British Sea Power - Valhalla dancehall

British Sea Power- Valhalla dancehall

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 14.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Immer weiter

Wenn man die Albumtitel von British Sea Power Revue passieren lässt, kommen einem Opulenz und die Überwindung jeglicher Gegensätze in den Sinn. Nicht anders verhält es sich mit "Valhalla dancehall". In Deutschland fällt einem unmittelbar die Walhalla mit ihren schönen Säulen in Donaustauf ein, eine von Ludwig I. von Bayern errichtete Gedenkstätte, in der bis heute gefallene Persönlichkeiten der Geschichte mit einer eigenen Marmorbüste geehrt werden. Der König wollte bei ihrer feierlichen Eröffnung die Geschlechtergegensätze überwinden und lud so explizit auch das "weibliche Geschlecht" ein. Rund eineinhalb Jahrhunderte später laden British Sea Power auf ihrem fünften Album zu ausschweifenden Tänzen zwischen muskelzeigendem Breitwandpop und subtilem Shoegaze ein - ganz im Zeichen der Überwindung jeglicher musikalischer Gegensätze.

Trotzdem ist das Brightoner Sextett eine der britischen Bands, die trotz kommerzieller Erfolge nicht so recht in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Zwar versuchen sie, die Aufmerksamkeit durch einprägsame Liveauftritte auf sich zu lenken, bei denen sie schon einmal mit Blumenzwiebeln um sich werfen oder mit der Marschpauke durchs Publikum ziehen - doch so recht gelingt dies nicht. Dabei ist das Potential der Band um Sänger und Gitarrist Scott Wilkinson alias Yan enorm, und es wird auf "Valhalla dancehall" äußerst wirkungsvoll ausgeschöpft. Doch Gefahr droht: Im elfminütigen "Once more now" wird selbst dem geneigtesten Hörer einiges abverlangt. Das shoegazige Stück zieht in einen Rausch, bei dem man nach Einsetzen der Ernüchterungserscheinungen möglicherweise nicht mehr weiß, welches die auslösenden Substanzen waren. Die treibenden Gitarren, die Orgel oder doch die Ruhe nach dem Sturm gegen Ende des Stückes? Eine Antwort muss jeder für sich selbst finden.

Dagegen beginnt dieses Album mit einem für British Sea Power typischen Song: Mit Melodie, Tempo und dem Slogan "Sometimes I wish protesting was sexy on a Saturday night!" rast "Who's in control" davon, wobei Phrase und Inhalt glücklicherweise gleichberechtigt sind. Wie üblich wird auf halber Strecke die Geschwindigkeit auch einmal gedrosselt und ein wenig von den großen Soundschichten abgetragen. "Baby" etwa erweist sich als balladesker Traum, der sich in Zurückhaltung übt, nicht überschwänglich voranprescht und verdeutlicht, dass Geigen ein wunderbares Instrument sein können. Auch die anschließende Vorabsingle "Living is so easy" gefällt durch Charme und Gesangsdoppel. Mehr Harmonie wagen geht nicht. Mit ironischem Unterton gelingt Ihnen außerdem der erste Partyhit des neuen Jahres: "Everyone, the Wessies and the Ossies / Everyone is going to the party." Wer auch immer ihnen diese Textzeilen näher gebracht hat.

Dem stehen natürlich nicht minder großartige, aber umso draufgängerische Stücke wie "Stunde Null" gegenüber, die wie schon "Waving flags" auf "Do you like rock music?" nur so mit dem Zaunpfahl winken. British Sea Power spielen somit auch auf "Valhalla dancehall" all ihre Facetten aus. Die Prognosen stehen allerdings nicht sehr gut, dass sie mit diesem Album mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als zuvor - zu vielseitig und verschroben ist das Ganze ab und an. Immerhin gehören sie nicht zu den Gefallenen, und so bleibt zu hoffen, dass man auch noch am Ende des Jahres an dieses Album denken wird. Die Marmorstatuen haben jedenfalls noch so lange Zeit, bis die Band einmal nicht mehr sein wird - hoffentlich erst in ferner Zukunft.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Who's in control
  • Living is so easy
  • Once more now

Tracklist

  1. Who's in control
  2. We are sound
  3. Georgie Ray
  4. Stunde Null
  5. Mongk II
  6. Luna
  7. Baby
  8. Living is so easy
  9. Observe the skies
  10. Cleaning out the rooms
  11. Thin black sail
  12. Once more now
  13. Heavy water

Gesamtspielzeit: 61:33 min.

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Frank Shankly

Postings: 374

Registriert seit 26.10.2013

2014-11-10 17:43:29 Uhr
Für Desare: mein Platz 13/100
obwohl 'Do You Like Rock Music' gar noch einen Platz höher steht.
Finde die beiden Alben relativ gleichwertig,
'Open The Door' hat letztendlich den Ausschlag zugunsten der DYLRM gegeben
The MACHINA of God
2013-04-28 00:12:02 Uhr
Wieso wurde damals eigentlich die Tour abgesagt?
mr. moe
2011-02-25 21:58:55 Uhr
Gesamte Europa-Tour abgesagt...
der umbäättler fluppi
2011-02-01 16:55:06 Uhr
*umbääätler*
Gorwan Litzec
2011-02-01 16:05:37 Uhr
Rippin the Valhalla, the Valhalla Dance hall play.
Rippin the Valhalla, the Valhalla Doom of day.
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