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Sidi Touré & Friends - Sahel folk

Sidi Touré & Friends- Sahel folk

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 28.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Lückenfüller

Manche Kinder stecken sich Buntstifte in die Nase, andere toben sich in Wald und Wiese aus. Doch Sidi Touré konnte damit nichts anfangen. Sein größter Wunsch war die Musik. Also machte er sich als Kind auf und baute sich seine Gitarre einfach selbst. Seitdem sind etwa fünfzig Jahre vergangen, und Touré zählt mittlerweile zu den bekanntesten Musikern aus Mali. Über Schulband und regionales Orchester ging es zu Auszeichnungen und Touren in der Heimat. Und der nächste Schritt? Mit "Sahel folk" bringt Touré seine zweite Platte heraus. Seine erste Veröffentlichung "Hoga" liegt immerhin auch fünfzehn Jahre zurück. Offenbar geht es bei Touré mehr um das Gefühl, den Vibe, der in manchen Momenten tröpfelt und im Studio meist kaum herzustellen ist. Der Blues ist derweil fast komplett verschwunden aus den Windungen dieses leichten Sounds und geblieben sind nur noch fliegende Saiten. Die Tracks sind allesamt Kollaborationen mit Freunden, die innerhalb von zwei Tagen im Kasten sein mussten. Am ersten Tag gab es Tee und Plausch, am zweiten dann zwei Takes, um die Dinger unterzubekommen.

Und genau dieses Gefühl der Ungezwungenheit transportiert "Sahel folk" in jeder seiner fünzig Minuten. Die Gitarre drängt sich nie auf, sondern lehnt sich in seine Harmonien. Langsam steigen die Töne in "Bon koum" hinab, nur um sich dann doch wieder einen Haken zu schlagen. Hypnotisch lassen Tracks wie "Bera nay wassa" die Luft flimmern. Kleine Variationen, ein muntereres Tempo oder auch einfach der fliehende Gesang halten in ihrem Bann. Die Sonne drückt und verabschiedet sich doch langsam vom Rand des Horizonts. Die pure Entspannung erstreckt sich in den Ausläufern von "Sïnji". Fast schon andächtig wiegt sich die Atmosphäre unter den lauen Melodien. Mali liegt nur einen kleines Stück weiter. Abseits von jedem Klischee passiert auf "Sahel folk" genau das, was Weltmusik so oft will und doch nicht schafft: Den Weg frei zu machen für Gedanken, die sich tragen lassen wollen. Die verschiedenen Stimmen begleiten dieses Treiben, ohne sich aufzudrängen. Die Worte sitzen in den Lücken zwischen Ton und Stille, lassen einzelne Gefühle zu, um sie gleich wieder im Sound untergehen zu lassen.

Dass sich die Zeit da fast zwangsläufig verflüchtigt, liegt in der Natur der Sache. "Taray Kongo" schiebt sich locker an die zehn Minuten heran und verläuft dann doch viel zu früh im Sand. Die geschwungenen Klänge von "Artiatanat" sind fester, lassen sich nicht einsperren und kreiseln um die Saiten. Die Nacht ist mittlerweile eingekehrt, doch die Wärme brennt noch auf den letzten Minuten nach. "Sahel folk" zieht langsam aber sicher in seinen Bann. Zuerst als Dokumentation über afrikanische Musik gedacht, fehlt der Platte jetzt jegliche Verkopftheit. Ein Fluss zieht sich durch die gesamte Platte, der seinen Weg genau kennt. Keine Überraschungen, sondern das Wissen, wie sich unbeschreibliche Dinge transportieren lassen. Auch wenn die Traditionen und Sprache der Songhai durchscheinen, Sidi Touré nimmt den Hörer mit hinter die Dinge, hinter die Musik, zu einem bestimmten Feeling. Zu dem Ort, an dem nur der Moment zählt. Zu einem schattigen Plätzchen unter der Sonne.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Adema
  • Djarii ber
  • Artiatanat

Tracklist

  1. Bon koum
  2. Adema
  3. Djarii ber
  4. Bera nay wassa
  5. Sïnji
  6. Taray Kongo
  7. Haallah
  8. Wayey zarrabo
  9. Artiatanat

Gesamtspielzeit: 50:06 min.

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