Violens - Amoral

Violens- Amoral

Static Recital / Rough Trade
VÖ: 11.02.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Pop-Puzzle

Dass die 80er zurück sind, ist keine Neuigkeit. Genau genommen war dieses Jahrzehnt in der Pop-Musik stets präsent, spätestens jedoch mit dem New-Wave-Revival Anfang des Jahrtausends war die Ästhetik der Eighties wieder angesagt und wurde vielfach adaptiert. Die aschfahle Entrücktheit von The Cure, das sentimentale Flehen der Smiths, die schlanken Gitarrenfiguren von The Durutti Column: All diese Elemente sind längst schon essentielle Bestandteile im Baukasten Pop. Der New Yorker Jorge Elbrecht erfindet mit seiner Band Violens das neonfarbene Schweißband vielleicht nicht neu, doch überzeugt das Debüt-Album "Amoral" in seiner Farbenpracht und Nuanciertheit durchaus. Wer also mit der Twin-Shadow-LP "Forget" durch den Winter kam, wird hiermit einen schönen Frühlingsbeginn erleben.

"Amoral" könnte in seiner klirrenden, aber dennoch warm-organischen Ästhetik als das Musik gewordene Pendant zu den aufwändigen Lichtinstallationen des verstorbenen US-Amerikaners Dan Flavin verstanden werden. Aus lustvollem Minimalismus geborene, fantasievolle Konstruktionen, die mit der Zeit in luftige Höhen fliehen - nichts anderes findet sich auf diesem imposanten Debütalbum. Die zwölf abwechslungsreichen Stücke bedienen sich generös bei den Cocteau Twins oder Duran Duran, wirken trotz ihrer 80er-Verliebtheit nie verstaubt oder zwanghaft, sondern entfalten vielmehr eine zeitlose Eleganz. Das Gros der Stücke erreicht diese angesprochene Formvollendung, da "Amoral" mehr bietet als herrlich verschwurbelte Pop-Sehnsucht: An allen Ecken und Enden erklingt eine fast naive Verspieltheit, die man so beispielsweise von den Foals kennt und schätzt.

Was "Amoral" zu einem mindestens erwähnenswerten, wenn nicht sogar traumatisch-tollen Erlebnis macht, ist die innere Differenzierung der zwölf Songs: Den großspurigen Hits stehen smarte, beinahe schüchterne Pop-Songs gegenüber, die den Stall zusammenhalten. Während "Acid reign" und "Violent sensation descends" also den großen Refrain nicht meiden, hält sich das clever-fließende "It couldn't be perceived" im Hintergrund und entfaltet erst nach und nach seine Schönheit. Besondere Aufmerksamkeit ergattern Violens zudem mit dem Opener "The dawn of your happiness is rising", der sich sämtliche Elemente von den Smiths nimmt und dabei auf jegliches Augenzwinkern verzichtet. Wie war das noch mal mit den borgenden Talenten und den stehlenden Genies? Es gilt also zu schwelgen zu dieser Platte: Ein großes, aus mehreren Fragmenten bestehendes Puzzle, welches herrliche Haken zwischen Pop, Wave und Indietronics schlägt. Immer wieder, immer weiter: Caught by the Eighties. Man sollte aufhören zu unterschätzen.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Acid reign
  • It couldn't be perceived
  • Violent sensation descends

Tracklist

  1. The dawn of your happiness is rising
  2. Full collision
  3. Acid reign
  4. Are you still in the illusion?
  5. It couldn't be perceived
  6. Until it's unlit
  7. Violent sensation descends
  8. Could you stand to know?
  9. Trance-like turn
  10. Amoral
  11. Another strike restrained
  12. Generational loss

Gesamtspielzeit: 42:48 min.

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  • Violens (2 Beiträge / Letzter am 14.05.2012 - 15:12 Uhr)