Gil Scott-Heron and Jamie xx - We're new here

Gil Scott-Heron and Jamie xx- We're new here

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 18.02.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Rohkost rostet nicht

Es dauerte ziemlich genau 16 Jahre. Danach war Gil Scott-Heron so etwas wie ein beeindruckender Newcomer, obwohl kaum jemand wie er zuvor Einfluss auf HipHop, Spoken Word und Soul genommen hatte. Eineinhalb Jahrzehnte Funkstille ließen die kollektive Aufmerksamkeit eben doch in die Ferne schweifen. Umso größer dann das Lauschen, als da im Jahr 2010 diese Platte mit dem Titel "I'm new here" aufschlug. Scott-Heron hatte sich dafür mit XL-Mastermind Richard Russell ins Studio zurückgezogen. Das Ergebnis lag irgendwo in den Untiefen eines verklärten, urbanen Sounds, den Scott-Heron mit seinen dunklen Versen noch mehr runterzog. Es war der passende Schuh, den sich der Altmeister angezogen hatte. Das Aufschlagen auf dem Hipster-Radar ließ da nicht lange auf sich warten. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Erscheinen von "I'm new here" hat sich Jamie xx (The xx) die gesamte Platte zur Brust genommen. Sämtliche Tracks wurden geremixt, zerstückelt und in einen anderen Kontext gehoben.

Eine schwitzige, eine laue Clubatmosphäre spannt sich dann um die rudimentären Lyrics von "Ur soul and mine". Die Beats blasen minimalistisch durch den Rhythmus, während ein paar Effekte hintenrum abtauchen dürfen. Einzelne Tracks wie "Home" pluckern dann in ihren kalten Dub vor sich hin. Von Scott-Herons dunkler Stimme bleibt wenig Gefühl übrig. Sie ist nur noch ein Baustein, der sich in dem Sound unterzuordnen hat. In den ursprünglichen Versionen zog Scott-Heron aus den einfachsten Zeilen noch ein Stück Menschlichkeit, die sich den düsteren Wogen nicht unterordnen wollte. Nach der Bearbeitung von Jamie xx bleibt davon nur ein kaltes Kalkül, das auf die Tanzflächen starrt. Den dicken Bass rollt dann "Running" aus, lässt sich schwerfällig durch den Dancehall tragen. Leicht drückt sich dagegen "My cloud", das es im Original wie das Interlude "Piano player" nur als Vinyl-Bonustrack geschafft hat, über seine Sphären. Halbgar haften auf "We're new here" die Tracks zusammen. Ein Flow, der die gesamte Platte trägt, erschließt sich nur über einzelne spooky Sounds und das auch nur mit Anstrengung.

Roh und irgendwie unfertig reiht sich alles aneinander, bis dann "I'll take care of you" die grundlegende Idee bis zur letzten Konsequenz durchzieht. Die Melodie huscht verloren über ein paar Piano-Einwürfe, der Bass grollt im Hintergrund, und Scott-Herons Stimme liefert weitaus mehr als nur Hook oder Sample, sondern gräbt sich ein in den Groove. Das Talent von Jamie xx, das zuvor auf "We're new here" nur zu erahnen war, bricht sich in diesem Track endlich Bahn, wenn der Minimalismus nicht mutwillig jede Eingängigkeit zerstampft. Die einzelnen Teile von "We're new here" ergänzen sich leider zu selten, stottern sich ab in ihrer Kälte und ihrem bloßen Willen zur Künstlichkeit. Dass dieses Baby ganz die Nummer von Jamie xx ist, liegt bei dem Klang fast auf der Hand, es bedurfte nur eines handgeschriebenen Briefes an Scott-Heron, damit dieser einwilligte. Der ursprüngliche Sound ist komplett geskippt, der Moment rückt hier in den Mittelpunkt. Auch wenn er manchmal gar nicht mag.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • I'll take care of you

Tracklist

  1. I'm new here
  2. Home
  3. I've been me (Interlude)
  4. Running
  5. My cloud
  6. Certain things (Interlude)
  7. The crutch
  8. Ur soul and mine
  9. Parents (Interlude)
  10. Piano player
  11. NY is killing me
  12. Jazz (Interlude)
  13. I'll take care of you

Gesamtspielzeit: 37:50 min.

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