Covenant - Modern ruin

Covenant- Modern ruin

Synthetic Symphony / SPV
VÖ: 14.01.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schnee macht mobil

Die kalte Jahreszeit kennt kein Pardon. Kaum schneit es etwas mehr als gewohnt, strecken Teile der Zivilisation bereits schlotternd alle Viere von sich. Flughäfen erstarren im Frost, Züge frieren auf den Schienen fest - Winter war gestern, heute ist Schneechaos. Weiter nördlich sieht man das weniger eng. Die Schweden Covenant zum Beispiel sind Minusgrade nicht bloß gewöhnt, sondern erzeugen sie in ihrer Musik gerne selbst. Mit einem Sound aus trocken angezerrten elektronischen Bässen, kristallinen Flächen und Eskil Simonssons dunkel unterkühltem Gesang, der die Band bereits seit 15 Jahren zu Garanten für volle Tanzflächen in gotisch beleumundeten Clubs macht. Und außerdem zu einer der wenigen dortigen Konstanten, denen das kurzzeitig gehypte und dann flugs wieder entsorgte Etikett Future Pop nichts anhaben konnte. Gleichbleibende Qualität setzt sich eben auch hier durch.

Ebenfalls unbeschadet überstanden haben Covenant den Weggang von Keyboarder Clas Nachmanson, der nach "Skyshaper" das Handtuch warf - mit dem Deutschen Daniel Myer, einst Mastermind der irgendwo zwischen Body Music und Intelligent Dance angesiedelten Electro-Institution Haujobb., war schnell gleichwertiger Ersatz gefunden. Die initiale Duftmarke des ersten Albums seit knapp fünf Jahren setzen die Zweidrittelschweden allerdings mit ihren Landsleuten vom komplexen Dark-Electro-Duo Necro Facility: Die gemeinsam eingespielte Single "Lightbringer" lässt mit schwer atmendem Backbeat an den EBM-Evergreen "Worlock" der Genre-Veteranen Skinny Puppy denken, wird aber gleichzeitig von luftig aufsteigenden Synthie-Wölkchen und Simonssons akzentuiertem Gesang aufgebohrt. Nach dem geräuschigen Intro ein formidabler Opener - und der Auftakt einer alles anderen als ruinösen Anfangsphase.

Denn auch in der Folge brettern Covenant mit der Vehemenz eines frisierten Schneemobils durch dieses Album. "Judge of my domain" bringt dabei zwischen durchlaufender Sequenz und wie Trockeneis ins Ohr schleichender Melodie zwar genaugenommen keine neuen Erkenntnisse, zischt aber genauso famos ab wie das energetische "Dynamo clock" mit industriell übersteuerten Basslinien und leichten Hardtrance-Anflügen. Dass das sphärische "The beauty and the grace" und der geloopte Synth-Popper "Get on" anschließend ein wenig Tempo und Schärfe aus der Veranstaltung nehmen, mag einer ausgeklügelten Dramaturgie geschuldet sein - leider bremst dieser Umstand "Modern ruin" aber auch ein wenig aus. Dann war es jedoch vielleicht auch ein cleverer Gedanke, Stücke wie "The road" oder den wenig inspirierten Uptempo-Standard "Beat the noise" weiter hinten zu platzieren. Bei diesen Witterungsverhältnissen muss das Publikum nämlich einen längeren Heimweg einkalkulieren und den Club des Geschehens zeitig verlassen, darf dafür aber solche relativen Ereignislosigkeiten verpassen. Beim nächsten Durchlauf sollte man sich dennoch lieber wieder warm anziehen: Mit Covenant kann auch der Nachtfrost richtig Spaß machen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Lightbringer (feat. Necro Facility)
  • Judge of my domain
  • Dynamo clock

Tracklist

  1. Modern ruin
  2. Lightbringer (ft. Necro Facility)
  3. Judge of my domain
  4. Dynamo clock
  5. Kairos
  6. The beauty and the grace
  7. Get on
  8. Worlds collide
  9. The night
  10. Beat the noise
  11. The road

Gesamtspielzeit: 58:11 min.

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