Guano Apes - Bel Air

Guano Apes- Bel Air

Columbia / Sony
VÖ: 01.04.2011

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Affenstillstand

Klar, mit Ende Zwanzig würde man viele Dinge nicht mehr tun, die man als 17-jähriger noch getan hat. Verkatert zum Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein erscheinen, zum Beispiel. Sich das perverse Treiben einer Großraumdisco antun, nur um an Mitschülerinnen ranzukommen. Oder die Guano Apes hören. Aber muss man sich rückblickend dafür schämen? Nö! Denn bevor irgendein Südkoreaner die Zeitmaschine erfindet, kann man eh nichts an der Vergangenheit ändern. Außerdem hatte der End-Neunziger-Hype um die Guano Apes durchaus seine Berechtigung. Das Debüt der Göttinger "Proud like a god" war und ist immer noch ein knackiges Alternative-Album mit tollen Hitsingles. Schämen müsste man sich eher, wenn man die qualitativ immer schwächer werdenden Nachfolgealben der Äffchen mit derselben Begeisterung gehört hätte. Wo der Zweitling "Don't give me names" immerhin noch einige gute Songs parat hatte, geriet "Walking on a thin line" zum kreativen Offenbarungseid.

Was danach folgte, war Streit ums liebe Geld und schließlich die Auflösung im Jahre 2005. Ein Schritt, der durchaus zu verkraften, wenn nicht sogar zu begrüßen war. Schließlich hatte sich die Band mit der unkaputtbaren Hymne "Open your eyes" ihren Platz im deutschen Alternative-Olymp gesichert und diesen trotz nachhaltiger Versuche wie "Dödel up" oder "Kumba yo!" nicht verspielt. Umso ärgerlicher, dass die Guano Apes im vorvergangenen Sommer urplötzlich wieder auf der Bildfläche erschienen. Nasic' Solokarriere hatte schon beim Anlassen den Motor abgewürgt, und da die anderen Bandmitglieder auch nichts Ernsthaftes auf die Reihe bekamen, dürfen wir nun dabei zuhören, wie eine einstmals angesagte Band munter am eigenen Denkmal sägt. Willkommen in "Bel Air", dem ersten Studioalbum seit sieben Jahren.

Von der im Vorfeld großspurig angekündigten Bissigkeit, ist auf der Scheibe nur ein leiser Hauch von nichts zu erhaschen. Statt dessen präsentieren sich Von-der-Stange-Rocker wie die Single "Oh what a night", "She's a killer" und "Tiger" erschreckend konventionell und vorhersehbar. Urplötzlich ertappt man sich sogar dabei, wie man sich eine wütende Crossover-Rapeinlage wünscht. Oder ein saftiges Gitarrenriff. Oder irgendetwas, das zumindest ein bisschen Leben in diese Bude bringt. Statt dessen gibt es lieblos heruntergeschrubbten Radiorock mit wenig aufregenden Melodien. Die vereinzelten Elektro- und Discobeat-Anleihen sollen wohl experimentell sein, wirken aber eher verzweifelt.

Nur an manchen Stellen ist die Wucht zu erahnen, die einst den besseren Guano-Apes-Momenten innewohnte. Der Opener "Sunday lover" steigert sich zumindest im Refrain über das vertraglich festgelegte Mindestmaß heraus. Wäre da nicht der Umpf-Umpf-Beat im Hintergrund, könnte der Song fast als gelungen durchgehen. Immerhin kommt beim atmosphärischen "When the ships arrive" Nasics kraftvolle Stimme, früher das Erkennungsmerkmal der Guano Apes, wenigstens ein Mal richtig zur Geltung. Am äußerst mauen Gesamteindruck von "Bel Air" kann aber auch das wenig ändern. Einst forderten die Guano Apes in ihrem Durchbruchs-Hit vehement "Hide your face forever." Wäre in diesem Falle besser gewesen.

(Mark Read)

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Highlights

  • When the ships arrive

Tracklist

  1. Sunday lover
  2. Oh what a night
  3. When the ships arrive
  4. This time
  5. She's a killer
  6. Tiger
  7. Fanman
  8. All I wanna do
  9. Fire in your eyes
  10. Trust
  11. Fire
  12. Carol & shine

Gesamtspielzeit: 72:06 min.

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User Beitrag
p.s.:
2011-09-14 00:38:01 Uhr
ihr seid schwul!
Marky Mark 2011
2011-09-14 00:31:25 Uhr
Vor allen Dingen, ist das doch eine nicht gute, aber für Guano Apes - Verhältnisse ganz okaye Basslinie, die dann von einem dermaßen schwachen Refrain unnötig schnell unterbrochen wird...Grauenhaft! Fand auch diese Werbung von Pro Sieben vor ein paar Monaten ziemlich peinlich....Das Comeback des Jahres...mir ist heute noch schlecht!
shomo
2011-09-14 00:14:43 Uhr
wie unglaublich schlecht kann man live in einer tvshow singen
G.U. Anno
2011-08-28 16:16:12 Uhr
Wieso blamiert sie sich? Im Minirock und mit (zerrissenen) Strumpfhosen ist Nase Nasic doch ein Hottie!

2011-08-27 22:16:37 Uhr
einfach nur schlecht der auftritt.
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