Ladytron - Best of Ladytron 00-10

Ladytron- Best of Ladytron 00-10

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 25.03.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tron Legacy

Die Achtziger sind doch jetzt mal endgültig durch. Das Recycling der Plastikjäckchen-Ästhetik dauert schon länger als das Jahrzehnt selbst. Und wenn man dem (derzeit) Größten Lebenden Popstar™ ihre Gaga-Kostüme wegnimmt, findet man darunter auch nur Madonna. So langsam dürften doch jetzt mal die Neunziger dran sein. Doch noch ist der Mainstream noch nicht bereit für die Rückkehr von Snap!, Culture Beat und Dr. Alban. Nicht ganz unschuldig daran, dass piepsende Synthesizer und schlichte Melancholie ihren Platz in der Popkultur nachhaltig behaupten können, sind Ladytron. "This is our sound."

Die Liverpooler hatten den klassischen 8-Bit-Sound natürlich nicht erfunden, der unter dem handlichen Schlagwort "Electroclash" zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts für Furore sorgte. Aber weil sonst niemand so charmante Geschichtsstunden abhielt, waren ihre Songs wahre Pioniertaten. Ladytron ließen mit den melancholischen Pop-Errungenschaften reichlich Luft aus dem von Phenylethylaminen befeuerten Dance-Einerlei der ausgehenden Neunziger. Statt komplizierten Breakbeats gab es stoische Viertel, doch anstelle pumpender Kickdrums ließen Ladytron lieber Kuhglocken zu sägendem Analogbass klackern. Diese Musik war betont künstlich. Ladytron wollten gar keine organischen Klänge replizieren. Und statt um Party ging es ihnen um Songs. "Why are you dancing when you could be alone?"

Auf ihrem Debüt "604" brillierten Songs wie "Playgirl" mit Kraftwerkscher Klarheit, während "Discotraxx" die feminine Seite des Synthpop erforschte. 2002 formulierte "Light & magic" das Prinzip mit "Cracked LCD", "Blue jeans" und dem Titelstück noch klarer aus. Dank Oktavbass und Helen Marnies desillusionierten Abzählreimen gelang Ladytron mit dem Ohrwurm "Seventeen" sogar ein kleiner Hit. Auf "Witching hour" überstrahlte das treibende "Destroy everything you touch" beinahe die allgemeine Politur, die der Band 2005 gleich drei Singles of the week im NME einbrachte. Pitchfork sprach gar von einem Quantensprung (und hatte einfach nur recht). "Velocifero" öffnete dann zwei Jahre später den Sound in Richtung Gothic, konnte aber trotz Hits wie "Tomorrow", "Ghosts" und vor allem "Runaway" ein gewisses Déjà-écouté nicht vermeiden. "Now you look like a Xerox of yourself."

Wiederholung bedeutet bei Ladytron jedoch keineswegs Stagnation. Schon immer nutzten sie repetitive Strukturen und Sloganisierung zur Betonung. Wozu also Zeit mit Variation vergeuden, wenn Ladytron ihre Songs stets auf das Nötigste komprimieren können? Solch digitalisierte Songstrukturen funktionierten in den analogen Klangwelten stets dann am Besten, wenn die Melodien gradlinig und die Arrangements zielstrebig sind. Kein Wunder, dass ausgerechnet "Best of Ladytron 00-10" die Stärken von Ladytron am bisher deutlichsten versammelt. "There's a ghost in me / Who wants to say I'm sorry / Doesn't mean I'm sorry."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Destroy everything you touch
  • Seventeen
  • Tomorrow
  • Playgirl
  • Runaway

Tracklist

  1. Destroy everything you touch
  2. International dateline
  3. Seventeen
  4. Discotraxx
  5. Tomorrow
  6. Soft power
  7. Ghosts
  8. Fighting in built up areas
  9. Playgirl
  10. Blue jeans
  11. Cracked LCD
  12. Deep blue
  13. Light & magic
  14. Runaway
  15. The last one standing
  16. Little black angel
  17. Ace of Hz

Gesamtspielzeit: 70:08 min.

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