Chemical Brothers - Come with us

Chemical Brothers- Come with us

Virgin / EMI
VÖ: 28.01.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Weltall, Erde, Mensch

Kann man nur allein an der Musik erkennen, was deren Schöpfer gelernt oder studiert haben? Okay, wenn ein Metzger Songs produziert, kommt meist nur abgehangenes Rohmaterial mit einer kurzen Haltbarkeitsdauer dabei heraus. Was aber wenn Geschichts-Studenten mit Schwerpunkt Mittelalter Songs schreiben? Lahmes Lautengezupfe, düstere Celtic-Klänge oder gar schwerverdauliche Mythologie-Arien von dickbrüstigen, blondzöpfigen Walküren könnte man vermuten. Genau das Gegenteil ist aber bei den Chemical Brothers der Fall. Tom Rowlands und Ed Simons trafen sich 1989 an der Uni von Manchester und fingen schon bald an, gemeinsam als DJs aufzulegen. Nachdem sie dann (noch ungewöhnlicher) ihr Studium abgeschlossen hatten, begann auch schon bald von London aus ihre steile Musiker-Karriere.

Die chemischen Brüder mischten fortan Acid House mit Punk und HipHop mit Techno, und schon ihr allererstes Album "Exit planet dust" schlug in England ein wie eine Bombe. 1997 kam dann mit "Dig your own hole" auch auf dem Festland der endgültige Durchbruch. Hier rockten vor allem "Setting sun" mit Noel Gallagher und natürlich die legendären "Block rockin' beats" das Haus. Erneut zwei Jahre später erschien ihr drittes Album "Surrender". Die bewährte Mischung aus Rock und Elektro wurde beibehalten, und die besten Tracks waren, neben dem Dance-Kracher "Hey boy, hey girl", auch hier wieder Kollaborationen mit anderen Künstlern: Noel Gallagher, Bernhard Sumner, Bobbie Gillespie und Hope Sandoval.

"Come with us" nun kann nur mit zwei Gaststars aufwarten: Beth Orton und Richard Ashcroft. Der Titeltrack des neuen Albums ist eine Einladung an den Hörer, in die Klangwelten der Chemical Brothers einzutauchen, diesmal ohne großes Bordteam. Doch sind diese Welten bereits erforscht und neue Entdeckungen sind nur hier und da zu machen. Songs, die genauso gut auch aus älteren Zeitaltern stammen könnten, etwa "Galaxy bounce" oder "Hoops", spielen mit der gleichen Art von Samples und Loops, wie man sie schon seit "Dig your own hole" kennt. Ab und zu lassen sich dann aber doch kleinere Frickeleien entdecken. Mehr davon hätten dem Album wahrscheinlich gut getan.

Der vorab nur für DJs ausgekoppelte Titel "It began in Afrika" ruft zwar paläontologische Tatsachen ins Gedächtnis, ist aber leider nicht mehr als ein gut gemachter Housestomper mit Trommel-Einlage. Daß der Bordcomputer der Chemical Brothers dennoch seine Hausaufgaben gemacht hat, beweisen andere Titel. "My elastic eye" klimpert schon sehr verdächtig nach Aphex Twin, und in "Pioneer skies" durchfliegt das DJ-Duo ein reines Daft Punk-Universum. Eine elektronisch-psychedelische Ballade mit Beth Orton darf natürlich nicht fehlen, und zum Schluß kommt Richard Ashcroft mit dem elegisch-esoterischen "The test" zum Zug. Die Höchstgeschwindigkeit erreichen die Chemical Brothers allerdings mit "Star guitar": Gesampelte Gitarrenriffs schießen wie Phaserstrahlen in die Körper der Hörer, bis diese anfangen zu zucken. Wirklich weit draußen ist "Come with us" also nicht mehr. Aber was macht das schon, wenn der Block, den die Beats rocken, der eigene ist?

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • Star guitar
  • Pioneer skies

Tracklist

  1. Come with us
  2. It began in Afrika
  3. Galaxy bounce
  4. Star guitar
  5. Hoops
  6. My elastic eye
  7. The state we're in
  8. Denmark
  9. Pioneer skies
  10. The test

Gesamtspielzeit: 54:49 min.

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