B. Dolan - Fallen house, sunken city

B. Dolan- Fallen house, sunken city

Strange Famous / Cargo
VÖ: 12.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Wutprobe

Es ist schon ein rührendes Bild: Die Herzlichkeiten bei Strange Famous reichen so weit, dass sich Labelchef Sage Francis mal eben für ein Promobild zu Bernard Dolan in den Schlafsack legt. Was im sonstigen Rap-Biz eher für Befremden sorgen würde, ist beim Underground-Label aus Providence pure Schelmerei. Dolan und Francis sind nämlich nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Buddies, deren musikalischer Output in die gleiche Kerbe schlägt. Düstere Beats, zynische Lyrics und ein Ohr für den flutschenden Flow. Schon "Leaving New York" reißt seine Zelte mit genau diesen Mitteln ab und knallt mal eben alle Knöpfe aus der Leiste. Die Hook liegt matschig über dem tighten Rhythmus, Dolan spuckt seine Zeilen mit Leichtigkeit darüber. Innerhalb von vier Minuten ziehen sich die Wege zusammen, und das zweite Album schickt sich an, in verzagte Orientierungslosigkeit zu schießen. Und das mit der vollen Wucht, die man nur in Worte legen kann.

Unter "Earthmovers" schlummert dann keine Moral: Die Takte ticken erinnernd unter den Beatgerüsten, die Producer Alias für "Fallen house, sunken city" gebaut hat. Denn Dolan legt Wert darauf, dass das Album von ihnen beiden stammt und letzterer hier gleichberechtigt mit angepackt hat. Die Atmosphäre webt sich direkt auf die Rhymes - am eindrucksvollsten in "Marvin", das sich mit seinem verstümmelten Sample sofort in die Magengrube wühlt. Langsam schiebt sich das Dröhnen über den gesamten Track, bevor nur noch die traurige Wahrheit in ein paar sinnbildenden Silben in der Luft hängt. Doch dies ist eine der wenigen Stellen, an der Dolan einen bitteren Höhepunkt gesetzt hat, um aus dem Gesamtbild auszubrechen. Ansonsten fließen die dunklen Gedanken vor sich hin, und selbst seine Band lässt sich in "Border crossing" davon anstecken. Auf den drögen Schallbechern kleben dort faulige Pocken: "Can't go to sleep, so the dream never ends / Caught up at the border of the living and the dead." Und was sich wie ein leicht von der Hand gehender Wutanfall anhört, dauerte in der Fertigstellung unterm Strich etwa sechs Monate.

Ein Perfektionismus, der auch Features wie P.O.S. einfach schluckt, die sich diesem Strom nur anschließen können. Die kahlen Drums reißen auf Dauer ja sowieso alles mit sich - hinein in diesen trüben, verwirrten, rasenden Sog, der im Kern schlummert. Die Aggression bündelt sich nicht zu einer Kraft, sondern kreist um ihre eigenen leisen Zweifel. "Body of work" ist genau in diesem Niemandsland zu Hause: "Frustration and despair / Silent phone and lonely rage / Why isn't he here?" Einzelne Beobachtungen schieben sich mehr und mehr vor die Linse und formen ein Bild, das sich bitter ins Ohr legt. Ratlosigkeit macht sich breit, dabei war schon ab der ersten Nummer klar, was hier vor sich geht: "I was told to pick my battles / This isn't my war / My fight is with myself / I'm leaving New York." Wiedersehen ausgeschlossen. Irgendetwas hat man gelernt. Was, wird sich zeigen.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Leaving New York
  • Marvin
  • Border crossing

Tracklist

  1. Leaving New York
  2. Fifty ways to bleed your customer
  3. Economy of words (Bail it out)
  4. Earthmovers
  5. The reptilian agenda
  6. The hunter
  7. Marvin
  8. Kitchen sink
  9. Border crossing
  10. Fall of T.R.O.Y. (feat. P.O.S. & Cadence Weapon)
  11. Mr. Buddy Buddy
  12. Body of work

Gesamtspielzeit: 47:03 min.

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