William The Contractor - Tall stories

William The Contractor- Tall stories

Crying Bob / Broken Silence
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ohrwurmverdachtsmomente

William The Contractor kennt kein Mensch. Zumindest noch nicht. Seine Mission ist es derzeit, genau diesen Umstand zu ändern - was schwierig ist. Denn auch Markus Bergqvist ist jetzt nicht unbedingt ein Name, bei dem sich sofort ein bekanntes Gefühl einstellt. Man hat es sich fast gedacht: Bergqvist ist William The Contractor. Immerhin, wieder was gelernt. Friska Viljor hingegen dürfte dem einen oder anderen Musikhörer ein Begriff sein. Deren Drummer ist der Mann nämlich auch. Manchmal wird umgekehrt ein Schuh draus, und den kann er sich nun ganz alleine anziehen: "Tall stories" ist sein ganz eigenes Album, abseits seiner Band, abseits der Fangemeinde, die ihn bereits durch Songs wie "Gold" und "Shotgun sister" kennt.

Jetzt darf man natürlich zu Recht fragen: Was hat er denn zu verlieren? Nun, vom Drummer zum Singer/Songwriter ist es vielleicht ein kürzerer Weg, als man zunächst denken mag. Dementsprechend gut macht William The Contractor seinen Job auch. "Tall stories" ist ein solides Album, das, wenn man das so sagen kann, nicht im geringsten etwas mit der Musik von Friska Viljor zu tun hat. Ist es Bergqvist sonst gewohnt, fröhlicher Musikmacherei beizuwirken, die in erster Linie Spaß und Freude macht, geht es auf seinem Soloalbum nachdenklicher zu.

Im Opener "Daydreams" bekennt sich der gebürtige Schwede zu seinem Heimatland, geht damit aber hart ins Gericht: "Sweden is a place I would like to call the quiet hole / They never laugh / Don't say hello" und fleht im Refrain förmlich darum, das man ihn nach England gehen lässt - oder zurück in seine Tagträume, wie damals mit 15. Dennoch findet sich mit "Nästa thorhildsplan" ein teilweise muttersprachlicher Song in der Tracklist. Weil er meint,, dies auf seinem Album haben zu müssen, schwelgt William The Contractor in schwedisch-englischem Kauderwelsch in Erinnerungen, die wohl nur er selbst wirklich verstehen kann.

Neben dem Ohrwurmverdachtsmoment mit "Warehouseman" und dem zumindest halbakustischen "Old witch", in dem am Ende schließlich der mehrstimmige Gesang zum eigentlichen Highlight wird, sind es vor allem die ruhigen Songs, die das Album ein ums andere Mal in schwermütige Gefilde abdriften lassen. In "Marry me" offenbart Bergqvist seine Ängste und das darauf nach außen hin merkwürdig erscheinende Verhalten; Anfangs nur von der Gitarre begleitet, wird es zum Schluss geradezu hymnisch, mit paradeartigem Schlagzeug und und weiblicher Unterstützung im Gesang. Im schlicht todtraurigen Abschluss mit "Above the cloud" nimmt der Hörer teil am Abschied von Herrn Bergqvist Senior, dessen Ableben auf tragische Weise thematisiert wird: "Suddenly I fall and hit my head against the kerb / It's hurting for a moment, then I'm finally dead / I'm coming up to meet you as the boy that you once had." Sanft zupft Markus Bergqvist, dessen wahrer Name im Booklet nie genannt wird, an der Gitarre und erinnert sich an seinen Vater. Er trauert, bittet um einen letzten Moment - und bleibt am Ende doch allein. "Thank you, Jan William Bergqvist for getting this project started", steht in den Liner Notes des Albums. Und plötzlich hat sich William The Contractor alias Markus Bergqvist alias der Drummer von Friska Viljor ganz, ganz tief ins Gedächtnis gebohrt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Daydreams
  • Warehouseman
  • Old witch
  • Above the clouds

Tracklist

  1. Daydreams
  2. Lady and a snake
  3. Black gold
  4. Nästa thorhildsplan
  5. Hanna hanged him high
  6. Warehouseman
  7. Old witch
  8. My little man
  9. Marry me
  10. The wizard of Oz
  11. Above the clouds

Gesamtspielzeit: 39:50 min.