Jeniferever - Silesia

Jeniferever- Silesia

Monotreme / Cargo
VÖ: 11.03.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das große Kino

Die können schon ordentlich was, keine Frage. Die vier Mitglieder von Jeniferever sind nicht nur außerordentlich musikalische Burschen, sondern auch äußerst produktiv. Zwar ist "Silesia" erst das dritte reguläre Studioalbum der Schweden, die Songs der zwischendurch erschienenen EPs zeugten aber von nicht minderer Qualität. Was ist also der Grund dafür, das Jeniferever nach wie vor als Geheimtipp gelten? Dass diverse Kollegen aus dem Heimatland mit anderen Klängen erfolgreicher sind als sie? Macht aber ja eigentlich auch nichts. Musik, die einem nicht in jedem Einspieler einer x-beliebigen Nachmittagssendung entgegentönt und einen eher erstaunt als erfreut zurücklässt, macht sowieso mehr Spaß. Und das Gedrängel mit den ganzen kleinen Mädels auf den Konzerten der anderen Bands nervt eh. Ja, und das 15-Euro-Shirt wird in fünf Jahren noch genauso schön sein, während das doppelt so teure andere Shirt da schon längst eingegangen ist. Man muss es sich nur zurechtbiegen, dann passt das schon.

"Silesia" hingegen braucht man nicht biegen oder brechen, das passt so schon wunderbar. Überhaupt wurden Jeniferever von Album zu Album besser, wenngleich sich die Stimmung der Sounds merklich veränderte. Im Jahr 2011 entfernen sie sich vom teilweise brachial-orchestralen Sound des Vorgängers "Spring tides" und nähern sich ruhigeren, melodiöseren Gefilden. Das macht die Angelegenheit nicht eintöniger, im Gegenteil: Jeniferever wirken zugänglicher, was schon im Titeltrack deutlich wird. Zwar beginnt der knapp siebenminütige Opener unheilsschwanger, mit düsteren Synthies unterlegt und im hektischen Rhythmus, doch das untergründige Klingeln in der Ferne hat etwas von einem Märchen. Auch der Gitarreneinschlag zur Mitte kann nicht verhindern, dass die Pop-Note, die sich Jeniferever verpasst haben, nicht nur kaum zu verbergen ist. Vielmehr möchte man sie bereits nach dem ersten Song nicht mehr missen.

Das vorab bereits zum freien Download veröffentliche "Waifs & strays" setzt diese Verwandlung fort, ist jedoch wieder mehr auf die Gitarren ausgelegt. Jene geben die Melodie vor, nach der sich Sänger Kristofer Jönson richtet, dessen Stimme sich seit dem Debüt "Choose a bright morning" und besonders seit der vor zehn Jahren erschienenen ersten EP "Chronicles of omega" beachtlich verbessert hat. Im ruhig startenden "Where the hills fall towards the ocean" etwa steigert sie sich vom sachte vorgetragenen Anfangsteil bis hin zum kurzen, aber kraftvoll vorgetragenen Ende, bis schließlich nur noch die Instrumente nebeneinander stehen und nach und nach langsam ausklingen.

Einzig das gewaltige "Deception pass" erinnert an alte Zeiten mit seinem Schlagzeug-Gewitter und dem elektrisierenden Gitarrenspiel von Jönson und Martin Sandström. Mit "Silesia" und vor allem dem herzerweichenden Endlos-Ende "Hearths" beweisen Jeniferever einmal mehr, dass man sie noch nicht abschreiben darf als Band, die immer nur hinter all den anderen genannt wird. Doch im großen Kino hat man aus der hinteren Reihe eh eine bessere Sicht.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Waifs & strays
  • The beat of our own blood
  • Where the hills fall towards the ocean
  • Hearths

Tracklist

  1. Silesia
  2. Waifs & strays
  3. The beat of our own blood
  4. A drink to remember
  5. Deception pass
  6. Cathedral peak
  7. Where the hills fall towards the ocean
  8. Dover
  9. Hearths

Gesamtspielzeit: 52:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
conorocko
2011-08-19 20:09:34 Uhr
postrock mit gesang album den jahres
Mindi
2011-08-19 12:01:19 Uhr
geradezu grotek!!!
Hogi
2011-08-19 12:00:13 Uhr
unverständlich, das die kaum jemand kennt bzw. schätzt...
Andi
2011-04-11 16:25:27 Uhr
Du meinst vermutlich Waifs & strays.
Korrekt.

hellworm
2011-04-11 15:11:01 Uhr
Wenn ich mir Silesia, Deception Pass oder Cathedral Peak anhöre, finde ich das Schlagzeug schon bemerkenswert. Ich meine auch nicht Dave-Lombardo-mäßig druckvoll. Nenne es von mir aus prägnant oder akzentuiert ;-)
Du meinst vermutlich Waifs & strays.

Mir gefällt an Jeniferever, dass sich der Gesang eben nicht aufschaukelt.
Vor allem auf Kopfhörer hört man doch sehr viele Feinheiten.

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