Amos Lee - Mission bell

Amos Lee- Mission bell

Blue Note / EMI
VÖ: 21.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im Namen des Folkes

Irgendetwas hat sich getan beim guten Amos Lee. Vor zwei Jahren erschien sein letztes Album "Last days at the lodge", da war alles noch wie vorher. Die Musik jazzig und geschmeidig, der junge Mann augenscheinlich recht sympathisch und nonstop auf Tour, der Name doch eher unbekannt. 2011 sehen die Dinge anders aus: Amos Lee, nach wie vor mit Netter-Typ-von-nebenan-Ausstrahlung, hat sich Zeit genommen, viel Zeit. Keine Tourneen, keine Veröffentlichungen. Dass er mittlerweile in aller Munde ist, wäre vielleicht übertrieben, doch bekannter ist sein Name definitiv geworden. Und dann macht er das: Während man ihn endlich mit dem Neo Jazz-Genre in Verbindung brachte, baute er an anderer Stelle an - und veröffentlicht mit "Mission bell" ein Folkalbum, das von niemand geringerem als Joey Burns produziert wurde, seines Zeichens Sänger, Gitarrist, Bassist, Cellist und wahrscheinlich auch Telefonist der Band Calexico.

Jetzt ließe sich natürlich sagen, dass das ganz großer Mist ist. Dass Schuster bei ihren Leisten bleiben sollten. Dass Lee seine kleine Fangemeinde damit verprellt. Ließe sich sagen. Beziehungsweise: überhaupt nicht. Denn Lee macht das alles schon ziemlich gut, obgleich dabei das Jazz-Herz bluten mag. Denn nicht nur klingen die Songs, die er allesamt selbst geschrieben hat und die teilweise einen lieblichen Country-Einschlag haben, wie Balsam in den geplagten Ohren. Auch seine Gästeliste liest sich wie das Who is who des Folk: Sam Beam von Iron & Wine gibt sich die Ehre, Blue Note-Labelkollegin Priscilla Ahn, Lucinda Williams und unser aller good ol' brother Willie Nelson - unter anderem. Ganz unvertraut ist Lee dem Folk ja auch gar nicht mehr, wenn man mal ehrlich ist. Auch auf "Last days at the lodge" hatte es derlei Züge schon gegeben, zwei Jahre später zieht er das Ding aber engültig durch. "Mission bell" steht also unter einem anderen Stern, und startet seine Reise erstaunlich gut. Bereits der Opener "El camino" riecht nach dem Süden der USA, und klingt dabei vor allem nach einer Neuauflage der Band seines Produzenten. Dass das kein schlechtes Zeichen ist, versteht sich von selbst, und auch das schunkelige "Violin" mit Beam selbst als Gast geht sofort ins Ohr und groovt sich mit jeder verstrichenen Note mehr und mehr direkt ins Herz und in die Beine des Hörers.

Der ehrfurchtsvolle Name von "Jesus" hält, was er verspricht, und Lee schaltet in den Gospel-Modus. Aus dem ehemaligen Jazzmusiker und neu erfundenen Folkshelden wird ein Crooner, der sich gewaschen hat, während James Gadson (The Temptations, Quincy Jones, Wilco, Feist) im Hintergrund für den großen Aufmarsch sorgt. Und so brodelt der Song weiter vor sich hin, bis er kurz vorm Anbrennen steht. Das schmusige "Stay with me" auf der anderen Seite zeigt sich anschmiegsam, und das nicht nur dank der weiblichen Unterstützung durch Ahn. Und während Lee hier nur klingt wie Willie Nelson, gibt dieser sich im Schlusslicht "Behind me now / El camino reprise" eben sogar selbst die Ehre. Zwar nur im zweiten Teil, aber auch - oder gerade - deshalb funktioniert das Zusammenspiel zwischen Lees glasklarer und Nelsons rauchiger Stimme optimal. Da hört das Jazz-Herz sogar allmählich auf zu bluten und fängt gar heftig an zu schlagen - denn hier ist ein Experiment auf ganz vorzügliche Weise geglückt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • El camino
  • Violin (featuring Sam Beam)
  • Stay with me(featuring Priscilla Ahn)
  • Clear blue eyes

