Ben Ottewell - Shapes and shadows

Ben Ottewell- Shapes and shadows

Eat Sleep / Rough Trade
VÖ: 25.02.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Kein siebtes Ei

Ben Ottewell - den kennt man doch, oder? Gut, vielleicht nicht persönlich. Gehört hat man ihn aber sicher schon. Schließlich gibt es seine Band Gomez, deren Debüt "Bring it on" vor 13 Jahren erschien, inzwischen länger als ein Jahrzehnt. Kaum zu glauben. Da fühlt man sich direkt älter. Dachte sich vielleicht auch Ottewell, seines Zeichens nicht nur der Gitarrist der Band, sondern auch die Stimme hinter Übersongs wie "How we operate" und "Get miles". Nach vierzehn Jahren und sechs Alben nahm sich der Mann also einmal Zeit für ein Soloalbum. Fünf Jahre schraubte er am Feinschliff von "Shapes and shadows" - manch einer würde jetzt sagen: Ganz schön übertrieben. Vielleicht hätte ein Jahr mehr aber auch nicht geschadet.

Dennoch sei gesagt: "Shapes and shadows" ist beileibe kein schlechtes Album. Dem allerdings ein bisschen der Kick fehlt. Dabei fängt es sehr vielversprechend an: Bereits der Opener und Titelsong macht Versprechungen, die andere Bandmitglieder, die auch einmal solo etwas auf die Beine stellen wollen, kaum halten könnten. Rhythmisch und stürmisch bewegt sich Ottewell auf den Refrain zu, schwer, erzählerisch, mit Country-Einschlag. Bis der anvisierte Refrain kommt, ist der halbe Song zwar vorbei, doch beim Einsatz der Gitarre sorgt die Zeile "She is fine / Shapes and shadows, now she is mine" für den lang erwarteten Gänsehauteffekt. Denn nicht nur bei Gomez, auch auf seinem Soloalbum beweist Ottewell ein Händchen für die richtige Karte im richtigen Moment - auch wenn er sie zusehends seltener ausspielt. Das atmosphärische "Lightbulbs" ist mit Gitarrenbegleitung und zunächst gewöhnungsbedürftigen Loops dank seines einfachen Schemas und des Power-Refrains der ideale Konzertsong, und das nicht erst, wenn er gegen Ende schließlich richtig loslegt.

Trotzdem hat man mehr erwartet von dem Mann. Zwar sind Songs wie das zaghaft startende "No obstacles", das sich in eine annehmbare Rock-Pop-Nummer wandelt, und das düster stampfende "Blackbird" eine sichere Auswahl, dabei aber auch leider genauso vorhersehbar. Da verwundert es ebensowenig, dass sich Ottewell nicht mit einem Kracher verabschiedet, sondern die traurige Ballade "Take this beach" ans Ende stellt, bei der auch der mehrstimmige Gesang nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass man sie irgendwo anders schon einmal gehört hat. Das ist, in Anbetracht seiner Meisterwerke mit Gomez und der investierten Zeit sicher bitter, zumindest letzteres könnte gleichzeitig aber eine Erklärung sein. Die Produktion von "Shapes and shadows" dauerte eben fünf Jahre - so lange, bis auch das letzte Überraschungsei aufgegessen war. Bleibt immerhin die Vorfreude aufs nächste Gomez-Album, wo Ottewell sicher wieder für verblüffende Momente sorgt. Denn es wird das siebte sein.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Shapes and shadows
  • All brand new
  • No obstacles

Tracklist

  1. Shapes and shadows
  2. Lightbulbs
  3. All brand new
  4. Blackbird
  5. Chicago
  6. No obstacles
  7. Chose
  8. Step right back
  9. Take this beach

Gesamtspielzeit: 35:51 min.

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