DevilDriver - Beast

DevilDriver- Beast

Roadrunner / Warner
VÖ: 18.02.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zorniger alter Mann

Dez Fafara hat so einiges im Musikbetrieb erlebt: Zunächst war er jahrelang Frontleidender bei Coal Chamber, die drei starke Alben mit Gothic-Gimmick einspielten und zu den Großen im modernen Metal gehörten, nur um sich dann theatralisch und prügelnderweise von der Bühne zu verabschieden. Durchaus zum rechten Zeitpunkt verließ Fafara den Schlechte-Kindheits-Metal und kanalisierte seine Aggression kurzerhand mit Hilfe einiger vormals unbekannter Jungspunde fortan bei seinem ehemaligen Nebenprojekt DevilDriver. Nunmehr, vier Alben später, hat er unter der etwas sperrigen Bezeichung New Wave of American Heavy Metal auch hiermit einen einschneidenden Beitrag zur Musikgeschichte geleistet.

Und auch auf ihrem fünften Album sind DevilDriver gleichermaßen originell, technisch virtuos und dazu in der Lage, in unterschiedlichen Facetten auf der Metal-Klaviatur zu spielen. "Beast" gelingt es mühelos, zum melodischen Death Metal schwedischer Prägung die Hardcore-Ellenbogen auszufahren. Dergestalt taugen DevilDriver zum großen Chefdiplomaten zweier schwerlich vereinbarer Lager, so dass der Iron-Maiden-Metaller und der Fear Factory-Hörer ihr Bier fortan gemeinsam trinken. Seine besondere Spannung gewinnt "Beast" aus den Gegensätzen, die bei Fafara und Kollegen aufeinanderprallen: Seine gesangliche Verschrobenheit konterkariert trefflich die Virtuosität, mit der DevilDriver zu Werke gehen. Ecken und Kanten gegen Perfektion, Wut gegen den klaren Kopf, Fuck-Off-Attitüde gegen hunderte Stunden im Proberaum.

Diese Heterogenität ist es, dank der DevilDriver aus der gefühlsarmen Übertechnisierung des jüngeren Metalcore herausragen - und Fafaras Zorn macht aus seiner Band mehr als eine bloße Ansammlung von Gitarrenlehrern mit Hang zur Bühnen-Exzentrik. "Beast" geht nicht den Weg des geringsten Widerstands und verzichtet dankenswerterweise darauf, den Killswitch-Engage-Kleister anzurühren und so den Hit fürs College-Radio zusammenzupappen. Damit sich die Qualität von "Beast" entfaltet, braucht es zwar einige Anläufe, doch gerade in der zweiten Hälfte des Albums reihen sich die Perlen dabei direkt aneinander. Dass ihnen etwas zurückgefahrene Härte durchaus gut steht, deutet "Black soul choir" bereits an, bevor das überragende "Crowns of creation" ganz in seiner Melodieverliebtheit aufgeht. Da irritiert es mindestens, dass DevilDriver nur dem Intro und Outro von "Blur" diesen brillanten Groove spendieren, anstatt direkt die Strophen darauf zu hieven.

So hält die Band auch hier das hohe Niveau ihrer ersten Veröffentlichungen und bleibt die Speerspitze einer nicht mehr so recht funkelnden NWoAHM. Es fehlen letztlich nur Nuancen und ein, zwei Überraschungen, um aus "Beast" ein sehr gutes Album zu machen. Nichtsdestotrotz gönnen sich DevilDriver keinerlei Ausfälle und beweisen Liebe zum Detail: Einmal scheint ein Black-Metal-Riff durch, dann spielen sie Metal mit Rock'n'Roll-Tolle, dazu ruiniert der Frontmann seine Stimmbänder noch immer angepisst und ohne Rücksicht auf den Metalcore-Knigge. Da interessiert es keinen, ob das nun Growl, Grunt oder Pig Squeal heißt. Neben dem Charisma des Sängers und den musikalischen Fertigkeiten seiner Band sehen tatsächlich die meisten Kapellen ähnlicher Prägung wie Pfadfinder aus. Ein Fafara macht eben den Unterschied. Wieder einmal.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Hardened
  • Blur
  • Black soul choir
  • Crowns of creation

Tracklist

  1. Dead to rights
  2. Bring the fight (to the floor)
  3. Hardened
  4. Shitlist
  5. Coldblooded
  6. You make me sick
  7. Talons out (Teeth sharpened)
  8. Blur
  9. The blame game
  10. Black soul choir
  11. Crowns of creation
  12. Lend myself to the night

Gesamtspielzeit: 55:24 min.

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  • DevilDriver (8 Beiträge / Letzter am 14.04.2011 - 14:20 Uhr)

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