Charles Bradley - No time for dreaming

Charles Bradley- No time for dreaming

Dunham / Groove Attack / The Orchard
VÖ: 18.02.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Spätstarter

Als die Milchbärte und Kopfnicker des Souls der Nuller noch nicht einmal in den Windeln lagen, kämpfte sich Charles Bradley schon durchs Leben. Die Geschichte seiner musikalischen Laufbahn startet 1962 in einem Club, der sich Apollo nennt und auf dessen Bühne an jenem Abend der nicht mehr ganz unbekannte James Brown auftreten sollte. Die Performance des Godfathers brennt sich bei Bradley ein. Mit dem Besen als Mic übt er fleißig die Moves des Hardest Working Man In Show Buisness. Über die Jahre des Leidens und der Schicksalsschläge behält Bradley den Geist dieser Zeit in seinen eigenen Auftritten als Sänger. Eines Abends betritt in Form von Gabriel Roth die halbe Chefetage des Daptone-Labels einen Club, in dem Bradley gerade den Zeremonienmeister als Sänger Black Velvet gibt. Die Türen des legendären House Of Soul mit seinen Studios, in denen sonst Sharon Jones und die Budos Band verkehren, öffnen sich so für ihn. In einem Alter, in dem andere Künstler längst die Abenstunden ihrer Karriere einläuten, legt Bradley nun mit "No time for dreaming" sein Debüt vor.

Vintage hin, Vintage her, mit der Menahan Street Band im Rücken hat sich das Kalenderblatt gewendet. Nach Aloe Blacc und Sharon Jones kann nicht mehr die Rede vom angestaubten Sound sein, doch Bradley nähert sich dem Soul der 60iger vor allem durch den Zeitgeist, den er ohne Probleme in jede Sekunde von "No time for dreaming" schickt. Wie eine Daune in dem kuscheligsten Schlafzimmer segelt "The telephone song" auf den Flokati. Die Bläser fliegen über den Rhythmus der Gitarre, und die Drums geben den Takt zum Schmusen vor. Dabei brannte in "The world (Is going up in flames)" das Leid noch lichterloh. Der Hintergrundchor singt wie direkt aus altem Vinyl in die Melodie geklopft, das Klavier drängt sich nicht zum tragenden Muster auf, und darüber steht Bradley mit seiner zerrissenen Stimme. "Don't tell me how to live my life / when you never felt the pain." Der Mann weiß, wovon er da singt. "The golden rule is love."

Überhaupt: diese unglaubliche Klangfarbe, die sich ergießt! "Lovin' you baby" ist wieder eine dieser Nummern, die kuschelzart beginnen, bevor dann Bradley vergeht. Das Eis schmilzt, das Kaminfeuer prasselt. Doch Bradleys Stimme ist vielseitig genug, nicht nur dort zu bleiben, sondern auch sein Leid, den Schmerz in Töne zu formen. "Why is it so hard?" lässt sich nur von einem seichten Vibe der Saiten tragen, bevor Bradley ansetzt und die Menahan Street Band mitnimmt. Die Orgel röhrt flauschig im Hintergrund. "Since your last goodbye" verzichtet dann komplett auf Gesang, und die Menahan Street Band darf sich austoben an einem leichten Groove, der munter durch die Takte weht. Die Bläser pumpen ein wenig, die Percussion schmeichelt der Harmonie. Auf ein letztes Mal wirft sich dann "Heartaches and pain" in Schale. Ob sozialkritische Töne, Bettwärmer-Ballade oder einfache pure Energie, Bradley beherrscht den Soul bis zum letzten Gefühl. Da bleibt dem Milchbart von Rezensent nicht mehr übrig, als einvernehmlich mit dem Kopf zu nicken.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • The world (Is going up in flames)
  • Lovin' you baby
  • Heartaches and pain

Tracklist

  1. The world (Is going up in flames)
  2. The telephone song
  3. Golden rule
  4. I believe in your love
  5. Trouble in the land
  6. Lovin' you baby
  7. No time for dreaming
  8. How long
  9. In you (I found a love)
  10. Why is it so hard?
  11. Since your last goodbye
  12. Heartaches and pain

Gesamtspielzeit: 42:39 min.

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