil er wieder mit Womacks markanter Stimme aufmachen kann, liegt daran, dass er eben runder, geschlossener ist und besser pumpt. Auch "Amarillo" setzt Albarns Timbre mit den kargen elektrischen Takten bestens zusammen. Dröhnend ziehen da hinter Refrain und Strophe die Fahrbahnmarkierungen vorbei. "The parish of space dust" schafft dieses Feeling mit seinem Konserven-Chor nicht, aber immerhin docken die entfernten Bläser gleich an die Gehörgänge an.

Das Spiel mit den Identitäten ist auf "The fall" komplett gebrochen. Wenn es jemals einen Bandsound gab, dann ist diese Platte die vorläufige Beendigung dessen. Tilt und alles auf Neustart. Weder vom Pop, noch vom Dub oder HipHop sind Versatzstücke geblieben. Stattdessen drängt sich Weichspül-Elektronik auf. Klöpse wie "The joplin spider" lassen sich da nur schwer aus dem Trüben fischen. Und an diesen stößt sich "The fall" dann auch zuverlässig oft. Das lahme Runternudeln der Tasten in "Aspen forest" reißt da nicht viel. Immerhin ist "The fall" in seiner Aufnahme- und Saugfähigkeit beeindruckend. Ein Mikrokosmos, der bewusst viel ausblendet und sich auf das Wichtigste reduziert. Die Revolution aus der Hosentasche nimmt kein schlechtes, aber auch kein gutes Ende. Doch die neumodische Aufnahme frisst ihr eigenes Produkt. Immerhin gibt es auch für den Sound von "The fall" die passende Zeit. Wie eben für alle Dinge. Diese Regel wird da aufgenommen, wo sie geschieht.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • HillBilly man (feat. Mick Jones)
  • Bobby in Phoenix (feat. Bobby Womack)

Tracklist

  1. Phoner to Arizona
  2. Revolving doors
  3. HillBilly man (feat. Mick Jones)
  4. Detroit
  5. Shy-town
  6. Little pink plastic bags
  7. The joplin spider
  8. The parish of space dust
  9. The snake in Dallas
  10. Amarillo
  11. The speak it mountains
  12. Aspen forest (feat. Paul Simonon)
  13. Bobby in Phoenix (feat. Bobby Womack)
  14. California & The slipping of the sun
  15. Seattle yodel

Gesamtspielzeit: 43:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@@duff man
2011-04-17 15:51:35 Uhr
genau an die musst ich beim lesen auch dreckt denken ;D
Gör Riller
2011-04-17 00:30:19 Uhr
Unglaublich, wie gut das fade Album "Demon Days" bei den Usern hier wehkütt.
LG
2011-04-17 00:28:22 Uhr
Irgendwie auch dämlich, das Album "The Fall" zu nennen und nicht wie auf "Plastic Beach" Mark E. Smith als Gastsänger zu haben.
@duff man
2011-04-14 02:45:32 Uhr
Der Song ist auch deswegen schon so geil, weil der Titelname an Radiohead erinnert!!!
duff man
2011-04-14 02:39:42 Uhr
'ne Menge Schrottt. Dazwischen der beste Gorillaz Song seit Demon Days: "Revolving Doors"
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