Duran Duran - All you need is now

Duran Duran- All you need is now

Earmusic / Edel
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Manchmal, aber nur manchmal

Wenn sich der Nebel des Jetzt aus dem Oberstübchen verzieht, steht oft eine größere Aufräumarbeit bevor. Man schaut sich um, blickt nach vorn, blickt zurück und überprüft, was noch heil ist und was wegkann. Vielleicht entsteht dadurch auch Kunst. Das ist selten, aber nicht unmöglich. In letzter Zeit schwappt ein laues Lüftchen an einstigen, fast schon vergessenen Ikonen des Synthiepops auf die Menschheit zu. Alphaville, The Human League und wie sie alle heißen. Erst kam die Retrowelle, jetzt kehren die Originale von damals zurück. Duran Duran in diese Reihe einzugliedern, ist wahrlich ein wenig unfair, sind sie doch weder eine Band, die man ausschließlich auf den Synthiesound der frühen 80er Jahre reduzieren sollte, noch eine, die jemals ganz weg vom Fenster war. Mit "All you need is now" wollen Duran Duran dem Titel nach nicht nur durch ihre eigene Vergangenheit surfen, sondern auch oder vor allem im Heute ankommen.

Vom Beginn des Titeltracks bis zum balladesken Ende mit "Before the rain" gleitet Duran Durans 13. Studioalbum auf einer Woge der Begeisterung, was nicht nur Verdienst von Frontmann Simon LeBon und seiner Kompanie, sondern vor allem der grandiosen Produktion eines Mark Ronsons zu verdanken ist. Und spätestens, wenn Duran Duran für einige kleine Sequenzen Kelis und Owen Pallett gewinnen, kann nicht mehr allzu viel misslingen. Beide vereinen sich auf "A man who stole a leopard", dem vielleicht besten Stück der Band seit "Ordinary world" vor knapp 20 Jahren. Pallett zeichnet sich dort für die Streicherarrangements verantwortlich, und Kelis ergreift forsch das Mikro. Wenn dann noch Ana Matronic von den Scissor Sisters in "Safe (in the heat of the moment)" einen tollen Rap auf das Parkett legt, weiß man, da hat jemand viel richtig gemacht. Am Anfang stand Ronsons Bass und später ein tolles, den No-Wave-Veteranen ESG und Liquid Liquid gedenkendes Stück Musik.

Hier ist jedoch unbedingt zu erwähnen, dass nicht nur frischer Wind von außen in die Band geweht wird, sondern sich zudem die alten Granden in Höchstform befinden. Zwei Gründungsmitglieder bestechen an ihren Instrumenten: John Taylor, immerhin schon 50, mit funkigen Basslines und Simon Rhodes am Keyboard. Zusammen mit LeBon ist es ihnen gelungen, weitere Glanztaten zu vollbringen. Sowohl die melancholische Keyboardballade "Leave a light on" als auch die flotte, vom Film "The runaways" inspirierte Tanzflächennummer "Runway runaway" können mit Leichtigkeit überzeugen. Damit sind Duran Duran zwar nicht immer im zweiten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts des dritten Jahrtausends angekommen, aber das Gute aus alten Zeiten wird hier bestens aufgehoben.

Vom Ergebnis werden selbst diejenigen überrascht und begeistert sein, die bei The Human Leagues "Credo" nur noch den Kopf schütteln konnten und bei den letzten Werken von Duran Duran "Astronaut" und "Red carpet massacre" nur widerwillig zugegriffen haben. Mit "All you need is now" ändert sich das alles. Die 80er sind nicht tot zu kriegen, und das ist manchmal auch gut so.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • All you need is now
  • Leave a light on
  • The man who stole a leopard
  • Runway runaway

Tracklist

  1. All you need is now
  2. Blame the machines
  3. Being followed
  4. Leave a light on
  5. Safe (in the heat of the moment)
  6. Girl panic!
  7. A diamond in the mind
  8. A man who stole a leopard
  9. Other people's lives
  10. Mediterranea
  11. Too bad you're so beautiful
  12. Runway runaway
  13. Return to now
  14. Before the rain

Gesamtspielzeit: 56:43 min.

