Autoramas - 14 laps

Autoramas- 14 laps

Gravadora Discos / Sounds Of Subterrania
VÖ: 01.04.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Die Tempomaten

Es kann ja einmal passieren, dass man die Stecker verwechselt. Die Luft vibriert vor Elektrizität, der Boden liegt voll mit meterweise von Duct Tape fixierten Kabeln, die zu den Verstärkerwänden im Hintergrund, den unzähligen Mikrofonen und Effektgeräten, den knallbunten Neonlichtern oder dem sieben Meter großen, tanzenden Roboter führen, der die Mitte der Bühne blockiert. Da kommt es eben vor, dass der Bass aus Versehen durch den auf volle Verzerrung eingestellten Gitarrenamp gejagt wird und für die Gitarre nur das Effektgerät übrigbleibt, auf dem leider alles kaputt ist bis auf den schrottigen Surf-Twang und ein paar Synthie-Modulationen.

Zugegeben, eine sehr konstruierte Situation. Vor allem, weil Autoramas aus Brasilien wohl niemals mit Verstärkerwänden und riesigen Robotern auf einer Bühne stehen werden. Sie sollten aber, und das ist es, was zählt. Denn "14 laps" würde vor 50.000 Zuschauern auf einem Open-Air-Festival mittags auch den halbkomatösen Schnapsleichen in der letzten Reihe den Kater aus den Beinen schütteln. Im Bermudadreieck zwischen McLusky, Pixies und The Subways kreuzen Autoramas mit voll gesetzten Segeln vor dem Wind. Die vertauschten Sounds von auf "14 laps" funktionieren wie geschmiert: Bei "Catchy chorus" groovt der mächtige Bass mit brutaler Direktheit oder sägt wie in "Couldn’t care at all" mit Siebziger-Jahre-Schieflage, während Gitarrist Gabriel Thomaz mit Schwung auf den schäumenden Wellenkronen surft und dabei mal auf Englisch, mal auf Portugiesisch spaßige Nichtigkeiten wie "1, 2, 3, 4" oder "Nada a ver" auf die Welt loslässt.

Da ist es halb so schlimm, dass nicht jeder Song gleich im Ohr bleibt - anders als das zurückgelehnte "Megalomania", der windschiefe Noise-Rocker "Você sabe" oder der hyperventilierende Mathe-Orgasmus "1, 2, 3, 4" mit der bahnbrechenden Erkenntnis "Ain’t no five, ain’t no six". Den Ein-Riff-Punkrock von "Paciência" hätte man vielleicht nicht auf knapp vier Minuten auswalzen müssen, und auf den letzten paar Runden müht sich das Trio etwas ab und geht vorsichtiger in die Kurven. Aus der Bahn geraten Autoramas zwar nicht, aber in diesen Momenten fällt auf, dass sie besser beraten sind, das Tempo anzuziehen, um kleinere Eintönigkeiten zu überdröhnen. Und natürlich den Lautstärkeregler ganz weit aufzudrehen. Auf der großen Bühne. Mit Verstärkerwand. Und tanzendem Roboter.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Catchy chorus
  • Você sabe
  • Couldn't care at all

Tracklist

  1. Catchy chorus
  2. Mundo moderno
  3. Paciênca
  4. Ex-amigo
  5. Megalomania
  6. Gente boa
  7. Nada a ver
  8. Você sabe
  9. 1, 2, 3, 4
  10. Muito mais
  11. Couldn't care at all
  12. Fale mal de mim
  13. Hotel Cervantes
  14. Samba-rock de Bacalhau

Gesamtspielzeit: 44:48 min.

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