Middle Class Rut - No name no color

Middle Class Rut- No name no color

Bright Antenna / ADA / Warner
VÖ: 21.01.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die vier lustigen Zwei

Der Sound drischt mit Wucht, die Gitarren brechen sich brachial durch die zwölf Songs, die Drums donnern direkt hinterher, und der Bass ... ja welcher Bass eigentlich? Moment, das hier ist ja gar keine typische Four-Piece-Rockband. Wirkt aber ganz genau so. Mit mehr Energie als Middle Class Rut hat seit Death From Above 1979 wohl kein Duo die Bühne betreten. Der Weg zum ersten Longplayer war für die Kalifornier Sean Stockham und Zack Lopez allerdings ein steiniger und langer. Ganze drei EPs innerhalb der letzten paar Jahre sollten erscheinen, bis endlich ein Deal über das erste Album unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Ein Großteil der Songs auf "No name no color" findet sich dann auch bereits auf den EPs, wurde allerdings auf den neuesten Stand gebracht.

Middle Class Rut klingen, als wäre Filters Richard Patrick neuer Frontmann von Jane's Addiction und hätte diesen auch gleich noch eine Portion des typischen Filter-Sounds als kleines Geschenk mitgebracht. Aus jeder Pore von "No name no color" tropft der schweißige Glam-Rock in Verbindung mit Überresten galliger Industrialbrachialität. Der Grundton des Albums ist dabei durchgehend stringent und wird nur hier und dort an einigen Ecken etwas variiert. "One debt away" ist gesegnet mit einer walzenden Funkyness, die etwas an Tom Morello erinnert. "Are you on your way" hingegen, mit über sechs Minuten längster Track, sucht sein Heil in einer sphärischen Art Prog, der nach und nach ausfadet. "Thought I was" drückt den aggressiven Industrial in den Vordergrund, während "Cornbred" auch gut in die Weird-Folk-Szene der letzten Jahre passen würde. Diese Variationen sind allerdings immer nur Mittel zum Zweck. Skrupelloser Rock, der nur eine Richtung kennt - ausnahmslos nach vorne - steht aufgeplustert im Zentrum von "No name no color".

So plättet dieser Zweier nicht nur einfach alles nieder, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, sondern wirft gleichzeitig auch ein schlechtes Licht auf all die Filters und Jane's Addictions dieser Welt. Warum erschaffen zwei Kalifornier eine Wucht, die diese Bands mit einer Armada an Gastmusikern oder Bandmitgliedern nicht auf die Beine bekommen? Entschlacken, um die Wucht zu vergrößern ist das Motto von "No name no color". Dass das Album mit rund 53 Minuten aufgrund der stilistischen Durchgängigkeit viel zu lang und auf kompletter Länge mitunter etwas öde ist, ist nur eine kleine Randnotiz. In kleinen Dosen verabreicht ist dieses Debüt eine Pracht. Stellen wir uns also einfach vor, wir hätten hier drei EPs am Stück. Middle Class Rut hätten ihre Vorschusslorbeeren in voller Gänze verdient.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Are you on your way
  • Dead end

Tracklist

  1. Busy bein' born
  2. USA
  3. New Low
  4. Lifelong dayshift
  5. One debt away
  6. Are you on your way
  7. Alive or dead
  8. I guess you could say
  9. Sad to know
  10. Dead end
  11. Thougt I was
  12. Cornbred

Gesamtspielzeit: 53:34 min.

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