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Shelby Lynne - Love, Shelby

Shelby Lynne- Love, Shelby

Island / Universal
VÖ: 05.11.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frauen an den Herd

Och, wie süß! Da hat die gute Shelby Lynne ihren knappsten Fummel und ihr luftigstes Höschen aus dem Schrank gezogen, ihren zarten Körper reingezwängt und sich auf den Wohnzimmerteppich gelümmelt. Fragt sich nur: Was macht sie da bloß? Staubpartikelchen zählen? Schon mal pflichtbewußt in richtige Position gehen für den Mann, der da gleich fordernd ins Zimmer kommen könnte? Oder doch nur ein kleines Päuschen von den zwei Dutzend postraffenden Sit-Ups einlegen? Nein, sie kniet einfach nur da und glotzt, als ob sie soeben ihren Handmixer samt des Küchentisches verschluckt hätte. Dabei ließen sich doch mit einer so schönen Frau auf einem so bequemen Teppich ganz andere Dinge anstellen. Staubsaugen, zum Beispiel.

Natürlich ist an sich nichts dagegen einzuwenden, wenn eine hübsche Frau auf einem Albumcover in knapp beschürztem Zustand auf dem Wohnzimmerteppich rumkniet. Ganz im Gegenteil, man(n) kann sich daran erfreuen und gar wunderbar darüber lustig machen, um mit einer Reihe geschickt eingestreuter, augenzwinkernd frauenfeindlicher Äußerungen endlich mal wieder einen Sturm der Entrüstung hervorzurufen. Zum Ärgernis jedoch wird das spätestens dann, wenn das betörende Cover nur dazu dient, mangelnde musikalische Substanz und ein Übermaß an Belanglosigkeit zu übertünchen. Von jener nämlich gibt es auf "Love, Shelby" mehr als genug.

Nachdem die gute Shelby bereits zum Vorgängeralbum "I am Shelby Lynne" die prima Idee hatte, von der anerkannten Country-Künstlerin zum plumpen Rock-Häschen umzuschulen, wurde für "Love, Shelby" Alanis Morissette-Hauskomponist Glen Ballard ins Wohnzimmer gebeten, um Shelbys netter Stimme ein halbes Dutzend noch netterer Songs auf den spärlich bedeckten Leib zu schneidern. Und siehe da: Plötzlich ist Shelby wieder ganz nahe dran an all den anderen Ex-Country-Schnitten LeAnn Rimes und Shania Twain, mit denen sie sich anstatt "Love, Shelby" aufzunehmen besser zum gepflegten Austausch von Beauty-Tips hätte treffen sollen. Nicht daß eine von ihnen es nötig hätte.

Doch auch wenn Shelby bei aller "Man I feel like a woman"-Attitüde immer noch ein gewisses Maß an Geschmackssicherheit bewahrt, sind die vielfältigen Einflüsse aus des Vorgängeralbums Folk, Blues, Soul und Country nun endgültig einem glattgebügelten Radiosound gewichen. Mutige Songs wie das rabenschwarze "Tarpoleon Napoleon" oder das Lennon-Cover "Mother", bei der Shelby, die früh ihre Eltern verlor und ihre kleine Schwester alleine großziehen mußte, ihre Kindheit reflektiert, bleiben eher die Ausnahme. Beim furiosen "Jesus on a greyhound" und "I can't wait" weicht das gelangweilte Seufzen zwei weitere Momente lang einem verzückten. Doch spätestens bei "Killin' kind" wird jeder Hörer, der nicht über einen heillos überdimensionierten Beschützerinstinkt verfügt, wieder die Nase rümpfen. Was hier so merkwürdig riecht, ist jedenfalls nicht der verschmorte Schmorbraten im Backofen, sondern Zeilen wie "I'll do anything, anything / To bring me to you, baby / Don't leave me, darling / Don't leave me, baby". Vielleicht sollte Shelby doch lieber mal in die Küche gehen und nach dem Braten schauen. Sicher ist sicher.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Jesus on a greyhound
  • I can\'t wait

Tracklist

  1. Trust me
  2. Bend
  3. Jesus on a greyhound
  4. Wall in your heart
  5. Ain't it the truth
  6. I can't wait
  7. Tarpoloeon Napoleon
  8. Killin' kind
  9. All of a sudden you disappeared
  10. Mother

Gesamtspielzeit: 42:11 min.

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