Gazpacho - Missa Atropos

Gazpacho- Missa Atropos

HWT / Sony
VÖ: 26.11.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Leuchtturmwärter

Es liest sich immer etwas steif und verkopft, wenn man versucht, ein Album von Gazpacho zu beschreiben. Oder sollte man besser sagen: zu erklären? Das letztjährige "Tick tock" vertonte auf knapp 50 Minuten Antoine de Saint-Exupérys Reisebericht "Wind, Sand und Sterne". Auch "Missa Atropos", eine Trilogie, versucht gar nicht erst, eine simple Grundstruktur vorzutäuschen und ist damit erneut ein ganz schönes Stück Arbeit für den Hörer geworden. Zur Werkeinführung etwas Infotainment: Ein Mann macht es sich ganz alleine in einem Leuchtturm bequem, um dort die letzte Messe für Atropos zu verfassen, eine Schicksalsgöttin aus der griechischen Mythologie und eine Zerstörerin, die die Todesart auswählte und final den Lebensfaden durchtrennte. Doch warum war der Mann alleine? Was trieb ihn in die Einsamkeit des Leuchtturms? Fragen, die Gazpacho klären möchten.

Was sich nun ganz schön verquast anhört, kommt als Endprodukt deutlich geschmeidiger als "Tick tock" rüber. Und so braucht man diesmal nicht unbedingt einen akademischen Titel, um diese knappe Stunde zu mögen. Auf "Missa Atropos" präsentieren sich die sechs Norweger insgesamt songorientierter als auf dem Vorgänger-Brocken, bei dem es schwerfiel, einzelne Songs hervorzuheben, ohne gleich das Gesamtkunstwerk zu zerstören. Der kurze Opener "Mass for Atropos 1" gibt die atmosphärische Richtung der folgenden drei Songs vor. Über flächigen, weit ausholenden Sounds erzählt Sänger Jan-Henrik Ohme vom Rückzug des von der Welt enttäuschten Protagonisten, der des ewigen Kampfes müde ist und in den Leuchtturm flieht. Der erste Teil des Albums mündet schließlich in "River" - ob der spannenden Percussion und seiner Dynamik eindeutig Höhepunkt von "Missa Atropos".

Der zweite und interessanteste Teil der Trilogie schließt nach einem kurzen Intermezzo mit dem Titeltrack qualitativ nahtlos an und zeigt mit großem musikalischem Bogen alles, was Gazpacho so einmalig und besonders macht. Da ist es fast schon sympathisches Understatement, dass die harten Gitarrenparts nur selten aufblitzen. Der Fokus liegt eindeutig auf der Atmosphäre der mit feinem Gespür für Dynamik, Sinn und Timing gestrickten Songs. "Vera" lässt noch einmal das Schlagwerk von "River" aufleben und geht in das fast klassische Pathos von "Will to live" über. Auf den ersten Blick wirkt das alles sehr homogen - manchmal gar zu homogen. Wer allerdings einmal genauer in die stillen Augenblicke und die leicht ausgefransten Enden dieses Sound-Universums hineinlauscht, der wird eine unglaubliche Vielfalt an Ideen und Stilen entdecken. Geduld ist gefragt.

Im dritten Teil von "Missa Atropos", fahren Gazpacho noch einmal ganz groß auf: Das fast acht Minuten lange "Splendid isolation" beeindruckt durch Epik mit orchestralen Elementen und ausschweifenden Gitarrenmelodien, nur um sich abschließend zum gemütlichen Klavier von "An audience" zur wohlverdienten Ruhe zu betten. Nicht ohne dramatisches Finale, versteht sich. Und obwohl "Missa Atropos" ein Konzeptalbum geworden ist, das bitte und unbedingt als ein ganzes Werk verstanden werden möchte, so stechen doch ein paar Songs heraus, die das Album eingängiger und greifbarer machen als den Vorgänger. Ein beachtlicher Brocken Art-Rock bleibt es natürlich trotzdem. Ein ziemlich großartiger noch dazu.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • River
  • Missa Atropos
  • Vera
  • Splendid isolation

Tracklist

  1. Mass for Atropos I
  2. Defense mechanism
  3. I was never here
  4. Snail
  5. River
  6. Mass for Atropos II
  7. Missa Atropos
  8. She's awake
  9. Vera
  10. Will to live
  11. Mass for Atropos III
  12. Splendid isolation
  13. An audience

Gesamtspielzeit: 59:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Sés
2011-08-04 16:00:29 Uhr
Seit ihr bescheuert? :D Mir gefällt das Album halt nicht so sehr wie Tick Tock. Wenns euch gefällt ist ja gut, aber diese Vorwürfe dass ich nicht hinhören würde und die Fans inruhe lassen soll. Mensch, Kinder...

Aber schön dass ihr Spaß mit der CD habt. Ich hoffe auf das nächste Album.
stanislaus117
2011-01-25 17:25:22 Uhr
und noch was: daß album isst spitze da mus man nur genau hin hoeren aber daß können ja viele hier nicht..behaltet eure meinung fuer euch aber lasst die fans damit in ruhe, denn eines ist ja schon mahl klar es ist ihre beste cd alle anderen hoert doch etwas anderes keiner zwingt euch dazu: es zu hoeren!!
Pipa11
2011-01-25 17:01:22 Uhr
Missa Atropos ist nach tick tock und night meine 3 CD. Ich finde alle 3 CD`s spitzenmäßig. Das neue Album geht nach 3 maligen Anhören richtig gut ins Ohr und wird nie langweilig. Schön ist, daß jeder einen anderen Geschmack hat.
Vania Häussler
2010-10-27 19:48:50 Uhr
noch was: wer bei defense mechanism, river und splendid isolation keine dynamik und spannung vernimmt, dem sei gesagt: muse oder coldplay würden sich nach diesen songs die finger lecken.
Vania Häussler
2010-10-27 19:46:22 Uhr
@enchant: bleib sachlich, für all diejenigen, die wirklich zuhören können, ist das album klasse. und nur das zählt, ausser jemand bringt wirklich objektive denkanstösse vor. oder aber sie lassen es und schreiben über andere bands, die sie mögen. fakt ist, missa ist das reifeste werk von gazpacho und wer das nicht erkennt, dem kann nicht geholfen werden.
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