The Haunted - Unseen

The Haunted- Unseen

Century Media / EMI
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Spiel des Verhebens

Es ist nicht klar überliefert, ob The Haunteds Peter Dolving "Unseen" so gewollt hat. Oder einer seiner Bandkollegen. Mit mehr Songtiteln als auf einer Doppel-LP von Agoraphobic-Nosebleed hatten Dolving und seine Kollegen sich letztes Jahr eingeschlossen, bestimmt dreißig Tage nicht mehr rasiert, ganz sicher ihre Instrumente und ihrer Leber einem Dauerstresstest unterzogen - und nebenbei diese Platte hier eingespielt und eingesungen. Das steht da übrigens gerade wirklich: "eingespielt und eingesungen". Denn "Unseen" ist ein Charaktertest für den Soundcheck und die Leserbrief-Ecke im Heavy-Metal-Magazin Ihres Vertrauens. Und das kommt so.

Sprunghafter als die AC/DC-Diskographie waren The Haunted ja schon immer. Nach ihrer ersten Platte tauschten sie ihren alten Sänger gegen einen neuen aus, um später diesen neuen Sänger wieder für jenen alten umzutauschen. Vor zwei Alben waren The Haunted als verbriefte Metalband schon im Grenzgebiet von Musik angekommen, die noch Thrash und Metal ist, obwohl sie schon damals auch Alternative war. Nervenschwache schnallen sich jetzt bitte im Bürostuhl fest, bevor sie weiterlesen: Es gibt vielleicht einen einzigen Moment auf "Unseen", der unmaskiert wirklich komplett wie hier auf einer anderen The-Haunted-Platte stattfinden könnte. Wir haben da nicht zu viel versprochen.

Etwa eine halbe Stunde ist "Unseen" nämlich alt, der Mund klappt schon lange nicht mehr zu, da verlötet Drum-Maschine Per Möller Jensen seine Snares wie Lars Ulrich weiland im Clip zu Metallicas "One". Mitten in einen Song hinein, der mit Gitarren als Pickinginstrument anfängt und mit Peter Dolving als Sirene aufhört. Im Mittelteil sind The Haunted für eine volle Minute wieder die Medizin, die kein Arzt bei Nackenbeschwerden je verordnen würde. Da zocken sie Riffs scharf wie Schneidwerkzeuge und beliefern noch einmal den 24-Stunden-Soundtrack einer Headbanger-WG. Dann ist aber Schluss.

Denn die restliche knappe Fußballhalbzeit an Musik auf "Unseen" macht es der Genre-Klassifizierung im Wikipedia-Eintrag schwer. Gleich die erste Nummer könnte versehentlich auf einem Crossing-All-Over-Sampler landen, in "No ghost" grooven The Haunted so tight die die Wüstensöhne von Clutch - und bauen überall Riffs und Refrains und Gesänge ein. Das ist griffig wie nie, aber manchmal auch flüchtig wie der Heavy-Zwischeneinspieler, den Dorfdisko-DJs seit "Killing in the name of" in ihrem Programm bunkern. Bevor sich Peter Dolving mit seinen Kollegen einschloss, hatte er dieses Album als einen Stinkefinger in Richtung all der Metalbands angekündigt, die je von der Industrie gleichgeschaltet worden sind. So gut The Haunted der Spagat zwischen Tradition und Moderne in "Disappear" gelingen mag: Etwa zur Hälfte ist "Unseen" fast ein gespielter Witz - und ein gesungener.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Disappear
  • Them

Tracklist

  1. Never better
  2. No ghost
  3. Catch 22
  4. Disappear
  5. Motionless
  6. Unseen
  7. The skull
  8. Ocean park
  9. The city
  10. Them
  11. All ends well
  12. Done

Gesamtspielzeit: 42:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
k.
2011-03-02 22:47:32 Uhr
wünschen = wachsen.
k.
2011-03-02 22:00:41 Uhr
ein paar schüchterne growls gibts noch, ja, aber eher selten.

und das album geht halt viel weiter als "the dead eye". sagen wir mal so: "unseen" hätte nach "the dead eye" weniger überrascht als nach "versus", wäre aber trotzdem ziemlich radikal gewesen.

das teil scheint allerdings zu wünschen. die meisten songs sind ordentlich, aber es ist auf jeden fall sehr mutig, das unter dem namen the haunted zu veröffentlichen.

hoffentlich nicht der genickbruch.
Ocean
2011-03-02 16:12:09 Uhr
Ist das Album denn ähnlich wie The Dead Eye, sprich gibts überhaupt noch Growls?
k.
2011-03-01 11:57:53 Uhr
jetzt endlich ganz durchgehört. bin immer noch ratlos.

kein einziger wirklich schneller song, die gesangslinien sind wie schon geschrieben sehr oft (zu oft?) an tool angelehnt und ins ohr wollen die songs auch (noch) nicht.

einerseits finde ich den schritt mutig und unterstützenswert, gerade man sich mit dem vorgänger "versus" wiederholt hat, aber andererseits ist das vielleicht doch ein wenig zuviel des guten.

viele werden die scheibe aus prinzip schlecht machen, weil sie anders ist - das wäre die falschen gründe, aber ob sie wirklich lob verdient hat?

hmmm... ich werde sie noch ein paar mal hören müssen.
Tama
2011-02-28 15:11:07 Uhr
The Dead Eye fand ich schon richtig toll, Versus hat mich allerdings nicht so vom Hocker gehauen. Bin sehr gespannt!
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