Fujiya & Miyagi - Ventriloquizzing

Fujiya & Miyagi- Ventriloquizzing

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 14.01.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Flüstertüten

David Best kann nicht schreien. Selbst wenn er wollte. Eigenen Angaben zufolge wäre der Sänger von Fujiya & Miyagi aufgrund eines Stimmbanddefektes nicht einmal in der Lage, jemanden per Warnruf davor zu bewahren, von einem Auto plattgefahren zu werden. Doch andere sind schlimmer dran, wie die inzwischen zum Quartett angewachsene Band aus Brighton auf ihrem vierten Album zu berichten weiß. Zum Beispiel die Bauchrednerpuppen im Titelsong, die stets auf das angewiesen sind, was anderer Leute Wampe zum Besten gibt. Was man auch als pfiffige Anspielung auf Menschen verstehen könnte, die lieber fremde Meinungen rezitieren, statt selbst zu denken.

Best dagegen macht sich eine Menge Gedanken, wenn er über Gemüsesuppenvariationen, asiatische Lederwaren oder in allen Regenbogenfarben schillernde blaue Flecken sinniert. Sein der körperlichen Disposition geschuldeter Flüsterton hat sich dabei längst als Markenzeichen etabliert - ebenso wie die unüberhörbare Vorbildgeprägtheit der Band, die auch bei den elf neuen Songs wieder zum Tragen kommt. Erneut bauen Fujiya & Miyagi nämlich dicke Tüten aus kosmischem Allerlei und bassig-elektronischen Loops, als ob Holger Czukay versonnen am Bärtchen zwirbeln, Beck Hansen sich auf der Auslegeware lümmeln und Ade Blackburn anerkennend den Mundschutz zurechtrücken würde.

Denn "Ventriloquizzing" hat mindestens genauso viel von den bereits auf "Transparent things" bemühten Krautrock-Veteranen wie vom psychedelischen Indie-Lazarett Clinic. Bockig wompern die Bassläufe, hier und da lugt ein skelettierter Gitarrenlick aus der hypnotischen Ursuppe aus Groove und elektronischer Monotonie hervor. Das verquer rumpelnde "Sixteen shades of black & blue" geht mit etwas gutem Willen als wattierter Rock-Shuffle durch, das großartige "Taiwanese boots" zupft ein spartanisches Spinett vor einem sich immer wieder selbst ausbremsenden Backbeat. In den Club passt das alles natürlich nur bedingt, weswegen Tracks wie die Single "Yoyo" oder "Pills" das Tempo zwischendurch immer wieder anziehen.

Doch die nächste Gleichlaufschwankung kommt bestimmt. Spätestens, wenn sich Fujiya & Miyagi ihrer selbst bewusst werden - und vermutlich auch der Tatsache, dass ihre Alben stets von einem gewissen Auf und Ab durchzogen sind, auch wenn sie sich aus den Talsohlen meist souverän herauszuarbeiten wissen. Denn: "It's no good crying over spilt milk", wie Best wenig später zu steifer Pianofigur feststellt und dann zum Schluss kommt: "You're not the center of the universe." Gesund nüchterne Selbsterkenntnis auf einer gewohnt dezent bedröhnten Platte, die sich gegen Ende noch den verhuschten Jam-Hopser "Tinsel & clitter" leistet, der geschwind auf Orgelschwaden vorantrippelt und schließlich mit dem Inventar verschmilzt: "We blend in with the furniture." Ein Glück, dass auf der Tanzfläche gar keine Möbel stehen. Also schöne Grüße an die Füße. Und an den Bauch auch.

(Thomas Pilgrim)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Sixteen shades of black & blue
  • Taiwanese boots
  • Tinsel & clitter

Tracklist

  1. Ventriloquizzing
  2. Sixteen shades of black & blue
  3. Cat got your tongue
  4. Taiwanese boots
  5. Yoyo
  6. Pills
  7. OK
  8. Minestrone
  9. Spilt milk
  10. Tinsel & clitter
  11. Universe

Gesamtspielzeit: 39:40 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify