Cold War Kids - Mine is yours

Cold War Kids- Mine is yours

Cooperative / Universal
VÖ: 21.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ab durch die Mitte

Richtungsweisend soll sie meistens sein, die verflixte dritte Platte. Entweder rufen das ganz große Geld und Engagements auf Lebenszeit, oder aber die Band löst sich im unglücklichsten Fall aufgrund kreativer Differenzen auf. Cold War Kids aber hängen sich nicht weit aus dem Fenster, wählen für ihren Drittling den goldenen Mittelweg und holen sich das beste aus beiden bisherigen Welten. "Mine is yours" hat weder durchgängig so großartig schepprige Popsongs wie das Debüt "Robbers & cowards", noch ist es so undurchdringlich bluesig und schwer wie "Loyalty to loyalty". Ein sehr gutes gekreuzt mit einem anderen sehr guten Album ergibt in der Summe aber nun einmal nichts anderes als ein weiteres sehr gutes.

"Mine is yours" kann man ohne große Probleme in zwei Hälften teilen. Auf der einen Seite stehen die poppigeren, einfacheren Stücke, die aber meist durch etwas holprigen Sound Schwere vortäuschen möchten. Dazu gehören der Titelsong, der zunächst etwas Zeit benötigt, um in einer wunderschönen Melodie zu ertrinken. "Louder than ever" will es etwas ruppiger, verliert aber auch nie den Draht zur Harmonie und ist genau das, was den Indierock der Band auf den ersten beiden Alben so unvergleichlich gemacht hat. Leider fällt mit "Finally begin" auch der einzige Song, der qualitativ etwas aus dem Rahmen kippt, in diese Sparte.

Auf der anderen Seite stehen wieder die in Blues getränkten, etwas zähen Stücke, die erarbeitet werden wollen. Höhepunkt ist das elektroinfizierte "Sensitive kid", das zunächst mit Wohlklang rein gar nichts zu tun hat, sich aber in eine soulige Anklage gegen die böse, böse Welt steigert. Ein dichteres Gewirr aus Sounds und Percussion liefern hingegen "Out of the wilderness" und "Bulldozer" und sind damit vielleicht schwerer als alles auf dem nicht eben leichten Vorgänger. "Skip the charades" markiert das songgewordene Dilemma von Cold War Kids auf diesem Album und hätte mit seinem melancholisch-düsteren Gitarrenhall atmosphärisch hervorragend auf Bloc Partys "A weekend in the city" oder sogar zu Coldplay gepasst. Und könnte mit ein wenig Radiorotation tatsächlich ein Hit werden.

Und so schielen Cold War Kids allmählich ein wenig auf die große Bühne, was sicherlich auch an Produzent Jacquire King liegt, der sich zuletzt um "Come around sundown" von Kings of Leon kümmerte. Auch wenn sie selbst nicht genau wissen, wohin die Reise gehen soll: "Mine is yours" ist ein Zeugnis innerer Zerrissenheit und funktioniert aber gerade genau deswegen erneut so gut. Klar ist aber auch, dass das nächste Album einen neuen Weg einschlagen muss. Denn diese Zerrissenheit kann auch ganz schnell ins Negative kippen. Für den Moment haben Cold War Kids die Kurve bekommen, aber ein viertes Mal werden wir ihnen so etwas nicht durchgehen lassen können. Voraussichtlich.

(Kai Wehmeier)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Louder than ever
  • Royal blue
  • Skip the charades
  • Sensitive kid

Tracklist

  1. Mine is yours
  2. Louder than ever
  3. Royal blue
  4. Finally begin
  5. Out of the wilderness
  6. Skip the charades
  7. Sensitive kid
  8. Bulldozer
  9. Broken open
  10. Cold toes
  11. Upside down

Gesamtspielzeit: 44:24 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
derderderheißt
2011-05-12 12:56:54 Uhr
kann man ohne weiteres als DAS popalbum des bisherigen jahres durchgehen lassen...
Tom Green
2011-03-11 23:22:30 Uhr
Für mich eine der besten Platten des Jahres bisher und von den meisten Kritikerportalen sträflich unterschätzt. Deutlich das beste Album der Band. Konventioneller im Sound, nicht mehr so hysterisch überdreht, aber songtechnisch besser. Das ist großer Pop ohne anbiedernd oder schlicht zu sein.
Royal Blue, Louder than ever, Broken Open, Mine is yours - ganz hervorragende Songs.
Joni
2011-02-16 14:15:03 Uhr
In München gab's 17 Songs. Na immerhin. 2-3 mehr würden zwar nicht schaden, aber zumindest schonmal etwas länger als die popligen 13 in HH. Aber großes Manko: Variation gleich null. Sehr schwach sowas. Die selbe Reihenfolge, da könnte man von kreativen Musiker durchaus etwas Kreativität erwarten.
Treffer
2011-02-16 14:01:56 Uhr
http://laxmag.de/laxlive/2237-cold-war-kids-muenchen
Hogi
2011-02-15 08:22:50 Uhr
@Joni:

diese Beobachtung hab ich auch schon gemacht und hab mich auch schon entsprechend geärgert/gewundert...deinen letzten Satz unterschreibe ich voll und ganz!
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum