Deine Lakaien - White lies

Deine Lakaien- White lies

Chrom / Columbia / Sony
VÖ: 07.01.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Licht im Dunkel

Wenn sich Deine Lakaien zurückmelden, herrscht alle Jahre wieder hektische Betriebsamkeit in Deutschlands Schreibstuben. Die üblichen Verdächtigen der Rockkritik kramen in der Kiste mit den Vorurteilen und zerren Etiketten mit den Aufschriften "Dark Wave", "Gothic" und "Gruftie" hervor Dann kippt man noch ein wenig metaphorisches Schwarz und ein paar Spinnweben hinzu, verweist noch schnell auf die imposante Frisur des Sängers und fertig ist der Verriß. Da braucht man nicht einmal großartig hinzuhören, und der Schreiber ist glücklich.

Der treuen Fanschar von Ernst Horn und Alexander Veljanov freilich ist dies reichlich egal. Die Verbindung von chromblitzender Elektronik und bedrückenden, manchmal gar depressiven Stimmungen mit der dunklen Wärme von Veljanovs Stimme und den verschrobenen Klängen Horns wurde zum chartsträchtigen Markenzeichen. Die letzte Platte "Kasmodiah", welche immerhin auch schon wieder drei Jahre zurückliegt, geriet gar zum kommerziell größten Erfolg der Bandgeschichte.

Die Fusion aus Kälte und Wärme rückt nun auf "White lies" immer mehr in den Mittelpunkt der eigenwilligen Klangwelten des Duos. Anmütig fließen diese in Songs wie "Where you are" umher, lassen sich in "Silence in your eyes" von fernen Orgeln umspielen und geraten in die sanften Fänge von "Fleeting". Weiche Akustikgitarren, klagende Streicher und fließende Klaviertexturen vermischen sich mit zarten Verschwebungen von Horns elektronischen Gerätschaften. Oft künden nur die Beats im Hintergrund von ihrer synthetischen Herkunft. Statt dessen erwecken die kunstvollen Verschachtelungen der Klänge die Schaltkreise zum Leben: Melancholische Maschinen hören auf ihr schlagendes Herz.

Im Gegensatz zu "The sweet life", dem verunglückten letzten Solowerk des Sängers, sorgen hier Horns feine Pinselstriche für ein erstaunlich lebendiges Miteinander der Töne. Nur mit dem erneuten Wiederaufgreifen eines alten Themas tut sich der ungleiche Zweier keinen Gefallen: "Life is a sexually transmitted disease", eine weitere Fortsetzung von "Reincarnation", suhlt sich in esoterischem Beliebigkeiten und steckt dabei zu sehr in der Vergangenheit, die der Rest der "White lies" durch den Mut zu mehr organischen Klängen und vor allem zu mehr Licht im Arrangement längst hinter sich gelassen haben schien. Doch auch wenn Veljanov zu den nihilistischen Klängen von "One minus one" die eigene Verneinung beklagt, erklingt aus dem sechsten Album der Lakaien ein eindeutiges Ja zum Leben.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Wunderbar
  • Generators
  • Where you are
  • Kiss

Tracklist

  1. Wunderbar
  2. Generators
  3. Where you are
  4. Prayer
  5. Stupid
  6. Kiss
  7. Silence in your eyes
  8. Hands white
  9. Lost
  10. Fleeting
  11. Life is a sexually transmitted disease
  12. One minus one

Gesamtspielzeit: 56:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

VelvetCell

Postings: 2560

Registriert seit 14.06.2013

2020-04-07 10:24:15 Uhr
Und möglicherweise hast du sogar recht. Aber es ist schon merkwürdig, das Tattoo dort so prominent zu sehen. Das kann fast kein Zufall sein, denke ich.

Autotomate

Postings: 2347

Registriert seit 25.10.2014

2020-04-07 09:56:48 Uhr
Well, what can I say...

VelvetCell

Postings: 2560

Registriert seit 14.06.2013

2020-04-07 09:40:45 Uhr
Sehr hilfreich, Tomate – vielen Dank!

Autotomate

Postings: 2347

Registriert seit 25.10.2014

2020-04-07 07:03:12 Uhr
Sieht nach einem Tattoo aus. Vermutlich ist der Darsteller Dredg-Fan.

NOK

Postings: 135

Registriert seit 04.10.2018

2020-04-06 23:50:14 Uhr
Interessantes Detail! Anscheinend ist es eines, und ich wüsste nichts von irgendeiner Verbindung zwischen den beiden Projekten. Weitere Bedeutung dürfte es also höchstwahrscheinlich keine geben.
Zum kompletten Thread

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