Tracklist

  1. El camino
  2. Windows rolled down
  3. Violin (featuring Sam Beam)
  4. Flower
  5. Stay with me (featuring Priscilla Ahn)
  6. Out of the cold (featuring Pieta Brown)
  7. Jesus (featuring James Gadson)
  8. Hello again
  9. Learned a lot
  10. Cup of sorrow
  11. Clear blue eyes (featuring Lucinda Williams)
  12. Behind me now / El camino reprise (featuring Willie Nelson)

Gesamtspielzeit: 51:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jan1976
2011-02-20 19:58:47 Uhr
Sehr schönes Album!
Bitte gib deinen Namen an!
2011-02-10 11:08:39 Uhr
Platz 1 der US-Albumcharts.
music777
2011-01-09 16:19:59 Uhr
Das vierte Album des Songwriters
erscheint am 21. Januar:

Kurzbeschreibung

Für Amos Lee war der Schlüssel zu seinem vierten Album, Mission Bell, Zeit. Zeit, die er sich nahm, um nachzudenken, zu schreiben und Songs aufzunehmen, die seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden.

„Meine letzten beiden Alben wurden etwas in Eile produziert, da ich zu der Zeit sehr viel auf Tour und daher ständig unterwegs war”, erklärt er. „Bei diesem Album habe ich mir anderthalb Jahre Zeit genommen, saß einfach nur zu Hause und schrieb. Ich habe mehr Zeit alleine mit diesen Songs verbracht als jemals zuvor”, führt er fort, „was, glaube ich, sehr geholfen hat. Es war als ginge man auf einen Flohmarkt oder in einen Second-Hand-Laden – auf den ersten Blick findet man direkt etwas, aber dann muss man immer wieder hingehen, weil man ständig etwas Neues entdeckt.”

Das Ergebnis ist Lees bisher prachtvollstes und ausgereiftestes Album. Mission Bell, das von Joey Burns, einem der Gründer der viel gerühmten Band Calexico, produziert wurde, ist sowohl vielseitig als auch abgerundet und wartet mit einer Bandbreite an Emotionen auf, die durch Lees Geschmackssicherheit und seine unverwechselbare Stimme in Einklang gebracht werden. Mit einem beeindruckenden Aufgebot an Guest-Stars – wie Willie Nelson, Lucinda Williams, Sam Beam (Iron & Wine), James Gadson, Priscilla Ahn und Pieta Brown – und der musikalischen Unterstützung von Calexico erreicht Amos Lee mit diesem Album den Status eines reifen Künstlers, der sich auch weiterhin mit viel Hingabe sowohl musikalisch als auch thematisch weiterentwickelt.

„Viele dieser Lieder haben einen spirituellen Hintergrund und so etwas wie ein suchendes Element in sich”, sagt Lee, der mittlerweile einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Songwriter unserer Zeit ist, was durch den Umstand untermauert wird, dass Größen wie Williams und Nelson mit Freuden seine Songs interpretierten.

Seit der Veröffentlichung von Amos Lees erstem Album 2005 gilt der ehemalige Lehrer aus Philadelphia als einer der herausragenden Songwriter seiner Generation. Nachdem der Rolling Stone ihn zu einem der „Top 10 Artists to Watch” kürte, folgten schnell Tourneen mit Musik-Größen wie Bob Dylan, Merle Haggard, Paul Simon und Elvis Costello.

Mission Bell ist für die Musik von Amos Lee ein entscheidender Schritt nach vorne, doch es scheint auch wie der erste Schritt einer neuen kreativen Reise.


Titelverzeichnis
1. El Camino
2. Windows Are Rolled Down
3. Violin (featuring Sam Beam)
4. Flower
5. Stay With Me (featuring Priscilla Ahn)
6. Out Of The Cold (featuring Pieta Brown)
7. Jesus (featuring James Gadson)
8. Hello Again
9. Learned A Lot
10. Cup Of Sorrow
11. Clear Blue Eyes (featuring Lucinda Williams)
12. Behind Me Now / El Camino Reprise (featuring Willie Nelson)
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