Earth - Angels of darkness, demons of light 1

Earth- Angels of darkness, demons of light 1

Southern Lord / Soulfood
VÖ: 04.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Superkalypse

Superlative sind toll. Insbesondere wenn sie so inflationär angewandt werden, dass sie gar nicht mehr so super sind. Wenn beispielsweise an dieser Stelle die Herren von SunnO))) als Gottväter des Drone gepriesen wurden, was sind dann bitte Earth? Gottgroßväter? Sie waren es nämlich, die als Wegbereiter des Genres erstmals auf die Idee kamen, eine Note gefühlte 200 Takte lang zu halten und Beats als weitgehend überflüssiges Beiwerk zu betrachten - während SunnO))) bei aller Qualität lediglich der Epigonenstatus blieb.

"Angels of darkness, demons of light 1" begrüßt den verblüfften Hörer zunächst mit einem staubtrockenen Ennio-Morricone-Gedächtnis-Riff, das nach kurzer Zeit von einem leise klagenden Cello filetiert wird. Wobei das Wort Riff hier tatsächlich lediglich als wiederkehrende Akkordfolge verstanden werden darf. "Father midnight" und vor allem "Descent of the zenith" stellen anschließend geradezu eine hypnotische Blaupause des behutsam modernisierten Sounds dar und reißen dank der scheinbaren Monotonie an den Nerven. Musik, die definitiv nicht ins Autoradio, sondern in eine fette Anlage zu Kerzenschein gehört. Das Angelsächsische kennt dazu die wunderschöne Vokabel "eerie".

Doch eigentlich ist das alles nur Vorgeplänkel, Einstimmung auf einen Drone-Brocken, der wahrhaft seinesgleichen sucht. Was Earth auf dem Titeltrack bieten, ist vertonte Apokalypse, die fassungslos wandernde Stille nach dem großen Knall. Ein akustisches Endzeitszenario, gegen das die Wüsten aus "Mad Max" wie ein quietschbunter Vergnügungspark wirken. Dumpf donnernde, durch das Cello zerschlissene Basslandschaften türmen sich auf, minutenlang zerren Feedback-Orgien aus Carlsons Gitarre, bis endlich ein nur scheinbar erlösender Beat einsetzt. Bei etwa 25 BPM.

Die Basswände der frühen Alben, die die unlängst erschienene Compilation "A bureaucratic desire for extra capsular extraction" so eindrucksvoll dokumentiert und die SunnO))) auf so meisterhafte Weise perfektionierten, werden schon längst von druckvollen Akkorden gestützt. Das klingt zunächst leichter verdaulich, Lori Goldstons Cello verleiht dem Sound jedoch eine zusätzliche, bisher nicht dagewesene Intensität. Die Gründerväter des Genres haben sich also höchst eindrucksvoll zurückgemeldet.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Old black
  • Angels of darkness, demons of light 1

Tracklist

  1. Old black
  2. Father midnight
  3. Descent to the zenith
  4. Hell's winter
  5. Angels of darkness, demons of light 1

Gesamtspielzeit: 60:25 min.

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