Tahiti 80 - The past, the present & the possible

Tahiti 80- The past, the present & the possible

Human Sounds / Rough Trade
VÖ: 25.02.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die französische Diskussion

Wenn eine Popband philosophisch wird, wird's meist gefährlich. Die Franzosen von Tahiti 80 tragen zwar keine schwarzen Rollkragenpullover, bedienen sich aber am gedanklichen Erbe ihrer Landsmänner. "The past, the present & the possible" ist ein existentialistisches Manifest, das so sehr in sich ruht, dass Rainer Langhans wie ein nervöser Derwisch wirkt. Elf Songs, die locker und flockig sind, die nach Sonne schreien und oft so harmlos sind, dass man Phoenix, den Freunden im Geiste, der Hetzerei beschuldigen könnte.

Tahiti 80 sind nun im 15. Jahr ihrer Bandgeschichte angekommen. War der Voränger "Activity center" ein Gitarren-lastiges, raues Album, ist "The past, the present & the possible" eine elektronische Platte, die sich von Beats treiben lässt, in süßen Harmonien versinkt und sich ganz und gar selbst genügt. Die Franzosen rufen die Beach Boys als Vorbilder aus und versuchen sich entsprechend an melodischen Verstrickungen. "Defender" macht vor, wie das zu klingen hat: Fiese Gitarren werden mit seichten Keyboards verbrüdert, und der treibende, minimalistische Beat tickt wie ein Uhrwerk. Irgendwann wird der Song dann psychedelisch. Und man selbst gespannt aufs Weiterhören.

Die kühle Single "Solitary bizness" ist von ähnlicher Größe. Ein leiser, unaufgeregter Song, der sich um eine süße Melodie spinnt und irgendwann in einem hypnotisierenden Mantra verschwindet. Der Höhepunkt des Albums folgt gleich im Anschluss. "Want some?" erinnert nicht nur vage an "Coffee and TV" von Blur, sondern mopst sich gleich den Beat und vieles mehr des berühmten Songs. Das kann man als nette Verbeugung verstehen und sich gemeinsam mit dem französischen Sextett freuen. Besser wird das hier nämlich nicht mehr.

Das stellenweise hohe Niveau kann die Platte nicht immer halten. "Darlin' (Adam & Eva song)" ist ein einigermaßen belangloses Geplänkel, mit billiger Hookline und enttäuschender Entwicklung. Und warum der wirre und viel zu lange Krawall namens "Crack up (extended)", der wie ein Fremdkörper ins Album hereinplatzt und die ganze Angelegenheit beinahe zerschießt, überhaupt erst komponiert wurde, ergibt keinen Sinn. Dafür aber der Titel der Platte. Und das kann man ja auch mal als erfreulich verbuchen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Defender
  • Solitary bizness
  • Want some?

Tracklist

  1. Defender
  2. Darlin' (Adam & Eva song)
  3. Gate 33
  4. Solitary bizness
  5. Want some?
  6. Easy
  7. The past, the present & the possible
  8. Nightmares
  9. Rain stream & speed
  10. Crack up (extended)
  11. 4am

Gesamtspielzeit: 45:55 min.

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  • Tahiti 80 (4 Beiträge / Letzter am 26.07.2005 - 14:13 Uhr)

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