Lali Puna - Scary world theory

Lali Puna- Scary world theory

Morr / Hausmusik / Indigo
VÖ: 15.10.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Jugend forscht

Popseitig gab es schon zahllose Versuche, sich mit der Wissenschaft zu paaren, der Genreausstoß reicht vom senkrechten Nerd-Punk Marke Man Or Astroman? bis zu den abstrakten Musik-2.0-Entwürfen Markus Popps, zu finden in den verwinkelten Seitenarmen der Oval- Diskographie. Wissenschaftlich betrachtet sind die Ergebnisse vermutlich ziemlich beachtlich, doch die große Mehrheit der Veröffentlichungen mit Forschungsappeal ist meist selbst für mutige Studienabbrecher so attraktiv wie fachfremde Lizenziatsarbeiten. Trocken, schrullig und unwegsam kommen sie daher, was den Einstieg für den erfahrungslosen Hörer nicht einfacher macht. Doch genau hier, wo unzählige Forschergeiste zuvor scheiterten, machen Lali Puna scheinbar alles richtig.

Zunächst müssen allerdings die Versuchsbedingungen genauer erläutert werden. Geschmissen wird Lali Puna hauptsächlich von Valerie Trebeljahr. Die weiteren Angaben auf dem Digipak lesen sich allerdings fast wie ein Jahrbuch der Weilheimer Schule. Console- und Notwist- sowie Iso-68-Mitarbeiter sind maßgeblich an "Scary world theory" beteiligt, weitere klingende Namen reichen von "Uphon" bis "Hausmusik" - alles, was halt so dazugehört. Für das halbakademische Plattenthema ist allerdings die ehemalige Medienangestellte Trebeljahr selbst verantwortlich. Die titelgebende "Scary world theory", vor Jahrzehnten vom Medienwirkungsforscher George Gerbner aufgestellt, ist heute aktueller denn je - und wird auf der Platte ausführlichst abgehandelt.

Als Nährboden für die Theorienverbildlichung wurde wie schon auf dem letzten Lali-Puna-Album ("Tridecoder") ein Frickelteppich an der Nahtstelle zwischen Elektronik und Indie-Rock-Modellen gewählt, der erst zurückhaltend-charmant wirkt und nach intensiverer Beschäftigung eine eigene und schlüssige Cleverness offenbart. Feingliedrig säuselt Valerie Trebeljahr in Englisch und Portugiesisch über vertrackte Rhythmusspuren und weitläufige Melodieschlaufen hinweg, läßt die Komplexität der Thematik vergessen und sorgt für den nötigen Antrieb, sich tiefer in das stellenweise überwältigend schöne Album hineinzudenken. Wo andere Experimente zu trocken anfangen und erst recht ausgehen, schaffen Lali Puna eine Ausgewogenheit zwischen Thementiefe und Staunen ob der puren Schönheit, die ihresgleichen sucht. Zu hoffen bleibt einzig, daß dieser bemerkenswerte Gleichgewichtssinn vielleicht auch den einen oder anderen Konkurrenten auf so frische Ideen bringt.

(Adrian Schulthess)

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Highlights

  • Scary world theory
  • Don't think
  • Come on home

Tracklist

  1. Nin-com-pop
  2. Middle curse
  3. Bi-pet
  4. Contratempo
  5. Scary world theory
  6. 50 faces of
  7. Lowdown
  8. Don't think
  9. Come on home
  10. Satur-nine

Gesamtspielzeit: 37:34 min.

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