The Crookes - Chasing after ghosts

The Crookes- Chasing after ghosts

Fierce Panda / Cargo
VÖ: 25.03.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Liebe auf Lebenszeit

Der Unterschied könnte größer kaum sein. Lediglich der Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres Debüts und das Riesenbohei darum vereint The Vaccines und The Crookes. Während die ersten mit ihrem jüngst veröffentlichten "What did you expect from The Vaccines?" eher das grölende Pub-Publikum bedienen, etwas simplerer Natur zu sein scheinen und aus dem südlich gelegenen London kommen, hat man es bei The Crookes mit gebildeten, netten Herren zu tun, die als ihren Heimatort das nordenglische Sheffield angeben. Eine Stadt, die bekannt ist für ihre kultivierte Musikszene, aus der unter anderem Pulp, die Arctic Monkeys oder auch Richard Hawley entsprangen. Alle, wie auch The Crookes, keine mentalen Eintagsfliegen. Glaubt man der Geschichte, dann haben sich die vier Jungs beim einsamen Tanzen im Fuzz Club kennengelernt und kurz darauf eine Band gegründet, deren Name sich auf den gleichnamigen Stadtteil Sheffields bezieht.

Bereits die letztjährige EP "Dreams of another day" ließ eine große Vorliebe für The Smiths erkennen, ohne dabei deren weltmännische Wehleidigkeit zu zelebrieren. Hier sah man junge, verliebte Männer, die mit charmantem Gitarrenpop die Damenwelt becircen wollten, auf die ganz altmodische Weise. Dort, wo die EP zwar einen verheißungsvollen, aber noch etwas unausgegorenen Eindruck hinterließ, ließ sich aber bereits das große Potential der Crookes erahnen. Auf ihrem Erstling "Chasing after ghosts" verfeinern die Sheffielder nun ihren Stil, lassen den verehrten Morrissey etwas weiter in der Ecke stehen und legen sich noch mehr ins Zeug, um mit viel Romantik zu glänzen. Die Frau geht natürlich lieber mit den dreckigeren Vaccines nach Hause, ist ja klar. Aber mit den Crookes kann man sicherlich besser reden. Wer also auf den Thrill der einen Nacht aus ist, der hält sich besser an London. Wer etwas Festes und Beständiges auf Lebenszeit sucht, ist bei den Crookes genau an der richten Adresse.

Gleich die ersten fünf Stücke auf "Chasing after ghosts" gehören wohl zum Besten, was der Gitarrenpop dieses Jahr zu bieten haben wird. Mit einer unerhörten Leichtigkeit feiern die Crookes Liebe und Leiden. "It was by far and way / The coldest thing that you could ever say", sinniert der abservierte Sänger George Waite in "Chorus of fools" und weint sich einsam unter der Straßenlampe die Augen aus. Jaja, die Frauen. Der schwelgerische und sowieso Höhepunkt der Platte findet sich in "The Crookes laundry murder, 1992". Ein Song, der den tanzbaren und lockerleichten Liebespop kurz hinter sich lässt, sich über rund fünf Minuten erstreckt, hier und dort einen überraschenden Weg einschlägt und mit einem gesäuselten "Wake me for the morning" dieses Album auf den Punkt bringt. Anschließend lassen es die Crookes etwas leiser angehen und winden sich ob ihres Überschusses an herzerweichender Romantik.

Das Sympathischste an dieser Band ist, dass sie nicht mit der Tür ins Haus fällt. "Chasing after ghosts" ist ein unerhörtes Understatement, das Zeit benötigt, um in voller Pracht zu blühen. Zudem hinterlässt dieses Debüt auch nicht den Eindruck, dass hier schon alle Munition restlos verschossen wurde. "Chasing after ghosts" wirkt mehr wie der Auftakt zu etwas viel Größerem. Wenn die Sheffielder es richtig angehen, dann werden wir in Zukunft noch viel Spaß mit ihnen haben. Und eventuell die Liebe für die Ewigkeit finden. Bis dahin bleibt dies der erste, große Blumenstrauß, den The Crookes als Zeichen ihrer Zuneigung überreichen. Bitte dort hinstellen, wo man auch immer schön draufgucken kann.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Godless girl
  • Chorus of fools
  • The Crookes laundry murder, 1992
  • Carnabetian charms

Tracklist

  1. Godless girl
  2. Chorus of fools
  3. Just like dreamers
  4. Bright young things
  5. The Crookes laundry murder, 1992
  6. Youth
  7. I remember moonlight
  8. Bloodshot days
  9. Carnabetian charms
  10. By the Seine
  11. City of lights

Gesamtspielzeit: 43:16 min.

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User Beitrag
LG
2011-08-03 01:30:56 Uhr

Eine Platte als einziges Gene-Zitat, die ja wiederum ein einziges Smiths-Zitat waren. Kurzum: ich liebe es.

Kurz und bündig und richtig zusammengefasst. :)
Tolle Platte.
Gordon Fraser
2011-06-21 11:08:30 Uhr
Eine Platte als einziges Gene-Zitat, die ja wiederum ein einziges Smiths-Zitat waren. Kurzum: ich liebe es.
Petr
2011-05-19 14:56:55 Uhr
dieses Album hätte definitiv viel mehr Aufmerksamkeit verdient!!!!

hab die Jungs gestern noch live gesehen, auch sehr formidabel!
heart sweats
2011-04-04 19:59:02 Uhr
dieser thread ist durch.
Castorp
2011-04-01 20:26:43 Uhr
Der Sänger hat manchmal was von Kings of Leon.

Nicht meine Tasse Tee (obwohl ich The Smiths mag), tut aber auch nicht weh.

Eric, hör mal lieber bei "Johnny Foreigner" rein, Birmingham wird dich ebenso lieben, nicht nur Sheffield! ;)
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