Cornershop feat. Bubbley Kaur - Cornershop and the double-o groove of

Cornershop feat. Bubbley Kaur- Cornershop and the double-o groove of

Ample Play / Cargo
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bollywood Boulevard

Bollywood ist nichts für jedermann. Wer schon einmal ob des zuckrig-bunten Kitsches in den Filmen der indischen Traumfabrik dieses ziehende Gefühl in der Magengegend gefühlt und von plötzlichen Fluchtreflexen ergriffen wurde, der weiß, was gemeint ist. Vor lauter Gesangseinlagen und penetranter Romantik verkommt die Story manchmal zum Feigenblatt, hinter dem sich der nackte Wahnsinn aus Punjabi-Musical, überbordend-schmachtender Melodramatik und Shah Rukh Khan versteckt. Es ist also völlig verständlich, wenn man bei den ersten Tönen von "Cornershop and the double-o groove of" erst einmal erschrocken zurückzuckt. Doch unter dem knallbunten Wust finden sich einige Schmuckstücke. Ganz wie in Bollywood.

Von dem so typisch britischen Sound, der den Schreiber dieser Zeilen in grauer Vorzeit und grenzenloser Naivität zu dem Fehlschluss verleitete, "Lessons learned from Rocky I to Rocky III" sei ein Blur-Song, ist nichts mehr übrig. Statt Britpop dominieren Punjabi-Folk und Electronica, englisch sind nur die Songtitel, nicht die Texte und das Wichtigste: Statt Tjinder Singh steht die Sängerin Bubbley Kaur hinter dem Mikrofon. Nachdem Cornershop auf "Judy sucks a lemon for breakfast" noch Bob Dylan gecovert hatten, ist das hier eine ganz andere Baustelle.

Was auf der anderen Seite des Lautsprecherabels herauskommt, ist zunächst einmal erstaunlich funky. Die volkstümlichen indischen Instrumente legen sich geschmeidig über die meist zurückhaltenden Schlagzeugbeats und den mal pumpenden, mal tröpfelnden Bass. Kaurs Stimme mag zu Beginn ein wenig dünn klingen, schmeichelt sich aber über die 40 Minuten nahezu hypnotisch in den Gehörgang ein – auch wenn man kein Wort versteht. In "United provinces of India" vereinen sich Drums, Keyboards und eine nach funkig-hart gespielte Sarod zu einem Mix aus indischem Folk und westlichem Tanzflächenkracher. Für "The biro pen" fügen Cornershop sogar noch ein paar Klavierakkorde ein, um den Kulturschock perfekt zu machen.

"Cornershop and the double-o groove of" findet immer einen Mittelweg zwischen den Welten: Auf der einen Seite steht der rhythmische Funk, der vor allem Schlagzeug und Bass innewohnt und der manchmal in solchen fantastischen Walking-Bässen wie in "Supercomputed" hervorbricht. Und auf der anderen Seite haben es sich die sanfteren indischen Instrumente gemütlich gemacht, die mal alleine wie im schleichenden "Double decker eyelashes" und mal vorsichtig aufeinandergeschichtet wie im sonnigen "Topknot" Kaurs Stimme umspielen. "Cornershop and the double-o grove of" ist zwar mindestens so sperrig wie sein Titel. Wenn Orient und Okzident miteinander verschmelzen, ist das dennoch pures Bollywood. Nur echt mit Happy End.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • United provinces of India
  • Double decker eyelashes
  • The biro pen

Tracklist

  1. United provinces of India
  2. Topknot
  3. The 911 curry
  4. Natch
  5. Double decker eyelashes
  6. The biro pen
  7. Supercomputed
  8. Once there was a wintertime
  9. Double digit
  10. Don't shake it

Gesamtspielzeit: 38:19 min.