Crystal Fighters - Star of love

Crystal Fighters- Star of love

Different / PIAS / Rough Trade
VÖ: 21.01.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pleasure & Spain

Mit Sicherheit nicht das schlechteste aller Gedankenexperimente: James Murphy gönnt sich nach dem selbsterklärten Ende von LCD Soundsystem eine kleine Auszeit und reist um die Welt. In einem kleinen französischen Stadtcafé trifft er auf den spanischstämmigen Weltmusik-Grandseigneur Manu Chao. Bei ein, zwei, vielleicht drei Tassen Mokka lernen sich die beiden grundverschiedenen Musiker kennen, stellen Gemeinsamkeiten fest, plaudern ein bisschen über die gesellschaftlichen Missstände ihres jeweiligen Heimatlandes und schweben dabei auf einer Wellenlänge. Manu Chao steckt Murphy daraufhin, dass er total auf LCD Soundsystem abfährt und versucht ihn zu überreden, noch nicht aufzuhören. Murphy bleibt bei seiner Meinung, unterbreitet Chao allerdings den Vorschlag ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Das Resultat hört auf den Namen "Star of love" und ist ein hibbeliger Wirbelwind von einem Album.

Die Geschichte ist natürlich von vorne bis hinten erstunken und erlogen. "Star of love" ist das Debüt der spanisch-britisch-amerikanischen Emporkömmlinge Crystal Fighters und verquickt Dancepunk und mediterrane Klänge zu einem brodelnden Pulverfass aus Schweiß, Blut und Tabasco. Dabei kann man die elf Songs recht einfach in drei Kategorien einordnen: die heißblütigen Hits, die in den kommenden Monaten die Tanzflächen erobern werden, die ruhigeren Tracks - und das zweitklassige Füllmaterial, das sich irgendwie zwischen die starken Stücke geschummelt hat. Besonders ansteckend gerät "Xtatic truth", gleichzeitig Vorab-Single und Paradestück, das einen radikalen Spagat zwischen weltmusikalischer Weitsicht und manischer Tanzbarkeit zelebriert. Bezeichnenderweise ist der darauffolgende Track "I do this everyday" stumpfer, perkussiver Nonsense, der etwas an M.I.A. erinnert. Und wie wir alle wissen, hat auch das Fräulein Arulpragasam ihre schwachen Momente.

"Champion sound" hingegen könnte - nicht nur aufgrund des Titels - Theme-Song der Fußball-WM in Spanien werden, wäre da nicht die innige Männerfreundschaft zwischen dem Sepperl Blatter und dem Wladi Putin. Doch Crystal Fighters können nicht nur hitzig-schwitzig, "Plage" ist zurückgelehnter Sommer-Pop für Hängemattenfreunde und VW-Bus-Besitzer. Die entspannteren Momente auf "Star of love" sind zwar deutlich in der Minderheit, können aber durch die Bank überzeugen. Speziell vor diesem Hintergrund sind Ausfälle wie das doof-primitiv protzende "I love London" besonders ärgerlich. Das Debüt der Crystal Fighters ist nichtsdestotrotz ein bunter Farbkleks in einem Genre, in dem es fast ausschließlich bunte Farbklekse gibt. Ein Platz im Dancepunk-Olymp wurde ja just frei, welchen die Crystal Fighters mittelfristig einnehmen könnten. Die zwingenden Hits sind auf ihrer Seite. Don't get innocuous!

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Xtatic truth
  • Champion sound
  • In the summer

Tracklist

  1. Solar system
  2. Xtatic truth
  3. I do this everyday
  4. Champion sound
  5. Plage
  6. In the summer
  7. At home
  8. I love London
  9. Swallow
  10. With you
  11. Follow

Gesamtspielzeit: 42:41 min.

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