Kaizers Orchestra - Violeta Violeta Vol. I

Kaizers Orchestra- Violeta Violeta Vol. I

Petroleum / Rough Trade
VÖ: 28.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Des Kaizers alte Kleider

Junge Band gründet sich in irgendeinem Kellerloch. Junge Band spielt erste lokale Konzerte, tourt irgendwann regional, macht sich dank intensiver Liveshows einen Namen. Veröffentlicht ein erstes Album in kleiner Auflage, das sich durch Mundpropaganda nach und nach immer besser verkauft. Tritt plötzlich im ganzen Land auf, nimmt ein zweites Album auf, veröffentlicht gleichzeitig das Erstlingswerk auch im Ausland. Und dann zählt die junge Band plötzlich zum heißesten Exportschlager, den sein Heimatland zu bieten hat. Ist ein europaweit gefeiertes Ensemble, dessen Tonträger sich bestens verkaufen.

Ein Karriereweg, den es so schon unzählige Male gegeben hat. Bei Kaizers Orchestra hat er dennoch einen exotischen Beigeschmack. Denn die Norweger singen auch 2011 noch in ihrer Landessprache und haben ihren Sound seit dem abgedrehten Ölfass-Getrommel-meets-Polka-Debüt "Ompa til du dør" keinen gravierenden Änderungen unterzogen. Selbst als das Orchester zuletzt mit "Maestro" und "Maskineri" zwei vergleichsweise eingängige und geradlinige Alben aufnahm, mussten die Fans sich nie Sorgen machen, dass ihre Lieblinge in belanglose Radio-Gefilde abrutschen.

Wer Janove Ottesen und Kollegen dennoch Anbiederung an den kleinsten gemeinsamen Nenner vorwerfen will, wird dazu auf "Violeta Violeta Vol. I" Möglichkeiten finden. Etwa bei der romantisch schunkelnden ersten Single "Hjerteknuser" oder dem straighten Gitarrenrock von "Diamant til kull". Mit einer derart engstirnigen Weltsicht wird man mit dem ersten Teil der bis Anfang 2012 geplanten Trilogie allerdings kaum Freude haben. Denn auch diesmal haben Kaizers Orchestra wieder eine eierlegende Wollmilchsau von einem Album geschaffen, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht.

Unter den fröhlichen Klängen von "En for orgelet, en for meg" steckt ein manischer Grundtenor. Und auch das grinsende Saloonklavier in "Din kjole lukter bensin, mor" sollte man nicht für bare Münzen nehmen, wenn der übersetzte Titel "Dein Kleid riecht nach Benzin, Mama" lautet, und das Lied mit dem Ratschen eines Streichholzes endet. Es ist dieses ständige Verfallen in Wahnsinn und Düsternis, das Kaizers Orchestra seit jeher auszeichnet. Die Experimente mit Stimmungen, Instrumenten und Dynamik gehen auf "Violeta Violeta Vol. I" fast immer auf. Wenn "Psyco under min hatt" wütend vor sich hin schnaubt, klingt das genauso gekonnt wie die Dramatik im abschließenden "Sju bøtter tårer er nok Beatrice". Mögen Kaizers Orchestra ihre Lieder auch in etwas schickere Klamotten kleiden als in den Anfangsjahren: Die Seele, die darin steckt, hat immer noch ordentlich einen an der Waffel. Und das ist auch gut so.

(Mark Read)

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Highlights

  • Diamant til kull
  • En for orgelet, en for meg
  • Hjerteknuser
  • Sju bøtter tårer er nok, Beatrice

Tracklist

  1. Philemon Arthur & the dung
  2. Diamant til kull
  3. Femtakt filosofi
  4. Din kjole lukter bensin, mor
  5. En for orgelet, en for meg
  6. Tumor i ditt hjerta
  7. Hjerteknuser
  8. Psyco under min hatt
  9. Sju bøtter tårer er nok, Beatrice

Gesamtspielzeit: 34:57 min.

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