Boy Hits Car - Stealing fire

Boy Hits Car- Stealing fire

Swell Creek / Soulfood
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Die Öko-Union

Zehn Jahre nach seinem lautstarken Boom erscheint wohl kaum ein Musikstil so unfreiwillig komisch wie der New Metal. Auch von den Gründungsvätern ist nicht mehr allzu viel zu hören: Coal Chamber sind aufgelöst, Korn seit einigen Alben weit entfernt von der hitlastigen Wucht der ersten vier Alben, die Deftones längst von dem freigemacht, was mal New Metal hieß. Und Limp Bizkit? Die treten sicher immer noch auf dem Spring Break auf. Boy Hits Car hingegen konnten zum schon Jahrtausendwechsel durchaus einige Charakteristika vorweisen, die auf ungleich zeitlosere Gefilde zielten.

Als da wären: eine Rhythmussektion mit viel, viel Druck, einen Sänger, der sich manchmal fast an Brandon Boyd heransingen konnte, und Songs wie "I'm a cloud", die mit Spannungsbogen, Charakter und Eingängigkeit ihren Starappeal nicht versteckten. Darüber hinaus legten Boy Hits Car einigen Wert auf die intellektuelle Distinktion vom hormongesteuerten Einerlei: So trugen sie ein übergroßes ökologisches Gewissen vor sich her, verpackt in allerhand, nun ja, Esoterik. Boy Hits Car und ihr "Love-Core" waren New Metal in Yoga-Ästhetik. Freilich rannte dieser hehre Anspruch nicht selten gegen die schnöde "Sprich-von-Liebe-und-denk-ans-Ficken"-Wand, denn ihre Texte wimmelten nur so von Penetrations- und Kopulationsplattitüden. Aber Fred Durst trug eben keine Batikhemden.

Dieser offenkundige Widerspruch zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung wäre durchaus verkraftbar, wenn Boy Hits Car mit dem nunmehr vierten Album nicht Richtung Mittelmaß marschieren würden. "Stealing fire" ist mitunter erschreckend brav, keusch und maximal lauwarm. Seltsame Vorbilder haben sie sich in der Zwischenzeit gesucht. Ihren einstigen weltmännischen Einschlag haben sie nunmehr gegen einen Alternative Rock getauscht, der offenkundig nicht allzu weite Reisen unternommen hat.

Boy Hits Car mühen sich 14 Songs lang an Hits mit Tiefgang, enden aber mehr als einmal bei der World Music für die Grundschullehrerin aus Paderborn. Mal ertränken sie die funky Basslinie von "Move with me" im Kitsch, dann versenken sie in "Dreams" ihr überdurchschnittliches Groovehandwerk in einem Refrain von größter Beliebigkeit. Dass dabei tatsächlich Wehmut aufkommt, liegt an den zwei, drei überragenden Akzenten von "Stealing fire": "Eager tempos" nämlich ist so ein Hit, der auch im Jahre 2011 noch auf jeder Tanzfläche etwas hermacht. Eine herrlich nölige Gitarre trägt die Strophe, damit Cregg Rondell effektvoll im Stop-and-go-Refrain die Arme ausbreiten kann. "Metaphwhore" kombiniert klug 90er-Crossover mit heimeligem Harmoniegesang. Auch der offen an Tool angelehnte Ausklang mit "Rhythmical gestures" verhebt sich überraschenderweise nicht an den übergroßen Vorbildern. Nur manche Geste, sie ist zeitlos.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Eager tempos
  • Metaphwhore
  • Rhythmical gestures

Tracklist

  1. Intro (LFPE)
  2. Move with me
  3. A madness called love
  4. One kiss away
  5. Stealing fire from the sun
  6. Embrace (for its myself) I need strength against
  7. Dreams (of foreign metabolic circumstance)
  8. Eager tempos
  9. It's alright
  10. Erifsievol
  11. Metaphwhore
  12. The eagle & the hawk (& da gull)
  13. She ran away
  14. Rhythmical gestures

Gesamtspielzeit: 64:02 min.

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