Diddy-Dirty Money - Last train to Paris

Diddy-Dirty Money- Last train to Paris

Bad Boy / Interscope / Universal
VÖ: 04.02.2011

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Nur Bahnhof

Da hat er ihn doch noch einmal gepackt, der Ehrgeiz den Diddy. Vor knapp zwei Jahren posaunte Sean Combs ins Rap-Biz, dass da etwas nie Dagewesenes kommen würde, und das in Form eines vollkommen neuen Sounds. Also rechts eine Lady, links eine Lady, und ab ins Studio. Making the band kann ja so einfach sein, wenn der Meister das selbst in die Hand nimmt. Und nun folgt mit "Last train to Paris" das erste Album der Gruppe, das dann auch gleich ein Konzept mitbringt und natürlich einen ganzen Sack an Features in der Tracklist unterbekommen hat. Die musikalischen Grenzen sind hier mit Zirkel und Lineal abgesteckt, und unter der Last von Clubsounds und R'n'B ächzt technoid der letzte Geist des Rap. "All you gotta do is turn this shit up!" Na dann.

Schon die ersten Takte von "Yeah yeah you would" klotzen sofort ran. Die dicken Beats hobeln über den Rhythmus, die stumpfen Effekte leiern aus dem Drumcomputer. Erst "Ass on the floor" lässt alle seine Elemente zu dem Vibe verschmelzen, den Swizz Beatz dem Ding passend unter den Boden schiebt. Hektisch surrt da ein Rhythmus, der die Vocals trägt. Doch schnell verfließt der Ansatz wieder im schieren Bemühen. "Angels" verkrampft vollkommen unter seinem Geblubber und Gequietsche, das dick aufgetragene Autotune-Gebolze tut sein Übriges. Nicht einmal Rick Ross kann das Ruder rumreißen, und selbst The Notorious B.I.G. aus der Konserve verpufft. Immerhin: Combs war stets bemüht.

Stur lässt sich "Last train to Paris" nicht von seiner Idee abbringen, hier etwas ganz Großes zu schaffen, das über die Liebe weit hinausgeht. Am Ende ist es dann aber doch nur Gefühl vom Reißbrett. Dawn Richard und Kalenna Harper, die Combs in die Kombo holte, damit sie den weiblichen Teil der Story erzählen, ziehen sich stellenweise komplett aus diesem Sound zurück, während Chris Brown fleißig dem lahmen Beat von "Yesterday" zwischen die Ohren gibt. "Today feels like my funeral." Nicht nur wie seine. Die Features reichen sich die Klinke in die Hand, allerdings ohne aus dem Brei von Effekten herauszustechen. Justin Timberlake versumpft da ebenso wie T.I., der versucht, mal eben Gil Scott-Heron zu droppen.

Und wo steckt überhaupt der Zeremonienmeister? Combs liefert gleich zu Beginn schon Rhymes nach dem simpelsten Schema. "Vein" auf "pain" auf "name" auf "remains" - auf dass es richtig schmerzt. Dabei wäre das nicht einmal so dramatisch, wenn er mal einen Flow passend packen könnte, doch vollkommen hölzern haut er seine Zeilen ins Brett von "Last train to Paris". Den bedingungslosen Größenwahnsinn, den Kanye West in "My beautiful dark twisted fantasy" untergebracht hat, streben Diddy-Dirty Money auch an, lassen ihn aber zur Selbstgefälligkeit verkommen. Die Vorstellung von Pop ist hier nicht zukunftsweisend, sondern verankert in dem tumben Sound der Clubs. Kein einziges Mal tritt "Last train to Paris" so über seine eigenen engen Grenzen. Kalkulierte Features addieren sich, bringen unterm Strich genau das Erwartbare ein und verstehen nur Bahnhof. Der Zug ist da aber schon längst abgefahren.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Ass on the floor (feat. Swizz Beatz)
  • Coming home (feat. Skylar Grey)

Tracklist

  1. Intro
  2. Yeah yeah you would (feat. Grace Jones)
  3. I hate that you love me
  4. Ass on the floor (feat. Swizz Beatz)
  5. Looking for love (feat. Usher)
  6. Someone to love me(feat. Swizz Beatz)
  7. Hate you now
  8. Yesterday (feat. Chris Brown)
  9. Shades (feat. Lil Wayne, Justin Timberlake, Bilal, James Fauntleroy)
  10. Angels (feat. Notorious B.I.G., Rick Ross)
  11. Your love (feat. Trey Songz)
  12. Strobe lights (feat. Lil Wayne)
  13. Hello good morning (feat. T.I.)
  14. I know (feat. Chris Brown, Wiz Khalifa, Seven Of Richgirl)
  15. Coming home (feat. Skylar Grey)
  16. Loving you no more (feat. Drake)

Gesamtspielzeit: 64:35 min.

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