The Joy Formidable - The big roar

The Joy Formidable- The big roar

Rykodisc / Warner
VÖ: 25.02.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Steinmetzger

Ob sie den Druck gespürt haben? Müssen sie. Auch wenn sie es sich vielleicht nicht anmerken lassen. Aber "A balloon called moaning", das 2009er Minialbum von The Joy Formidable aus Wales, konnte schon viel. Für eine Band, die kaum jemand kennt und die nebenher noch ihre Singles auf Vinyl veröffentlicht haben, konnte das Trio um Leadsängerin Ritzy Bryan immerhin eine kleine, aber sehr feine Fanschar aufbauen, deren Hunger nach mehr es zu stillen galt. Nach einer ausgiebigen Tour mit den Kollegen von The Temper Trap, die sie auch nach Deutschland verschlagen hatte, verabschiedeten sich The Joy Formidable für kurze Zeit, um an ihrem ersten richtigen Album zu arbeiten. Dabei entstand das dieser Tage erscheinende "The big roar", und der gröhlende Schrei, den Bryan bei der ein oder anderen Show von sich gegeben hat, wurde hier zwar ordentlich sauber geputzt - geschadet hat das zum Glück aber nicht.

Live handelt es sich bei der Sängerin und Gitarristin um ein Energiebündel, das ihresgleichen sucht, auf Platte wird das auch noch deutlich. Der Opener "The everchanging spectrum of a lie" legt da bereits ordentlich vor. Mit fast acht Minuten der längste Song des Albums, beginnt er mit merkwürdigen Geräuschen, Schlägen, Hundegebell, Geschrei, kurzum: Krach. Der wandelt sich jedoch recht schnell in ein Bombastwerk, zunächst getragen vom zurückhaltenden Gesang und schließlich von den mehreren, immer höher aufsteigenden Stufen des Refrains, bis am Ende ein Feuerwerk aus Schlagzeug und Gitarre für den letzten Höhepunkt sorgt - zumindest in diesem Song. Denn es geht weiter, etwa mit dem dreckig-grungigen "A heavy abacus" oder dem schwermütig startenden "Llaw=wall", dem Bassist Rhydian Dafydd die Stimme leiht. Keine Sorge: Auch hier kommt es nach der Hälfte zu einem Showdown, perfekt eingesetzt nach einer kurzen Sekunde zum Luftholen. Und weiter geht's.

Das den Fans bereits bekannte "Austere" erlebt hier genauso seine Auferstehung von den längst verschollenen Singles wie "Whirring", wenn auch in leicht veränderter Form. Vom netten, aber doch etwas schlaffen Pop-Punk-Gassenhauer mutiert er in der Albumversion zu einem nimmersatten Rockkracher, bei dem der Gesang zur Mitte hin schließlich überflüssig ist. Schweißtreibend wird es trotzdem, und vor allem Fans des Air-Drumming dürften hier ihre wahre Freude haben. Zurück in die frühen 90er Jahre geht es schließlich mit "The greatest light is the greatest shade"; das an die Smashing Pumpkins erinnert und dessen schwerer Bass sich gerade so zwischen einem irren Elektrogitarren-Feuerwerk zu behaupten weiß. Auf "The big roar" haben The Joy Formidable zwar das ein oder andere Gebrüll geschliffen, aber dennoch alles richtig gemacht. Denn die Schleifspuren und Abbruchkanten nutzen sie als vertiefendes Relief für ihren Sound. Was Musik wie diese absolut gebrauchen kann.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The everchaninging spectrum of a lie
  • A heavy abacus
  • Llaw=wall
  • The greatest light is the greatest shade

Tracklist

  1. The everchanging spectrum of a lie
  2. The magnifying glass
  3. I don't want to see you like this
  4. Austere
  5. A heavy abacus
  6. Whirring
  7. Buoy
  8. Maruyama
  9. Cradle
  10. Lllaw=wall
  11. Chapter 2
  12. The greatest light is the greatest shade

Gesamtspielzeit: 49:53 min.

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