M. Walking On The Water - Flowers for the departed

M. Walking On The Water- Flowers for the departed

Fuego / Rough Trade
VÖ: 28.01.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rostlaub

Die Gerüchte über ihr endgültiges Ende waren vielleicht nicht übertrieben, aber letztlich doch mindestens unzutreffend. M. Walking On The Water, die verschrobenen Haudegen aus Krefeld, sind nicht nur zurück, sondern gleich wieder voll da. Nach Jahren der unerklärten Pause trafen sie sich in ihrer Stammkneipe und infizierten sich beim Herunterschrammeln der alten Heuler wieder mit sich selbst. Aus dem Ruhestand gelingt ihnen gleich ihr bestes Album seit "Elysian". Und weil diese Großtat 1991 erschien, ist eine kurze Geschichtsminute nötig.

Also: M. Walking On The Water waren eine Indie-Band aus Krefeld, die mit nöligem Gesang und singenden Sägen erfolgreich am Erfolg vorbei rumpelte. Irgendwann stand die Band mit angemalten Gesichtern in Harald Schmidts Garage und zelebrierte den Übersong "Poison" als Kindergeburtstag in der Geisterbahn. Vorher hatten sie in Ermangelung einer Lightshow Glühbirnen auf Stangen schaukeln lassen und dazu zur Polka aufgespielt; später bemalten sie sich wie Kühe, um Pink Floyd ganz nah zu sein. Markus Maria Jansens kontinentaler Akzent war stets frei von jeglicher Authentizität, doch davon ließ er sich nicht von pathetischem Crooning abhalten. Wenn sich der Begriff "Kauz" nicht im Bart von Will Oldham eingenistet hätte, hätte er längst die Versetzung an den Niederrhein beantragen müssen.

Natürlich interessiert dies im Jahr 2011 niemanden mehr, der nicht schon längst nostalgisch geseufzt hat. Die Musik der Balkenköpfe aber, liebe Spätgeborenen, taumelte damals irgendwo zwischen New Wave, Freakfolk und Balkan-Pop und bietet daher Anknüpfungspunkte an Eure Lieblingshypes der späteren Nuller. Deswegen hat es Euch zu gefallen, dass auch "Flowers for the departed" stolpert und schwelgt wie nichts Gutes. Gleich der erste Song überschlägt sich mit folkloristischem Vollgas und landet punktgenau in den Sinnfreiheiten des Refrains: "Desert in your moon / Water in your beast / The dust in your suitcase is paper at least." Geige und Gitarre liegen sich vor Freude in den Armen.

Die Krefelder recyceln hier zwar ihre alten Leidenschaften, aber das viele vergossene Herzblut macht aus "Flowers for the departed" ein untotes Feierwerk. Glockenspiele, Nörgelgitarren und Katzenfußklaviere bevölkern abseitige Hits wie das Mardigras-Kleinod "Bury me upright". Jansens rustikales Englisch passt vortrefflich zu weinseligen Rhythmen, quietschenden Geigen und schunkelndem Akkordeon. Sein Sprechgesang wird zu Ohrwürmern wie "Twist your head" oder "Lucky girl"dressiert. Das versoffene "Questionmark" kreuzt Tom Waits mit Phillip Boa, während die Libido von "Heavenlove" in einer dunklen Lounge atemlos "Jazz" in die Rauchschwaden lispelt. Die wankelmütigen Rhythmen werden im entrückten "Glitter" oder vom groovenden Knochenklavier in "Sundownraft" auch noch synkopiert. Irgendein Idiot hat die "Flowers for the departed" in Fusel ertränkt, statt das Zeug selbst zu trinken. M. Walking On The Water wäre das nicht passiert. Denn der Fuß wippt am Besten, wenn der Leib sich schüttelt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Dust in the suitcase
  • Glitter
  • Twist your head
  • Lucky girl
  • Sundownraft

Tracklist

  1. Dust in the suitcase
  2. Sing Sally
  3. True sun
  4. Bury me upright
  5. Love is on your side
  6. Glitter
  7. Questionmark
  8. Heavenlove
  9. Twist your head
  10. Song for the nameless
  11. Lucky girl
  12. Sundownraft
  13. Candleblue

Gesamtspielzeit: 46:57 min.

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