Bob Marley & The Wailers - Live forever

Bob Marley & The Wailers- Live forever

Island / Universal
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Energierig

Sie hat ihn längst erwischt. Genau wie Che und Kurt ist Bob Marley auf Tassen, Postern und Shirts samt romantischer Kifferbefindlichkeit gelandet. Und jeder, der gerade einmal "I shot the sheriff" auf Sommerfesten mitgröhlen kann, kauft den Kram auch noch. Kulturindustrie, ick hör Dir trapsen. Immerhin hat es der ganze Wirbel geschafft, fast annähernd die gesamte Bevölkerung der westlichen Welt glauben zu machen, dass die jamaikanische Flagge grün, gelb und rot sei. Aber in die Pfeife geraucht, der ganze Mist. Der Ruhm bringt das eben mit sich. Dass unter dem Sofa einer großen Plattenfirma nun eine gemasterte Version des letzten Live-Auftritts von Marley auftauchte, verwundert da schon lange nicht mehr. Zahlreiche Tracks kursierten bereits als Bootlegs durch die Weiten der Welt . Doch neben den anderen Platten mit Live-Auftritten von Marley und den Wailers hat auch "Live forever" seine Stärken und Momente. Und die liegen fernab irgendwelcher chronistischen Pflichten. Sinnvoll bewerten lässt sich das Album eh nicht mit dem Wissen, dass es seine letzte Show dokumentiert.

Schon auf den ersten Rhythmen zeigen die Wailers einen unglaublichen Vibe. "Positive vibration" drückt sich schwitzig durch den Saal. Zwei Tage vor dem Konzert war Bob Marley noch zusammengebrochen, und bis zum Morgen stand nicht fest, ob Marley diesen Auftritt überhaupt spielen können würde. Er konnte. "Them belly full" lässt die Fäden astrein zusammenlaufen. Marley bietet seine Message, die Wailers pumpen den Rhythmus, und der Beat setzt sich in den Nacken. Da verliert selbst "No woman no cry". Das kommt zwar passend daher, aber reiht sich nur stur in die Tracklist ein. Die springende Punkte setzen davor eher "Zimbabwe" oder "The heathen", denen die Energie aus den letzten Poren tropft. Keine Spuren von Erschöpfung oder Krankheit lassen sich in Marleys Performance ausfindig machen. Diese Mystik flammt kurz in den ersten Saitenschlägen von "Redemtion song" mit, doch die Wailers steigen nach und nach ein. Eine leichte Percussion, die tragenden Keyboards und die schallenden Drums fegen die Atmosphäre direkt in "Coming in from the cold".

Aus dieser unbändigen Energie, die unter den Tracks rotiert, ergeben sich diese unglaublichen Momente in "Exodus" oder "Could you be loved", die an die sieben Minuten gehen. Deutlich geht da in die Ohren, was Bob Marley für den Reggae so besonders machte. Bis auf "Work" und "Get up stand up" kommen die Aufnahmen direkt aus dem Soundboard, sind also sauber und ziemlich klar. Das Publikum ist in der Ferne noch zu vernehmen, aber so richtige Nähe zum Konzert stellt sich da nicht ein. Welch hitziges Treiben vor der Bühne geherrscht haben muss, spult sich in den letzten zehn Minuten ab. "Get up stand up" hat das Publikum auf seiner Seite. Das geht mit, harmoniert mit dem Rhythmus, steigt in die Lyrics ein und wirft sich das "Waaayooo" mit Marley zu. Roh und flatterig hat sich der Track über das Aufnahmegerät auf ein Band gedrückt. Auch "Work" rumpelt kantig über seine Takte. "Don't give up the fight." Wenige Monate später sollte Marley den Kampf gegen den Krebs verlieren. Doch seine Botschaft lebt weiter. Trotz Tassen und Shirts. "Live forever" bietet sowieso mehr. Den Stoff, aus dem diese Legende ist.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Them belly full
  • The heathen
  • Redemption song
  • Get up stand up

Tracklist

  • CD 1
    1. Greetings
    2. Natural mystic
    3. Positive vibration
    4. Burnin' lootin
    5. Them belly full
    6. The heathen
    7. Running away
    8. Crazy baldhead
    9. War/No more trouble
    10. Zimbabwe
    11. Zion train
    12. No woman no cry
  • CD 2
    1. Jamming
    2. Exodus
    3. Redemption song
    4. Coming in from the cold
    5. Could you be loved
    6. Is this love
    7. Work
    8. Get up stand up

Gesamtspielzeit: 90:54 min.

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