Chikinki - Bitten

Chikinki- Bitten

Urban Cow / Rough Trade
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Achtung mild

"Every time I sell a record a kitten dies" - man möchte Chikinki-Keyboarder Boris Exton und seinem Projekt The Precious Mings ja nichts Böses unterstellen und sollte zur Güte einfach einmal annehmen, dass die wie auch immer gearteten Verkäufe der gleichnamigen Platte sich seinerzeit nicht negativ auf die Lebenserwartung kleiner Stubentiger auswirkten. Und auch die Raubkatze, die auf dem dritten Album seiner Hauptband die Zähne bleckt, erfreut sich offenbar bester Gesundheit, obwohl der Inhalt höchstens halb so wild ist, wie die Verpackung suggeriert. Chikinki lassen trotzdem - entschuldigung - bitten. In den Club, wo alles läuft, was die Meute gerade für angesagt hält.

Und zwar flockiger, ins Ohr gehender Indie-Pop mit Elektronik-Fütterung, mehr oder weniger diskret schabenden Gitarren und Rupert Brownes entgeistert quengelndem Gesang. Dass da die Mädels durchdrehen und den ratlosen Frontmann mit eindeutigen Absichten bis in die U-Bahn verfolgen, kann schon einmal vorkommen - und solange die Band diesen Umstand zu einem so swingenden Song wie "Bitte bitte" verarbeitet, ist dagegen auch gar nichts zu sagen. Simple Keyboardlinien und treffsicher sensende Licks sorgen für Bewegung, Streichereinlagen im Hintergrund für ein wenig dramatischen Schmalz, und der großmäulige Refrain lässt keinen Zweifel daran, dass er demnächst aus ganz vielen Kehlen mitgejohlt werden will.

Dass ein Bassist nach wie vor fehlt, interessiert beim Tanzvergnügen höchstens am Rande, wenn zu vorwitziger Gitarre die Synthies sprotzen und die Beats holpern. "Catch up" liegt mit einem bemerkenswert dichten Soundwall und hohem Tempo gut in der Zeit, "Deadhead" klingt dank der stets dezent klagenden Stimme nicht nur im Titel nach Blurs "Badhead" - zumal Browne praktisch durchgängig Damon Albarns Phrasierung beleiht. Das reizende "All for one" baut ein bezauberndes kleines Luftschloss nach Art von Vampire Weekend, und wenn "Silver god" zum Schluss ausschließlich das Riff von Zoot Womans "Living in a magazine" bemüht, ist das zwar nicht originell, aber doch irgendwie knuffig.

Es lässt sich also fraglos gefällig anhören, wie "Bitten" sowohl die Neunziger als auch das Beste von heute einsammelt, will man es einmal im Jargon des Formatrundfunks formulieren. Von einem "Ether radio" oder gar der gereizten Spannung des Debüts "Lick your ticket" kann jedoch zu keiner Zeit die Rede sein. Lieber postulieren Chikinki mit zunehmender Milde die Freuden durchfeierter Nächte, schmuggeln wie in "Near death of a salesman" kleine Gemeinheiten über die Mittelschicht in ihre Songs - und stehen am Ende doch als furchtbar nette Jungs da. Andererseits ist nett ja schon, wenn es nicht regnet. Doch im Club hat noch niemand einen Schirm gebraucht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Catch up
  • All for one
  • Bitte bitte

Tracklist

  1. Harry's last hurrah
  2. Catch up
  3. Into the night
  4. When we land
  5. All for one
  6. Deadhead
  7. Bitte bitte
  8. Flight 062471
  9. Mystery man
  10. Near death of a salesman
  11. Tram love
  12. Silver god

Gesamtspielzeit: 43:41 min.

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