Darkest Hour - The human romance

Darkest Hour- The human romance

Century Media / EMI
VÖ: 04.03.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fortsetzung folgt

Darkest Hour sind am Ende. Über Platten, Jahren und Touren hinweg hatten sie geprobt, bis jede Geste an der richtigen Stelle saß. Hatten geübt, bis jeder Song so präzise getimet war, als stamme er aus den 90er Jahren. Am Ende konnte nicht mal mehr der Special-Interest-Mann vom Rock Hard Darkest Hour von ihren Vorbildern von At The Gates unterscheiden - und das lag nicht etwa an Tinnitus nach einer Motörhead-Show. Auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft fügten Darkest Hour ihrer Heldenverehrung gar eine moderne Thrash-Note hinzu, ohne dabei so blutleer zu klingen wie später In Flames. Stammte "The human romance" von einer anderen Band, diese Platte hätte es leichter haben können.

Trotzdem oder vielleicht deshalb ist "The human romance" kein Spiel mit den Erwartungshaltungen. "The human romance" führt keinen einzigen Headbanger auf irgendeine falsche Fährte, überrascht Hörer mit Ethno-Einflüssen, schockt Nietengürtelträger mit Gastauftritten von Katy Perry oder vergrault Traditionalisten mit Trip-Hop-Beats. Nichts. Es ist einfach die Sorte Album, die wie Roman- und Kinoreihen funktionieren, die seit Jahrzehnten bestehen: Die Rahmenbedingungen sind längst definiert, die Charaktere abgesteckt und die Pole, zwischen denen die Handlung passiert, nein, passieren muss, sind altbekannt - und liebgewonnen. Sowohl von den Autoren - die wissen, was sie schreiben müssen, um zu verkaufen. Als auch vom Publikum - das weiß sowieso, was es will, bitte schön. Und natürlich siegt am Ende immer der Held, pardon, die Band. Fortsetzung folgt.

Auch auf dieser Darkest-Hour-Platte begegnen Fans vielen alten Bekannten. Das Intro inklusive Klassik-Instrumentierung? Ist drauf. Der Thrash-Song, der nach vorne bollert wie von der Fledermaus gebissen? Hört auf den Namen "Your everyday disaster". Und die Nummer, in der Darkest Hour zwischendurch ihren E-Gitarren den Saft abdrehen und zur Klampfe greifen? Heißt diesmal nur anders: "Terra solaris". Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dass "The human romance" eine Art "Best of Darkest Hour: Reloaded" ist, ist nicht als Kritik zu verstehen. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein Tatsachenbericht.

Noch immer gniedelt garantiert niemand sonst im Umfeld längst flügge gewordener Bands aus dem Victory-Records-Roster so schöne zweistimmige Gitarrensoli wie Darkest Hour in der Halbzeit-Bridge von "Man&swine". Und noch immer keift niemand im Umfeld des ansonsten kreativen Tiefdruckgebiets des Metalcores so stilecht wie Darkest Hours John Henry. Einige Songs auf "The human romance" bleiben trotzdem Erwartungserfüllung und Stückwerk, in dem bloß Momente richtig großartig sind. Natürlich ist das eben erwähnte Gitarrensolo aus der Halbzeit-Bridge von "Man&swine" für sich genommen ganz famos. Und natürlich steigert sich "Severed into separates" gegen Ende in eine tolle Metal-Hymne, die um Welten besser ist als der Mist, den Metal-Blogs sonst so im Dutzend billiger schönschreiben. Die meisten Songs darum klingen trotzdem ein bisschen wie aufgebrüht, wie schon mal von dieser Band gespielt. In noch besser.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Severed into separates
  • Terra solaris

Tracklist

  1. Terra noctunus
  2. The world engulfed in flames
  3. Savor the kill
  4. Man&swine
  5. Love as a weapon
  6. Your everyday disaster
  7. Violent by nature
  8. Purgatory
  9. Severed into separates
  10. Wound
  11. Terra solaris
  12. Beyond the life you know

Gesamtspielzeit: 45:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ballion
2011-04-12 13:06:32 Uhr
Hier eher gegenteilig. Die Zahl der Songs, bei denen ich Manus Recht geben muss, ist mit der Zeit so weit angestiegen, dass "The Human Romance" bei mir inzwischen eher so auf Platz 4 bis 5 rangiert.
...
2011-04-11 21:28:49 Uhr
wächst und wächst, mittlerweile schon das zweitstärkste album, knaller!
Manus
2011-03-15 01:34:26 Uhr
Schwächstes Album der Band überhaupt. Riffs größtenteils beliebig, Drumming will zuviel, John Henry strengt sich zu sehr an und will unbedingt toll klingen, die "Gesangs"passagen nerven und sind einfallslos wie selten zuvor gehört. Sehr schade. Der beste Track des Albums ist leider das Intro.
DigitalDieter
2011-03-11 16:53:30 Uhr
das stimmt! ich bin einsteiger und zücke die 8/10 :)
Ballion
2011-03-11 16:25:11 Uhr
Manchmal kann man ja bei Rezensionen "altgedienter" Bands ganz gut zwischen "Fan-Rezensionen" (siehe z.B. die neue R.E.M.) und ... hmm, sagen wir mal: "Normalhörer-Rezensionen" unterscheiden. Die "Darkest Hour"-Rezension ist eher letzteres und sie trifft's - so gesehen - auch ganz gut. Liest sich für mich ungefähr:

"Noch bei der großartigsten Sache kann einen, aufgrund ihrer ewig ähnlichen Wiederkehr, Überdruss beschleichen. Dieser Duft eines seit Ewigkeiten kaum variierten und inzwischen altbacken wirkenden Rezeptes, der ist doch zur Hälfte schon Gestank. Und dann diese sich langsam aufdrängende Frage: Wieviel Zeug soll man der Band eigentlich noch abkaufen? Trifft man sich demnächst mit AC/DC-, Motörhead- und Bad-Religion-Fans am internationalen Music-Shelf-Day zum Albenlattenmessen? Doch eher nicht so gerne."

Diagnose: Leichte Übersättigung des Autors. Somit trotz des ganzen nebenbei geäußerten Lobes in der Rezension "nur" 6 Punkte. Stimmt ja auch alles irgendwie, aber ein Punkt mehr hätte es trotzdem sein dürfen. Bei mir wären's sogar zwei. Vielleicht, weil ich ein "Fan" bin, keine Ahnung. Auf jeden Fall aber weil ich das Album insgesamt stärker finde als die beiden ebenfalls nicht schwachen Vorgänger. Für Neulinge bietet sich "The Human Romance" zudem als optimaler Einstieg an. Das muss man mit dem siebten Album auch erst mal schaffen. Von nun an geht's bergab.
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