Caro Emerald - Deleted scenes from the cutting room floor

Caro Emerald- Deleted scenes from the cutting room floor

Grandmono / Island / Universal
VÖ: 01.02.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der eigene Stiefel

Das Selbstbewusstsein definiert sich über Kleidung. Genauer gesagt über die unteren Bereiche. Nein, eigentlich über den untersten. Kaum jemand, der mit Vampire Weekend auf den Ohren herumläuft und keine Chucks trägt, kaum ein Rapper, der noch keinen Track über seine neuen Nike-Sneaker gemacht hat. Und so steht jeder am Anfang seiner Karriere da und muss sich genauestens überlegen, womit er untenrum im Musikzirkus nun auftrumpfen will. Caro Emerald entschied sich für die Second-Hand-Variante. Harmoniert ja auch gut mit ihrer Single "Back it up", die für Aufruhr sorgte und nun den Grundstein für die Stimmung auf ihrem Debüt legt. Die ollen Vintage-Treter passen einfach wie angegossen zum ihrem strikten Rhythmus und der Hookline, die sofort im Ohr hängenbleibt. Dabei ist der Stiefel eindeutig im Pop verwurzelt, auch wenn mancher gerne von Swing und Jazz schwadronieren würde. Aber alles halb so wild. Hauptsache, es sieht gut aus und geht als Melodie locker rein.

Überhaupt sitzt das ganze Album ziemlich locker. Lässigkeit ist das oberste Gebot, wenn "Dr. Wanna Do" den Refrain mit Bläsern auffüllt und der Takt hin und her schwingt. Selbst "The lipstick on his collar" bildet mit seinen Streichern keine Ausnahme, denn es bleibt das Gefühl, dass das alles nicht so ganz ernst gemeint ist. "Deleted scenes from the cutting room floor" macht nämlich einen großen Bogen um jede Pfütze, kein Spritzer Dreck haftet an den Tracks, statt dessen an manchen Stellen ein etwas steriler Feinschliff, der Vintage vortäuscht, aber doch jede analoge Wärme vermissen lässt. So verwechselt etwa "The other woman" verrucht mit verspielt und legt zur Gitarre einen straighten Beat hin - doch Emeralds Stimme hat einfach nicht die Kraft, diesen Schuh auf links zu ziehen. Allerdings ist diese Aufgesetztheit zu verschmerzen, verwandelt sie sich doch bei "Absolutely me" in Understatement: "Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, are impossible you see / But when it gets to Friday, whatcha get is absolutely me." Charmanter konnte selbst Robert Smith die Woche nicht erklären.

Auffallen wird "Deleted scenes from the cutting room floor" trotz allem. Als Retro-Ding und vor allem als Ansammlung sympathischer Melodien. Denn auch wenn Emerald gerne und oft mit einer gewissen Patina flirtet, verweist dieses Album eindeutig aufs erste Jahrzehnt der Nuller Jahre. Etwa "Stuck", das zu eindeutig mit Stimme und Rhythmus spielt und wie der Rest zu durchtränkt ist von den Ideen der Popwelt von 2010. Die kleinen Macken erweisen sich immerhin als äußerst charmant, auch wenn hier nichts nach fünfziger oder sechziger Jahren klingt. Aber solange "I know that he's mine" eine Klaviermelodie über sein verdrehtes Geschummer legt, die sich dann ohne Eitelkeit steigern darf, ordnen sich die leichten Abstimmungsschwierigkeiten beim Outfit irgendwie unter. Emerald spielt ihren Stiefel herunter und hat ihre Marschroute, und die schließt sich letztendlich zum Kreis. Aus den Schuhen haut das jedoch nicht.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Just one dance
  • Back it up

Tracklist

  1. That man
  2. Just one dance
  3. Riviera life
  4. Back it up
  5. The other woman
  6. Absolutely me
  7. You don't love me
  8. Dr. Wanna Do
  9. Stuck
  10. I know that he's mine
  11. A night like this
  12. The lipstick on his collar

Gesamtspielzeit: 46:42 min.

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