Hot Club De Paris - Free the pterodactyl 3

Hot Club De Paris- Free the pterodactyl 3

Moshi Moshi / Rough Trade
VÖ: 04.02.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wieder spenstig

Wenn es eine Band gibt, der es schnell langweilig werden könnte, dann sicherlich Hot Club De Paris. Alles in ihrer Musik schreit förmlich nach Abwechslung, Aufmerksamkeit und Knalleffekten. Ein einziger Countup aus Bocksprüngen, Euphorie und Intensität. Das letzte, albumlose Jahr verbrachten sie deshalb mit zwei EPs, die beide den kontinentalen Markt nicht erreichten, nun aber auf "Free the pterodactyl 3" nachgereicht werden. Die Entwicklung, die diese Band zu nehmen scheint, wird hier ebenso deutlich wie der Charakter, den sie offensichtlich nicht verlieren will.

Denn es gab und gibt durchaus einen spürbaren Unterschied zwischen "With days like this as cheap as chewing gum, why would anyone want to work?" und "The rise and inevitable fall of the High School suicide cluster band". Auf letzterer EP änderten Hot Club De Paris so einiges, was sie bisher ausgezeichnet hatte. Der schneidende wie luftige Sound, der schier wahnsinnig machende Popvibe, die mehrstimmigen Melodien, der juvenile Punk, der durch Rhythmus und Stimmen fließt - was auf "They shoot horses, don't they?" oder "Dog tired at the spring dance marathon" noch in gewohnt lausbübischer Hochstimmung auftritt, ergänzt sich bei "Biggie Smalls and the ghetto slams" oder "The rise and fall of the High School suicide cluster band" durch einen mit Seventies-Rock angereicherten Indie-Pop, der auch die Kollegen von Field Music seit Jahren umtreibt.

Weil Hot Club De Paris aber auch das gar nicht mal so ernst meinen, schicken sie in Schulerinnerungen schwelgend mit "White town express (Get high, stay low)" einen Prom-Night-Kopf-an-Schulter-Schunkler hinterher, nur um eben jenem gleich darauf mit "Three albums in and still no ballad" zu Glockenspiel und wimmernder Harmonika zunächst den Status streitig zu machen, bevor sie den Song schließlich in eine ihrer euphorisch aufschäumenden Gitarrenfiguren springen lassen, die erneut aufräumt - mit den neuen Konzepten von Hot Club De Paris und ihren Balladen. Und für jeden, der nun gar nicht mehr weiß, von welchem Song genau die Rede war: Ja, genau so geht es nach wie vor zu bei dieser Liverpooler Dreierbande und ihrer zungeschnalzenden Bandwurm-Verkettung von Humor und Widerspenstigkeit. Nichts hat sich daran geändert.

Was "Free the pterodactyl 3" zudem zusammenbringt, ist die zurückgefahrene Offensivität, von der sich bereits "Live at Dead Lake" ansatzweise befreit hatte. Die Barbershop-Gesänge, die Tapping-Figuren, die ploppenden Bassläufe - ist alles noch zugegen und veredelt sich vor allem im Titelsong und "Dance a ragged dance" zu unglaublichen Refrains und eindeutigen Hits. Allerdings werden auch diese Songs nicht mehr derart hitzig auf Punchlines und Singalong ausgelegt. Stattdessen erarbeiten sich Hot Club De Paris notwendige Freiräume, ohne die albern genialen Hipster zu vergessen, die sie nach wie vor sind. So erschaffen sie ein Album des Übergangs. Eines, das dem Alten die Stange hält, während es neues Terrain betritt. Auch diese Autobiographie haben sie also mit traumwandlerischer Sicherheit versenkt. Selbstbewusst - im wörtlichen und im übertragenen Sinne.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Biggie Smalls and the ghetto slams
  • Free the pterodactyl 3
  • Dance a ragged dance
  • They shoot horses, don't they?
  • Three albums in and still no ballad

Tracklist

  1. I'm not in love and neither are you
  2. The rise and fall of the High School suicide cluster band
  3. Fuck you, the truth
  4. Biggie Smalls and the ghetto slams
  5. Free the pterodactyl 3
  6. Dance a ragged dance
  7. Dog tired at the spring dance marathon
  8. They shoot horses, don't they?
  9. The white town express (Get high, stay low)
  10. Three albums in and still no ballad
  11. Noses blazing
  12. Extra time, sudden death

Gesamtspielzeit: 43:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gordon Fraser
2011-01-26 19:38:43 Uhr
Gelungene Rezi, macht Lust auf das Album.

Mochte die beiden Vorgänger sehr. Und auch live überzeugend mit Witz und Spielfreude.
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