Natalia Kills - Perfectionist

Natalia Kills- Perfectionist

Interscope / Universal
VÖ: 01.04.2011

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Rubbeln und reiben

Das versaut jede Einleitung. Keine Botschaft, keine Ecken, keine Kanten. Natalia Kills hat der Welt nichts zu sagen. Dass sowas allerdings kein Grund ist, diese nicht doch mit einer Platte zu bereichern, haben schon andere bewiesen - etwa zuletzt die Black Eyed Peas. Also nur folgerichtig, dass Natalia Kills ihr Debüt über will.i.ams Label droppt. Dabei fuhrwerkt Miss Kills schon seit mehr als sechs Jahren an ihrer musikalischen Karriere. Doch es brauchte offensichtlich erst den Post-Gagaismus, damit ein Elektropop-Zwitter wie "Mirrors" sich in die breite Öffentlichkeit schieben konnte. Stampfende Drums out of the Dancefloor und eine Schüssel netter Beats greifen da anständig in die Stimme der 24-jährigen Engländerin rein. Doch die heiße Luft japst in der Melodie, die einfach nichts taugt. Dazu Lyrics, die so frivol sein wollen, dass dem Hörer die Röte ins Gesicht steigt. Rot wird die Birne auch, allerdings eher vom Fremdschämen.

Der erschreckende Moment ist dann gleich "Wonderland", das wieder einen funktionierenden Rhythmus zu bieten hat, bevor dann wieder eine Melodie wie ein Rammler auf und ab seine Bunnies beglückt. "I don't believe in fairy tales / I believe in you and me." Das ist Kills persönliches Abenteuerländ. Und in diesem sind Tempo und Harmonie Konstanten, die nicht angerührt werden dürfen. Mit der gleichen Langeweile werden die Beats gedroschen wie in "Break you hard", das dann offensichtlich auch noch mit einem Mordswortspiel aufwartet, dass es einem das Messer ins Hirn rammt. Mit dem Salzstreuer verteilt dann "Love is suicide" seine Takte, rollt mit der Stirn übers Keyboard und lässt Kills wieder ihre aneinander gereihten Buchstaben in den Äther verteilen. Es ist nicht so, dass Dancefloor-Themen grundlegend lahm sind. Aber Kills schafft es, sie noch unters Bravo-Niveau zu ziehen. Liebe ist auf "Perfectionist" eben für alle da und ganz besonders für Natalia Kills. Dabei bietet diese Platte so viel Erotik wie feuchte Frotteurismus-Träume. Rubbeln und reiben, was das Zeug hält.

Dabei würde sich "Perfectionist" mit jeglichem Porno einen abbrechen. Die ganze Leidenschaft dieser Platte ist so schal und gutbürgerlich, dass sie jede Spannung oder stumpfe Lustbefriedigung sofort zerfetzt. Händchenhalten ist da weitaus frivoler. Durch das Höschen weht hier nur ein laues Lüftchen. "Zombie" unterstreicht das artig mit seinen ausgelutschten Elektronikflächen. Natalia Kills' Stimme ist perfekt ausdruckslos und austauschbar. Was sich als Dark-Pop verkaufen will, ist nur ein dröges Schaumstoffgespenst. Dieser ewig gleiche Aufbau der Tracks, die vorhersehbaren Beats! Die schlechteste Idee präsentiert sich allerdings erst gegen Ende mit "If I was God", das sich in seinen Egozentrismus flüchtet und wieder nur Oberflächlichkeiten auftischt. "Perfectionist" stößt damit genau in den stummen Chor, der sich einen Scheiß um den Rest der Welt kümmert. Dieser Wohlstandspop kennt nur ein Thema, eine Geschichte und zwar sich selbst. Das reicht dann nicht einmal für ein passendes Ende.

(Björn Bischoff)

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Highlights

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Tracklist

  1. Perfection
  2. Wonderland
  3. Free
  4. Break you hard
  5. Zombie
  6. Love is suicide
  7. Mirrors
  8. Not in love
  9. Acid Annie
  10. Superficial
  11. Broke
  12. Heaven
  13. Nothing lasts forever (feat. Billy Kraven)
  14. If I was God

Gesamtspielzeit: 50:23 min.

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  • Natalia Kills (11 Beiträge / Letzter am 12.04.2011 - 15:48 Uhr)