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User Beitrag
night porter
2011-06-17 00:25:20 Uhr
Wüßte eigentlich nicht, dass ich an der schauderhaften Alphaville-Platte vom DJ Ötzi Produzenten irgendeinen Narren gefressen hätte :) Und Sylvian muss auch nicht unbedingt einen klassischen Popsong schreiben, um wieder aufregend zu sein.
Man kann ja gern die letzten Platten von Sylvian mögen, aber alle die das nicht tun, sind keineswegs automatisch auf der Suche nach dem zugänglichsten Popsong, gegen den ich aber gar nichts einzuwenden habe, sofern er gut gemacht ist wie z.B. auch das ein oder andere mal auf der neuen Duran Duran.
Pete Pirate
2011-06-16 22:54:53 Uhr
jungs, jetzt mal ernsthaft, der "pop glitzer" von duran duran ist heute auf dem level des popglitzers von Anders & Fahrenkrog...
Mick Karn (RIP)
2011-06-16 22:50:18 Uhr
gut, was soll man sagen resp erwarten, nightporter hat auch einen narren an der neuen alphaville gefressen, da vermag es nur stimmig und sinnig sein, duran duran etwas abzugewinnen und die nicht mehr ganz so schlichten und zugänglichen ansätze von sylvian als "staganation" zu "verstehen": dann kann der anspruch natürlich auch nur pop sein.
Söze
2011-06-16 22:45:43 Uhr
Kann mich da eigentlich nur anschliessen. Ich will hier auch gar nicht Duran Duran bashen bzw. die Band gegen Japan ausspielen, denn ich mag beide Bands für das was sie sind: Auf der einen Seite Japan als stilbildende und einzigartige Art-Rock Band der späten 70er und frühen 80er. Auf der anderen Seite Duran Duran als "trashige" Hitparadenpop-Fabrikanten, die unterm Strich halt doch immer etwas mehr Talent hatten, als ihnen gemeinhin zugestanden wird. Nick Rhodes hatte z.B. immer ein Ohr für 80er-Synthie-Sounds, die nicht Scheisse klingen, wodurch sich auch der Sound bis heute erstaunlich gut gehalten hat (kann man von den meisten 80er-Hitparadenbands ja nicht behaupten). Ausserdem hatten sie Groove, besonders auf dem Debüt macht der Bass ziemlich Laune.

Und eben: Duran Duran sind vielleicht etwas zu dilettantisch bzw. zu trashig, als dass man ihre Art Rock-Ambitionen (die ja auch immer da waren) wirklich ernst nehmen könnte. Aber dennoch sind Alben wie So Red the Rose (Arcadia-Nebenprojekt), das Wedding Album, Medazzaland und Pop Trash doch weit weg von Stagnation und trotz aller Schwächen und Fragwürdigkeiten irgendwie doch auch interessant. Anders ausgedrückt: Wenn ich Hitparadenmusik hören will, dann greife ich statt zu schauderhaftem Retorten-Pop à la Britney Spears oder inhaltsleerer Pseudo-Performancekunst à la Lady Gaga, wo die Musik nicht einmal mehr Nebensache ist, doch lieber zu Duran Duran. Denn bei denen ist immer auch ein echtes Interesse am Pophandwerk, an den Sounds, an der Musik an sich herauszuhören. So absurd es klingen mag: Bei Duran Duran ist hinter dem Pop-Glizzer und der ganzen Oberflächlichkeit immer auch noch eine gewisse Integrität zu spüren.

Kurzum: Ich mag Duran Duran und deren neues Album ist für mich eines der bisherigen Highlights des Jahres. Es ist eine Platte, die einem wieder mal vor Augen führt, wie verdammt gut Oberflächenpop eigentlich sein kann. Und gegen Japan muss man die Band nicht ausspielen, denn die Bands hatten trotz ähnlichem Look und Sound verschiedene Ansprüche und Ambitionen. Und David Sylvian: Nun ja, ich habe grossen Respekt vor ihm und von seiner Kompromisslosigkeit, ich schätze einige seiner Soloplatten, aber wenn ich ehrlich bin langweilen mich seine neueren Sachen dann doch eher. Der könnte doch wieder mal einen Song schreiben statt nur noch in minimalistischen New Age-Soundsphären zu schweben. Wobei: Das Nine Horses Album war ganz okay.

Schliesse mich ausserdem den Tipps zu Japan an: Einstieg mit der Gentlemen Take Polaroids und dann zur Moroder-igen Quiet Life und der "klingt wie kein anderes Album auf der ganzen Welt" Tin Drum. Wobei ich ja auch eine Schwäche für den Trash-Glam auf dem Debüt, "Adolescent Sex", habe. Aber David Sylvian ist da anderer Meinung :-)
night porter
2011-06-16 18:51:18 Uhr
Sylvian ist mittlerweile der Inbegriff künstlerischer Stagnation. Gebe es den Arthaus-Begriff nicht nur für den Film, sondern auch für die Musik, Sylvian hätte ihn gepachtet mit all seinem negativem Beigeschmack und den selbstgefälligen, spannungslosen wie Ambitionen eher vortäuschenden Gesten. Ein großer Pott Schminke täte da mal mehr als gut sowohl für das Gesicht als auch für die Musik. Die Kunst von Japan und dem frühen Sylvian artifizielle Elemente in spannungsreiche Kompositionen zu packen, ist schon längst dahin. Sylvian mag vielleicht etwas würdevoller wirken als die selbst in ihren besten Momenten immer etwas trashigen Duran Duran (wobei der Eindruck beim Blick auf die letzten Plattencover von Sylvian ziemlich kippen kann), aber die haben wenigstens nach langer Durststrecke ein unterhaltsames Album vorgelegt.

Duran Duran haben sicher jede Menge magere Alben veröffentlicht, aber Stagnation kann man ihnen bei den beständigen stilistischen, sicher manchmal konzeptlos wirkenden Wechseln nicht vorwerfen. All you need is now ist das erste wirkliche Plagiat und dann zudem noch ein ziemlich gutes. Auf dem Debut von Duran Duran hört man zwar den Einfluss von Japan, aber von einer schamlosen Kopie ist das meilenweit entfernt.

@virginia
Solltest du Japan noch einmal eine Chance geben, würde ich Gentlemen take polaroids als ,klassischen' Einstieg empfehlen und danach zu der phantastischen, aber deutlich experimentelleren Tin Drum und zur Quiet life greifen.
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