Zoey Van Goey - Propeller versus wings

Zoey Van Goey- Propeller versus wings

Chemikal Underground / Rough Trade
VÖ: 18.02.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Verliebte Jungs

Große Gesten aus Glasgow sind wir gewohnt. Neben Frightened Rabbit und vor allem Glasvegas gibt es noch zahlreiche weitere Bands dort, die ausschweifende Theatralik geradezu zelebrieren. Auch das Label Chemikal Underground bietet der weit ausladenden Musik ein Zuhause, scheut mit Bands wie Aereogramme und Mogwai aber nicht, das ganze mit Noise-Attacken und Aggressivität zu unterfüttern. Es heißt, die Melancholie und gleichzeitige Galligkeit der ansässigen Musikszene sei Ausdruck der kläglichen Zustände in der maroden Arbeiterstadt. Um so schöner, dass mit dem freundlichen Indie-Folk-Pop von Zoey Van Goey auch einmal andere Stimmen laut werden, die der schottischen Tristesse einen verspielteren, positiveren Anstrich geben.

Die großen Gesten sind die Sache von Zoey Van Goey mit Sicherheit nicht. Die drei Herren und die Dame feiern statt dessen gelebtes Understatement im Stile von Belle & Sebastian. Auf ihrem Zweitling "Propeller versus wings" ist alles so nett und unanstößig wie nur möglich. "The cake and eating it" steckt dabei das rockigere Feld ab, "My aviator" kommt kurz mit stolpernden Sixties-Jazz-Bläsern um die Ecke, während "Sackville sun" zu Glockenklängen und Synthesizer dem melancholischen Pop à la The Beautiful South frönt. Ein musikalisches Bermuda-Dreieck, das dieses Album immer der Gefahr ausgesetzt, gleich verloren- oder gar unterzugehen vor lauter Freundlichkeit.

Das schönste an Zoey Van Goey ist jedoch, dass die Band den Ernst zugunsten eines feinsinnigen, britischen Humors nonchalant einfach mal beiseite schiebt. Am offensichtlichsten stößt "You told the drunks I knew karate" ins Ohr, eine für die vier Glasgower typische Story, in der sich ein verliebter Indie-Junge ziemlich lächerlich macht. "I am drunken on a ladder / Not the smartest thing to start the night / You said I conquered my vertigo / That was a lie, that was a lie, that was a lie!" singt der Arme, während ihn ein Mädel vom Typ Zooey Deschanel, zu Pauken und Trompeten einfach weiter an der Nase herum führt. In "Little islands" wechselt die Perspektive, und Sängerin Kim Moore erzählt mit ihren glockenklaren Stimme etwas mitleidig davon, wie sehr sie einen guten Freund verletzte und dies natürlich nie wieder tun wird. Es ist zwar nicht ganz klar, ob da Engelchen oder Teufelchen von der Schulter spricht, aber hinreißend ist es allemal.

"Propeller versus wings" ist in seiner Gesamtheit so sympathisch und zuvorkommend, dass die Platte fast gar nicht richtig auffällt und mit etwas Pech komplett vorbeizieht. Wenn man allerdings die Konzentration aufbringt und sich die Mühe macht, einfach mal 30 Minuten lang genau zuzuhören, dann wird man viele wunderschöne Melodien und hier und dort herzerweichende Geschichten über den einen oder anderen glücklos verliebten Jungen finden. Böse Mädchen kommen nämlich überall hin. Auch nach Glasgow.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Sackville sun
  • My aviator
  • You told the drunks I knew karate

Tracklist

  1. Mountain on fire
  2. The cake and eating it
  3. Sackville sun
  4. My aviator
  5. Escape maps
  6. You told the drunks I knew karate
  7. Little islands
  8. Extremeties
  9. Robot tyrannosaur
  10. Another day another disaster
  11. Where it lands

Gesamtspielzeit: 32:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Blackberry
2011-02-10 02:42:48 Uhr
sehr feine indie-band aus dem belle & sebastian umfeld. das erste album fand ich ziemlich gut.

und der neue song "the cake and eating it" auf myspache gefällt mir auch ganz hervorragend.
bee
2011-02-09 19:31:27 Uhr
Indiepop aus Schottland - mit fe/male voices, mal rough mal catchy und witzig (You told the drunks I knew karate) - hat was.
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